Andere Menschen rufen bei Steuerfragen ihren Berater an. John Prevost ruft einfach den Papst. Ronald Tramp über den ersten Heiligen Vater mit Nebenjob als Finanzamt-Flüsterer und Familien-Helpdesk.
Es gibt Familien, in denen ruft man seinen Bruder an, wenn der Grill nicht anspringt. Andere fragen, ob er am Wochenende beim Umzug helfen kann. Und dann gibt es die Familie Prevost.
Dort lautet das Gespräch offenbar:
„Hallo Robert, kurze Frage zur Steuer.“
Robert ist allerdings nicht irgendein Robert.
Robert ist Papst Leo XIV.
Ich bin Ronald Tramp, internationaler Reporter für Weltpolitik, Wunder und Menschen, die offenbar selbst dann nicht in Ruhe gelassen werden, wenn sie bereits Stellvertreter Christi auf Erden geworden sind.
Denn Papst Leo XIV. hat, wie sein Bruder John Prevost im italienischen Fernsehen verriet, offenbar ein erstaunliches Zusatzportfolio. Kirchenoberhaupt? Natürlich. Theologe? Selbstverständlich. Staatsoberhaupt des Vatikan? Klar.
Aber zusätzlich offenbar:
Steuerberater. Computerhilfe. Familienhotline. Universeller Problemlöser.
Andere Päpste hatten päpstliche Bullen.
Leo hat offenbar auch Excel.
Und ich sage Ihnen: Das ist groß. Vielleicht sogar historisch groß. Sehr viele Leute sagen das. Wahrscheinlich alle.
Man stelle sich die Szene vor.
Im Vatikan berät der Papst gerade über Weltfrieden, Bischofsernennungen und die Zukunft der katholischen Kirche.
Plötzlich klingelt das Telefon.
Der Kardinal hebt ab.
„Heiliger Vater, Ihr Bruder.“
„Ist es dringend?“
„Er findet die Anlage N nicht.“
Und schon wird das Konzil unterbrochen.
„John, hör gut zu. Erst Bruttoeinnahmen eintragen. Dann Werbungskosten. Und nein, ein neuer Fernseher ist nicht automatisch ein Arbeitsmittel, nur weil du dabei manchmal E-Mails liest.“
Das ist Seelsorge 2.0.
Vom Heiligen Geist zur heißen Hotline
Besonders wunderbar: Bruder John soll seinen päpstlichen Bruder nicht nur bei Steuerfragen anrufen, sondern auch beim Umgang mit einem neuen Computer.
Ein 71-jähriger Papst als familiärer First-Level-Support.
Das verändert alles.
Man denkt beim Vatikan bisher an Marmor, Weihrauch, Schweizergarde und jahrhundertealte Archive.
In Wahrheit könnte die wichtigste päpstliche Tätigkeit inzwischen lauten:
„Hast du ihn schon einmal neu gestartet?“
Vielleicht beginnt künftig jede Audienz mit den Worten:
„Im Namen des Vaters, des Sohnes und des abgesicherten WLANs.“
Und wenn ein Kardinal sein Passwort vergessen hat, gibt es keine Exkommunikation mehr.
Nur noch:
„Mindestens zwölf Zeichen, Eminenz. Und NICHT wieder ‚Jesus123‘.“
Ich kann es direkt vor mir sehen: Papst Leo sitzt am päpstlichen Schreibtisch, vor ihm drei Monitore, eine Bibel, ein Taschenrechner und ein Drucker, der seit 20 Minuten behauptet, er sei offline.
Das wäre übrigens das überzeugendste Argument für die Existenz der Hölle.
Der Vatikan erweitert sein Angebot
Wenn Leo tatsächlich über „großes Wissen in allen Bereichen“ verfügt, ergeben sich völlig neue Möglichkeiten.
Die katholische Kirche könnte ihre Dienstleistungen massiv ausbauen.
Montags: Beichte.
Dienstags: Steuererklärung.
Mittwochs: Windows-Update.
Donnerstags: Eheberatung.
Freitags: Router konfigurieren.
Samstags: Audienz.
Sonntags: Backup.
Und Weihnachten gibt es statt „Urbi et Orbi“ vielleicht:
„Update et Reboot.“
Millionen Menschen auf dem Petersplatz warten gespannt.
Der Papst tritt auf den Balkon.
„Liebe Brüder und Schwestern, denkt daran, eure Belege zehn Jahre aufzubewahren.“
Die Menge jubelt.
Ein Mann fällt auf die Knie.
Nicht aus religiöser Ergriffenheit.
Er hat gerade erfahren, dass sein Arbeitszimmer steuerlich anerkannt wurde.
Der mächtigste Bruder der Welt
Aber besonders faszinierend finde ich die familiäre Normalität.
Man kann zum Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken gewählt werden, Staatsgäste empfangen und internationale Krisen kommentieren.
Und trotzdem bleibt man in der Familie offenbar der Typ, den man anruft, wenn der Laptop seltsame Dinge macht.
Das ist vermutlich die größte Macht der Familie.
Du kannst Papst sein.
Für deinen Bruder bleibst du Robert, der „sich doch mit Computern auskennt“.
Ich kenne dieses Prinzip.
Du kannst Präsident sein, Milliardär oder großer, sehr erfolgreicher Reporter.
Irgendein Verwandter wird dich trotzdem fragen:
„Kannst du kurz meinen Drucker anschauen?“
Und mit „kurz“ meint er Sonntagabend bis Dienstag.
Das nächste päpstliche Wunder
Vielleicht erleben wir bald sogar die nächste Stufe.
Die katholische Kirche erkennt traditionell Wunder an.
Wasser wird zu Wein.
Kranke werden geheilt.
Doch das größte moderne Wunder wäre:
Ein vollständig korrekt ausgefülltes deutsches Steuerformular ohne Rückfrage des Finanzamts.
Sollte Papst Leo das schaffen, müsste man vermutlich sofort ein zweites Verfahren zur Heiligsprechung eröffnen.
Denn einen Toten zum Leben erwecken?
Beeindruckend.
Aber Elster fehlerfrei durchbekommen?
Das grenzt an Übernatürliches.
Und sollte Leo zusätzlich noch einen WLAN-Drucker installieren können, ohne dabei dreimal den Glauben an Gott zu verlieren, bin sogar ich bereit, von göttlicher Intervention zu sprechen.
Bis dahin bleibt Papst Leo vermutlich weiterhin das, was jede Familie braucht:
Bruder.
Ratgeber.
Computerexperte.
Steuerhelfer.
Und nebenbei Papst.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich frage mich nur noch eines:
Kann man den päpstlichen IT-Support eigentlich als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen?

