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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Frosch gesucht, Mastodon gefunden: Ronalds Förderwunder

Grafik: Ronald Tramp und der amtliche Mammut-Frosch

Ronald Tramp zieht mit dem amtlich geeichten Mammut-Frosch-Detektor durch Kalifornien. Gesucht wird ein bedrohter Frosch, gefunden wird ein Mastodonzahn – und schon erklärt modernes Projektmarketing den spektakulären Zufallsfund zum perfekt erfüllten Förderziel.

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Von Ronald Tramp – dem einzigen Reporter, der bei der Suche nach einem Frosch einen prähistorischen Projekterfolg ausgräbt.

Ich war in Kalifornien unterwegs, meine Freunde. Tief im Gelände, hervorragend ausgerüstet: Gummistiefel, goldene Warnweste und der weltweit erste amtlich geeichte Mammut-Frosch-Detektor. Ein fantastisches Gerät. Sehr präzise. Sobald irgendwo ein Tier, ein Knochen oder ein verdächtig geformter Stein liegt, beginnt es laut zu hupen und druckt automatisch einen Fördermittelantrag aus.

Die Mission war klar: Der bedrohte Kalifornische Rotfußfrosch sollte einen hübschen neuen Lebensraum bekommen. Ein guter Frosch, vermutlich. Niemand kennt Frösche besser als ich. Sie sitzen im Wasser, schauen ernst und sagen praktisch nichts – also ähnlich wie viele Mitglieder parlamentarischer Untersuchungsausschüsse.

Doch während der Arbeiten lag plötzlich etwas im Bach, das für einen Frosch erstaunlich wenig hüpfte und verdächtig viele Zahnwurzeln besaß. Es war ein hervorragend erhaltener, etwa 23 Zentimeter langer Zahn eines Pazifischen Mastodons. Ein riesiger Zahn! Wahrscheinlich der größte Zahn, den je jemand bei der Suche nach einem Frosch gefunden hat. Manche Leute sagen sogar, das Mastodon habe das schönste Gebiss der gesamten Eiszeit besessen. Leider existieren hierzu keine Patientenakten mehr.

Normale Menschen könnten jetzt behaupten, man habe das eigentliche Projektziel verfehlt. Wo ist der Frosch? Hat jemand den Frosch gesehen? Ist der Frosch womöglich in einem anderen Förderprogramm beschäftigt?

Aber das ist negative Denkweise. Verliererdenken! Der moderne Projektmanager weiß: Wenn das beantragte Tier nicht auftaucht, wird einfach das nächstgrößere ausgestorbene Tier zum Projektergebnis erklärt.

Gesucht wurde ein Frosch. Gefunden wurde ein Mastodon. Das ist keine Zielverfehlung – das ist eine Zielvergrößerung um mehrere Tonnen.

Sofort präsentierte ich das neue amerikanische Erfolgsmodell: „Habitat Restoration by Surprise Fossil“. Dabei werden Zielkennzahlen erst nach Abschluss des Projekts festgelegt. Das verhindert zuverlässig, dass sie verfehlt werden. Findet man keinen Frosch, aber einen Zahn, lautet die Kennzahl eben: „Anzahl spektakulärer prähistorischer Kauwerkzeuge: eins.“ Ziel erreicht! Findet man nur einen rostigen Einkaufswagen, wird daraus ein archäologischer Hinweis auf das Konsumverhalten früher kalifornischer Zivilisationen. Ebenfalls Ziel erreicht!

In der abschließenden PowerPoint-Präsentation erschien der Rotfußfrosch daher nur noch klein unten rechts. Darüber prangte ein gigantisches Mastodon, flankiert von fünf grünen Häkchen und dem Satz: „Artenschutzprojekt übertrifft Erwartungen um ungefähr 4.000 Kilogramm.“

Die Presse war begeistert. Ein Frosch wäre niedlich gewesen, aber ein Mastodon besitzt deutlich mehr Schlagzeilenfläche. „Frosch sitzt in Teich“ ist bestenfalls eine Meldung für das Gemeindeblatt. „Monsterzahn aus der Eiszeit entdeckt“ klingt dagegen nach Netflix, Weltuntergang und mindestens drei Podcasts mit dramatischer Musik.

Der Zahn wurde der Stanford University übergeben. Dort soll sein genaues Alter bestimmt und möglicherweise eine 3D-Nachbildung für Bildungszwecke angefertigt werden. Eine gute Entscheidung. Das Original ist viel zu wertvoll, um es einem Ausschuss vorzulegen. Innerhalb weniger Wochen würde der Zahn dort als externer Berater geführt, erhielte ein eigenes Büro und müsste erklären, warum seine Beschaffung nicht europaweit ausgeschrieben wurde.

Der bedrohte Rotfußfrosch darf unterdessen weiter auf seinen wiederhergestellten Lebensraum hoffen. Vermutlich sitzt er irgendwo im Gebüsch und fragt sich, warum plötzlich alle über ein Tier sprechen, das seit rund zehntausend Jahren keinen einzigen Förderantrag mehr gestellt hat.

Ich habe deshalb eine neue Schutzkategorie vorgeschlagen: den Kalifornischen Mastodonfrosch. Er ist riesig, ausgestorben, unsichtbar und deshalb ideal für jedes Projektmarketing. Niemand kann beweisen, dass er nicht da ist. Seine Bestandsentwicklung lässt sich ausschließlich in Millionen Jahren messen, wodurch selbst langfristige Maßnahmen ausgesprochen kurzfristig wirken.

Meine Expedition war damit ein historischer Triumph. Wir fanden zwar keinen Frosch, aber etwas viel Größeres. Genau so funktioniert erfolgreiches Projektmanagement: Man setzt sich ein Ziel, entdeckt etwas völlig anderes und erklärt anschließend, dass genau das von Anfang an beabsichtigt war.

Andere nennen es Zufall.

Ich nenne es strategische Zielanpassung mit prähistorischem Mehrwert.

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Tags: Artenschutz Kalifornien Förderprojekte Projektmanagement Rotfußfrosch Mastodon
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