Kennedy Center, Briefwahl, FEMA und Whiskey-Zölle: Ronald Tramp untersucht, was passiert, wenn politische Entscheidungen auf ein Ego treffen, das bereits einen eigenen Luftraum benötigt.
Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für Superlative, goldene Namensschilder und politische Bodenhaftungsverluste
Ich muss heute über einen Mann berichten, der vermutlich morgens nicht in den Spiegel schaut, sondern eine Pressekonferenz darin abhält.
Donald Trump.
Der größte Präsident aller Zeiten. Der beste Präsident aller Zeiten. Wahrscheinlich auch der beste Mensch, der jemals gleichzeitig einen Kugelschreiber gehalten und einen Raum betreten hat. Jedenfalls, wenn man Donald Trump fragt.
Und Donald Trump fragt Donald Trump sehr häufig.
Nun wäre Selbstbewusstsein grundsätzlich nichts Schlechtes. Aber beim amerikanischen Präsidenten hat es inzwischen Dimensionen erreicht, bei denen gewöhnliches Selbstbewusstsein vermutlich mit einem Fernglas hinterherblickt und murmelt: „Der ist aber weit draußen.“
Das Schöne ist: Washington liefert derzeit beinahe täglich neues Material.
Nehmen wir das Kennedy Center. Trump wollte seinen Namen an dem Kulturzentrum sehen. Ein Bundesrichter entschied jedoch erneut, dass eine solche Änderung nicht einfach vom Trump-geführten Board beschlossen werden könne, weil der Name des Hauses gesetzlich durch den Kongress festgelegt wurde. Weniger als zwei Stunden später stimmte das von Trump geführte Board für eine Schließung des Hauses zwecks Renovierung. Trump erklärte anschließend sogar, die Arbeiten sollten nicht beginnen, solange die Gerichte die Sache mit seinem Namen nicht geklärt hätten.
Das ist Architekturpolitik nach dem Prinzip Kindergarten Deluxe:
„Wenn mein Name nicht über der Tür steht, spielt hier eben niemand Theater!“
Ich finde das beeindruckend konsequent.
Früher wurden Präsidenten nach ihrer Amtszeit mit Gebäuden geehrt. Heute scheint das Gebäude zuerst geschlossen zu werden, damit genügend Ruhe herrscht, um über die Ehrung des amtierenden Präsidenten zu diskutieren.
Dann wäre da die Briefwahl.
Der Supreme Court ließ neue Beschränkungen für Briefwahlstimmen vor den Midterms nicht in Kraft treten. Trump reagierte darauf nicht etwa mit einem staatsmännischen „Ich respektiere die unabhängige Justiz“, sondern griff öffentlich Richter an – darunter von ihm selbst ernannte Richter – und erklärte sinngemäß, das seien nicht die Leute, die er damals interviewt habe.
Das ist großartig.
Richter funktionieren offenbar wie Kühlschränke: Wenn sie nach dem Kauf nicht das gewünschte Ergebnis liefern, reklamiert man sie beim Hersteller.
„Hallo, Supreme Court? Ich habe hier drei Justices bestellt. Einer entscheidet plötzlich unabhängig.“
Auch beim Katastrophenschutz erreicht die Methode Trump bemerkenswerte Höhen. Eine Bundesrichterin entschied wenige Tage zuvor, dass die Regierung bei ihrer Anweisung, die FEMA-Belegschaft drastisch zu reduzieren, gegen Bundesrecht verstoßen habe. Trump hatte zuvor sogar grundsätzlich infrage gestellt, ob die Bundes-Katastrophenschutzbehörde in ihrer bisherigen Form noch gebraucht werde.
Ein politisches Konzept, das sich ungefähr so anhört wie:
„Wir verhindern Brände, indem wir die Feuerwehr verkleinern. Sehr effizient. Weniger Feuerwehrleute bedeuten statistisch auch weniger Feuerwehrleute, die Brände melden.“
Und dann die Handelspolitik.
Während Zölle inzwischen zu Trumps bevorzugtem außenpolitischem Schweizer Taschenmesser geworden sind, verkündete er bei einem Besuch in Irland kurzerhand, den Zoll auf irischen Whiskey wieder abzuschaffen. Zuvor hatten unter anderem der irische Regierungschef und Golfer Shane Lowry das Thema angesprochen.
Das ist Wirtschaftspolitik mit Stammtischkomfort.
Noch zwei Guinness und möglicherweise fällt der Zoll auf Käse.
Vier Guinness: Freihandelsabkommen.
Sechs Guinness: Kanada bekommt Alaska.
Man sollte allerdings sauber unterscheiden: Dass Kritiker Trump für erratisch, selbstbezogen oder institutionell rücksichtslos halten, ist eine politische Bewertung und keine medizinische Diagnose. Die konkreten Vorgänge dahinter sind jedoch real: wiederholte Konflikte mit Gerichten, ungewöhnlich persönliche Reaktionen auf Entscheidungen, die gegen seine politischen Ziele laufen, öffentlichkeitswirksame Eingriffe in Kulturinstitutionen und kurzfristig verkündete politische Kurswechsel.
Für mich als Ronald Tramp ergibt sich daraus ein wunderbares Regierungsprinzip:
Donald Trump liegt niemals falsch.
Manchmal liegt lediglich die Realität falsch.
Oder der Richter.
Oder der Supreme Court.
Oder der Kongress.
Oder die FEMA.
Oder das Kennedy Center.
Oder der Architekt.
Oder Kanada.
Aber Donald?
Donald bleibt Donald.
Würde morgen die Erdanziehungskraft gegen ihn entscheiden, gäbe es vermutlich noch am selben Nachmittag einen Truth-Social-Post:
„GRAVITY IS VERY UNFAIR! Radical left-wing physics. I have always been extremely good at falling.“
Und anschließend würde das Weiße Haus erklären, Newton sei ohnehin überschätzt gewesen.

