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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

PISA 2025: Deutschland liest jetzt auf Kompetenzstufe „Bitte nochmal erklären“

Grafik: PISA 2025 - Deutschland kann den Abstieg berechnen

Lesen schwächer, Rechnen schwächer, Naturwissenschaften schwächer: Die neuen PISA-Zahlen stellen Deutschland erneut ein miserables Zeugnis aus. Ich untersuche, wie man einen Bildungsabstieg verwaltet, ohne dabei versehentlich Unterricht zu verbessern.

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Meine Damen und Herren, es gibt neue Nachrichten aus dem deutschen Bildungssystem. Große Nachrichten. Historische Nachrichten. Nachrichten, die man allerdings besser sehr langsam vorliest, denn laut der neuen PISA-Auswertung könnte inzwischen ein beträchtlicher Teil der deutschen Schülerinnen und Schüler Schwierigkeiten haben, bis zum Ende dieses Absatzes durchzuhalten.

Ich bin Ronald Tramp, und ich habe mir die Zahlen angesehen.

Zumindest glaube ich das.

Denn wenn die Entwicklung so weitergeht, muss man demnächst selbst als Journalist vor jeder Statistik erst ein Erklärvideo auf TikTok schauen.

Die neue PISA-Studie soll Deutschland erneut ein schlechteres Zeugnis ausstellen. Rund 6.700 deutsche 15-Jährige wurden in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet. Das Ergebnis, stark vereinfacht:

Lesen: runter.

Rechnen: runter.

Naturwissenschaften: ebenfalls runter.

Deutschland hat damit endlich einen Bildungsbereich gefunden, in dem alle drei Disziplinen wunderbar zusammenarbeiten.

Nach unten.

Das ist Teamgeist!

Andere Länder investieren jahrelang in interdisziplinäre Konzepte. Deutschland schafft das ganz ohne Konzept.

Besonders beeindruckend: Beim Lesen und Rechnen soll inzwischen ungefähr jeder dritte Schüler zur sogenannten Risikogruppe gehören. In den Naturwissenschaften ungefähr jeder vierte.

Jeder Dritte!

Meine Freunde, wenn in einem Flugzeug jeder dritte Motor nicht richtig funktioniert, sagt niemand:

„Wir beobachten die Entwicklung und richten einen Runden Tisch ein.“

Außer vielleicht in Deutschland.

Dann heißt es vermutlich:

„Motorenkompetenz befindet sich in einem herausfordernden Transformationsprozess.“

Und anschließend bekommt das Flugzeug ein neues pädagogisches Leitbild.

Kompetenzstufe I – jetzt mit Selbstwertgefühl

Bei PISA gibt es sogenannte Kompetenzstufen. Wer nur Stufe I oder darunter erreicht, kann beispielsweise einfache Aufgaben nach klarer Anleitung lösen oder offensichtliche Informationen aus Tabellen herauslesen.

Deutschland reagiert darauf bestimmt schnell und pragmatisch.

Man könnte einfach die Beschriftung ändern.

Aus:

„leistungsschwach“

wird:

„ergebnisoffen lernend“.

Aus:

„kann nicht ausreichend lesen“

wird:

„erschließt Texte nonkonventionell“.

Und wer 7 × 8 nicht weiß, verfügt künftig über:

„eine individuelle mathematische Perspektive auf 56“.

Problem gelöst.

Keine schlechten Schüler mehr.

Nur alternative Ergebnisse.

Das Bildungsministerium kann anschließend verkünden:

„Wir haben die Risikogruppe erfolgreich abgeschafft.“

Wie?

„Wir nennen sie nicht mehr Risikogruppe.“

Fantastisch.

Deutschland war schließlich einmal das Land von Goethe, Schiller, Gauß und Einstein.

Heute könnte Goethe beim Vorlesen von Faust vermutlich nach drei Seiten die Rückmeldung bekommen:

„Zu viel Text. Gibt es das auch als Reel?“

Einstein würde an die Tafel schreiben:

E = mc²

und jemand aus der letzten Reihe fragt:

„Kommt das in der Klausur dran?“

Gauß müsste zunächst erklären, warum der Taschenrechner keinen WLAN-Zugang braucht.

Seit 2015 geht es bergab

Das wirklich Unangenehme ist: Es handelt sich nicht um einen einmaligen Ausrutscher.

Seit etwa 2015 zeigen die deutschen PISA-Ergebnisse insgesamt nach unten.

Das ist kein Stolpern mehr.

Das ist eine Wanderroute.

Mit Ausschilderung.

Man könnte mittlerweile wahrscheinlich einen Sessellift bauen.

Und jedes Mal, wenn neue Zahlen erscheinen, beginnt dasselbe Ritual.

Politiker treten vor Kameras.

Sie schauen besorgt.

Sehr wichtig: besorgt schauen.

Dann sagen sie:

„Wir müssen jetzt handeln.“

Das sagten sie beim letzten Mal auch.

