Donald Trump wollte billiges Geld, bekam aber eine Zinserhöhung. Ronald Tramp untersucht den ungeheuerlichen Verdacht, dass die Federal Reserve ihre Entscheidungen tatsächlich nach Wirtschaftsdaten trifft.
Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für Zinspolitik, Weltverschwörungen und persönlich beleidigte Taschenrechner
Meine Damen, meine Herren und alle, die noch einen Immobilienkredit besitzen: Amerika hat ein Problem. Ein gigantisches Problem. Vielleicht das größte Problem seit der Erfindung des Taschenrechners. Die Federal Reserve hat die Zinsen erhöht.
Ja. Erhöht!
Und das, obwohl Donald Trump Präsident ist. Viele Menschen sagen, das dürfe mathematisch überhaupt nicht möglich sein.
Trump hatte schließlich Kevin Warsh an die Spitze der Notenbank gebracht. Einen guten Mann. Einen sehr guten Mann. Vielleicht sogar einen unglaublich guten Mann. Jedenfalls so lange, bis dieser gute Mann gemeinsam mit den anderen guten Männern und Frauen der Fed etwas ausgesprochen Untrumpiges tat: Er stimmte einer Zinserhöhung zu.
Das ist ungefähr so, als würde man einen eigenen Kellner einstellen und der bringt plötzlich die Rechnung.
Sofort war klar: Hier kann es sich unmöglich um Inflation, Geldpolitik, Preisstabilität oder andere langweilige Dinge handeln, mit denen sich Volkswirte beschäftigen, während normale Menschen schlafen. Nein. Das muss politisch sein.
Denn in der trumpistischen Wirtschaftslehre gibt es eine einfache Grundregel:
Steigt etwas Gutes, ist Trump verantwortlich. Steigt etwas Schlechtes, steckt eine Verschwörung dahinter.
Aktien steigen? Trump.
Umfrage steigt? Trump.
Geburtstagskuchen geht im Ofen auf? Trump.
Zinsen steigen? Tiefenstaat.
Und so entdeckte der Präsident plötzlich einen „feindseligen Vorstand“ bei der Federal Reserve. Offenbar sitzen dort keine Ökonomen mehr, sondern sieben Menschen in einem abgedunkelten Raum, die morgens gemeinsam fragen: „Wie können wir Donald heute persönlich ärgern?“
„Ich habe eine Idee“, flüstert einer.
„Inflationsbekämpfung?“
„Perfekt! Das wird ihn wahnsinnig machen.“
Besonders tragisch: Kevin Warsh soll laut Trump weiterhin ein guter Mann sein. Damit befindet sich Amerika geldpolitisch in einem völlig neuen Aggregatzustand: Der Chef ist gut, die Entscheidung ist böse, der Vorstand ist schuld und trotzdem haben alle gemeinsam dafür gestimmt.
Das ist Quantenökonomie.
Eine Entscheidung kann gleichzeitig richtig, falsch, politisch motiviert, unabhängig und von einem guten Mann getroffen worden sein – solange niemand den Karton öffnet und nachschaut.
Dabei ist die Lage ausgesprochen gemein. Trump möchte niedrige Zinsen. Sehr niedrige Zinsen. Wahrscheinlich Zinsen, bei denen Banken irgendwann Geld an Kreditnehmer überweisen und sich anschließend persönlich dafür bedanken, dass jemand eine Villa gekauft hat.
Die Inflation hingegen scheint diese brillante Idee nicht gelesen zu haben.
Energiepreise und geopolitische Spannungen halten den Preisdruck hoch.
Die Fed schaut darauf und sagt sinngemäß: Vielleicht sollten wir die Wirtschaft nicht zusätzlich mit billigem Geld fluten.
Trump schaut auf dieselben Daten und erkennt etwas völlig anderes:
eine persönliche Beleidigung.
Das ist die große Stärke der modernen amerikanischen Wirtschaftspolitik. Früher benötigte man komplizierte Modelle, Datenreihen und Prognosen. Heute reicht eine einzige Kennzahl:
„Ist das gut für Donald?“
Wenn ja: ökonomisch hervorragend.
Wenn nein: politischer Anschlag.
Besonders begeistert zeigen sich dagegen viele Ökonomen darüber, dass die Notenbank ihre Unabhängigkeit demonstriert. Denn eine Zentralbank soll Preisstabilität sichern und nicht funktionieren wie der Zimmerservice im Weißen Haus:
„Hallo, Fed? Oval Office hier. Einmal zwei Prozent Wachstum, null Inflation, Hypotheken zum Sonderpreis und den Dow bitte bis Freitag verdoppeln.“
„Natürlich, Mr. President. Möchten Sie dazu Pommes?“
Doch Kevin Warsh hat offenbar die Speisekarte verwechselt und stattdessen Zinserhöhung serviert.
Jetzt droht sogar weiterer geldpolitischer Ärger. Die Fed signalisiert, dass weitere Straffungen möglich sind.
Das könnte bedeuten, dass Donald Trump bald feststellen muss, dass selbst ein von ihm ausgewählter Zentralbankchef noch etwas Gefährlicheres besitzt als schlechte Loyalität:
einen Taschenrechner.
Und Taschenrechner sind bekanntlich brutal.
Sie kennen keine Umfragen.
Keine Truth-Social-Posts.
Keine Spitznamen.
Sie rechnen einfach.
Ein vollkommen unamerikanisches Verhalten.

