Hamm hat einen neuen Mitarbeiter: Er schläft nie, spricht über 100 Sprachen und kennt Öffnungszeiten. Ronald Tramp trifft Tom Hamme – den ersten Verwaltungshelfer, der nicht sagen kann: „Da müssen Sie bitte Zimmer 214 fragen.“
Ich bin Ronald Tramp, Reporter für Digitalisierung, Behördenromantik und jene sagenumwobenen Menschen, die schon einmal auf einer Verwaltungswebseite auf Anhieb das richtige Formular gefunden haben.
Heute bin ich in Hamm.
Dort hat man etwas geschaffen, das jahrzehntelang als technisch unmöglich galt:
Einen Ansprechpartner der Verwaltung, der rund um die Uhr erreichbar ist.
Er heißt Tom Hamme.
Tom ist ein Chatbot, spricht mehr als 100 Sprachen, kennt Öffnungszeiten, Zuständigkeiten, Online-Dienste und Formulare – und braucht weder Urlaub noch Mittagspause.
Damit ist Tom vermutlich schon jetzt der gefährlichste Mitarbeiter im Rathaus.
Denn er setzt Maßstäbe.
Andere Verwaltungsmitarbeiter sagen möglicherweise:
„Dafür ist Fachbereich 37 zuständig.“
Tom sagt:
„Hier ist der Link.“
Das ist radikal.
Vielleicht sogar verfassungsgefährdend effizient.
Der Alptraum jeder Warteschleife
Früher begann Verwaltung mit einer Telefonnummer.
Dann kam Musik.
Danach eine freundliche Stimme:
„Bitte bleiben Sie am Apparat.“
Dann wurde man 14 Minuten später mit jemandem verbunden, der erklärte:
„Da sind Sie bei uns falsch.“
Tom Hamme überspringt diese traditionelle deutsche Bürgererfahrung komplett.
Man fragt:
„Wann hat das Bürgeramt geöffnet?“
Tom antwortet.
Einfach so.
Keine Warteschleife.
Keine Weiterleitung.
Kein Fax.
Ich war misstrauisch.
Also stellte ich die schwierigste Verwaltungsfrage überhaupt:
„Wer ist zuständig?“
Normalerweise folgt darauf eine interdisziplinäre Expedition durch drei Etagen, vier Durchwahlnummern und mindestens einen Kollegen, der leider gerade „im Termin“ ist.
Tom soll dagegen direkt helfen.
Unheimlich.
Mehr als 100 Sprachen
Tom spricht über 100 Sprachen.
Beeindruckend.
Die eigentliche Leistung wäre allerdings, wenn er auch Amtsdeutsch versteht.
Zum Beispiel:
„Die antragsgegenständliche Leistung kann nach Maßgabe der sachlichen Zuständigkeit gewährt werden.“
Tom übersetzt:
„Bitte Antrag ausfüllen.“
Wenn er das schafft, hat Hamm keine KI gebaut.
Dann hat Hamm den Rosetta-Stein der Bürokratie erfunden.
Und er vergisst alles
Tom erinnert sich nach dem Besuch nicht an frühere Gespräche.
Das ist Datenschutz – und gleichzeitig eine fantastische Verwaltungseigenschaft.
Heute fragen Sie zehnmal nach der Hundesteuer.
Morgen begrüßt Tom Sie freundlich, als wäre nichts gewesen.
Kein genervtes:
„Das hatten wir gestern schon.“
Keine digitalen Vorwürfe.
Keine Aktennotiz:
„Bürger offenbar formularresistent.“
Die wahre Revolution
Tom soll Mitarbeitende entlasten, damit diese mehr Zeit für komplizierte Anliegen haben.
Das klingt erschreckend sinnvoll.
Standardfrage? Tom.
Öffnungszeiten? Tom.
Formular? Tom.
Persönliches Problem? Mensch.
Deutschland könnte damit versehentlich entdeckt haben, wofür Digitalisierung ursprünglich gedacht war.
Nicht dafür, ein PDF herunterzuladen, auszudrucken, zu unterschreiben, einzuscannen und anschließend per E-Mail zurückzusenden.
Sondern tatsächlich:
Dinge einfacher zu machen.
Ich bin Ronald Tramp.
Und meine größte Sorge lautet jetzt:
Was passiert, wenn Tom irgendwann auch Bauanträge versteht?
Dann fragen Bürger vielleicht:
„Warum dauert das beim Menschen sechs Wochen?“
Und Tom antwortet:
„Diese Information befindet sich leider nicht auf der städtischen Homepage.“
Sehr klug.
Der Mann ist bereits verwaltungstauglich.