Und davor.

Und wahrscheinlich bereits beim ersten PISA-Schock vor 25 Jahren.

Deutschland hat damit möglicherweise die einzige Bildungspolitik entwickelt, bei der sich über Jahrzehnte vor allem eines zuverlässig verbessert:

die Qualität der besorgten Pressekonferenz.

Wir verfügen über erstklassige Betroffenheit.

Weltspitze.

Vielleicht sogar Kompetenzstufe VI.

Und natürlich brauchen wir erst eine Arbeitsgruppe

Die logische Konsequenz aus den Zahlen wäre möglicherweise: Grundkompetenzen stärken, Unterrichtsausfall reduzieren, Lehrkräfte entlasten, früh fördern, Sprachkompetenz verbessern, Schulen vernünftig ausstatten und gezielt dort Ressourcen einsetzen, wo Probleme besonders groß sind.

Sehr vernünftig.

Deshalb wird das wahrscheinlich nicht zuerst passieren.

Zuerst benötigen wir:

eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe.

Dann einen Bildungsgipfel.

Dann eine Steuerungsgruppe zum Bildungsgipfel.

Dann eine wissenschaftliche Begleitgruppe zur Steuerungsgruppe.

Anschließend ein 187-seitiges Strategiepapier namens:

„Kompetenzorientierte Bildungsresilienz 2037 – Gemeinsam Zukunft lesen.“

Das Dokument wird selbstverständlich als PDF veröffentlicht.

Leider kann es jeder dritte Schüler nicht vollständig verstehen.

Aber immerhin ist es barrierefrei.

Digitalisierung wird uns retten!

Vielleicht heißt die Antwort wieder Digitalisierung.

Deutschland liebt Digitalisierung im Bildungswesen.

Wenn ein Schüler nicht lesen kann, bekommt er ein Tablet.

Dann kann er digital nicht lesen.

Fortschritt!

Wenn er nicht rechnen kann, bekommt er eine Lern-App.

Die App fragt:

„Was ist 17 + 25?“

Der Schüler drückt auf das Mikrofon und fragt ChatGPT.

Die Schule meldet anschließend:

100 Prozent digitale Kompetenz.

Großartig.

Vielleicht revolutionieren wir PISA einfach komplett.

Zukünftige Aufgabe:

„Kevin kauft drei Energydrinks für jeweils 2,40 Euro. Wie viel kostet das insgesamt?“

Antwortmöglichkeiten:

A: 7,20 Euro

B: 72 Euro

C: „Keine Ahnung Bruder“

D: „Google“

Wenn mindestens 50 Prozent A anklicken, erklärt die Kultusministerkonferenz das Schuljahr für historisch erfolgreich.

Der soziale Hintergrund bleibt der Elefant im Klassenzimmer

Und hinter all den Witzen steckt leider ein sehr ernstes Problem.

PISA hat Deutschland schon vor 25 Jahren darauf hingewiesen, dass Bildungserfolg stark mit sozialer Herkunft zusammenhängt. Schulen kämpfen gleichzeitig mit Lehrkräftemangel, Sprachproblemen, unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und vielerorts einer Infrastruktur, bei der bereits ein funktionierendes WLAN als pädagogische Innovation gefeiert wird.

Ein Bildungssystem kann diese Probleme nicht mit Schlagworten lösen.

Und schon gar nicht dadurch, Anforderungen einfach so lange umzubenennen, bis niemand mehr schlecht abschneidet.

Denn schlechte Bildungsleistungen verschwinden nicht, wenn man die Statistik schöner formuliert.

Spätestens auf dem Ausbildungsmarkt, an der Universität oder im Berufsleben erscheint der unangenehmste Prüfer überhaupt:

die Realität.

Die verteilt keine Kompetenzpunkte für Bemühungen.

Wenn eine Pflegekraft Medikamentenmengen berechnet, hilft kein Motivationssticker.

Wenn ein Elektriker technische Dokumentationen lesen muss, gibt es keine Multiple-Choice-Hilfe von der Kultusministerkonferenz.

Und wenn Deutschland Hochtechnologiestandort bleiben möchte, wäre es vielleicht günstig, wenn zukünftige Ingenieure Zahlen nicht ausschließlich als Dekoration betrachten.

Ich bin Ronald Tramp, und deshalb habe ich einen völlig radikalen Vorschlag:

Schüler sollten in der Schule wieder richtig lesen, schreiben und rechnen lernen.

Ich weiß.

Extrem.

Provokant.

Fast revolutionär.

Vielleicht sogar verfassungsfeindlich gegenüber manchen Bildungskonzepten.

Aber wir könnten es einfach ausprobieren.

Und wenn das nicht funktioniert, können wir immer noch die bewährte deutsche Lösung nutzen:

Wir benennen PISA um.

Dann ist das Problem weg.

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Tags: Deutschland Schule Bildung Mathematik Bildungspolitik Lesekompetenz PISA 2025
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