Trump lehnt Irans Hormus-Vorschlag ab, der Ölmarkt wird nervös – und kurz darauf sollen wieder Gespräche stattfinden. Ronald Tramp besucht die Weltbörse für geopolitisches Überraschungsöl.
Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für Öl, Weltpolitik und Tankstellen-Schockstarre
WASHINGTON/TEHERAN – Meine Damen und Herren, es gibt Menschen, die beeinflussen den Ölpreis mit komplizierten Entscheidungen der OPEC. Andere brauchen Förderquoten, Tankerflotten oder geopolitische Strategien.
Donald Trump braucht offenbar nur ein Mikrofon und das Wort „Nein“.
Iran hatte über Vermittler einen Vorschlag vorgelegt, der die Straße von Hormus wieder stärker für den Schiffsverkehr öffnen und neue Gespräche ermöglichen sollte. Trump bestätigte am Samstag öffentlich, dass er den Vorschlag zurückgewiesen habe. Zugleich laufen die Vermittlungsbemühungen weiter; gegenüber Axios sagte Trump anschließend, er erwarte bereits in dieser Woche weitere Gespräche.
Das ist klassische Trump-Diplomatie.
„Nein!“
Kurze Pause.
„Aber wir reden Montag weiter.“
Ich bin Ronald Tramp und darf Ihnen versichern: Niemand verhandelt so effizient widersprüchlich. Nobody! Andere Diplomaten öffnen Türen. Trump schlägt sie zu, vergoldet den Türknauf und kündigt anschließend eine Pressekonferenz darüber an, dass noch nie jemand eine derart fantastische Tür besessen habe.
Und irgendwo daneben sitzt der Ölmarkt und bekommt nervöse Zuckungen.
Die Straße von Hormus ist schließlich keine romantische Hafenpromenade, auf der zwei Fischerboote und ein gelangweilter Pelikan vorbeikommen. Sie gehört zu den wichtigsten Nadelöhren des globalen Energiehandels; erhebliche Mengen Öl passieren normalerweise diese Route.
Entsprechend einfach funktioniert derzeit das internationale Energie-Bingo:
Hoffnung auf Einigung? Öl runter.
Trump sagt Nein? Öl hoch.
Neue Gespräche? Vielleicht wieder runter.
Jemand erwähnt Raketen? Sofort wieder hoch.
Trump greift zum Smartphone?
Börsenhändler verlassen vorsorglich das Gebäude.
Das Ganze erinnert inzwischen weniger an einen Rohstoffmarkt als an ein EKG nach sechs Espressi.
Besonders beeindruckend ist die Verhandlungsstrategie. Iran schlug nach übereinstimmenden Berichten vor, die Meerenge wieder zu öffnen und die Nukleargespräche aufzunehmen, sofern unter anderem die US-Seeblockade und Sanktionen gegen iranische Ölverkäufe aufgehoben sowie eine regionale Waffenruhe wiederhergestellt würden. Washington wiederum verlangt weitergehende Zugeständnisse insbesondere beim iranischen Atomprogramm.
Donald betrachtet das Angebot offenbar wie einen Immobilienmakler ein Haus:
„Vier Schlafzimmer? Gut.“
„Swimmingpool? Sehr gut.“
„Garage? Fantastic.“
„Der Verkäufer möchte seinen eigenen Preis?“
ABSOLUT INAKZEPTABEL!
Und schon kostet Benzin gefühlt drei Nieren und einen kleinen Bausparvertrag.
Dabei hatte allein die Aussicht auf eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus zuvor für Entspannung am Ölmarkt gesorgt. Berichte über das iranische Angebot hatten Brent zeitweise sogar unter die Marke von 100 Dollar gedrückt.
Dann kam Donald.
Der Mann, dessen außenpolitisches Instrumentarium offenbar aus drei Knöpfen besteht:
DEAL.
NO DEAL.
Und darunter, etwas größer:
BETTER DEAL.
Ich stelle mir die Sitzung im Oval Office vor.
„Mr. President, Iran bietet eine Öffnung der Straße von Hormus an.“
„Nicht gut genug.“
„Sir, das könnte die Energiemärkte beruhigen.“
„Dann müssen die Märkte härter verhandeln.“
„Märkte können nicht verhandeln.“
„Fake Markets!“
An diesem Punkt verlässt vermutlich der Wirtschaftsberater das Zimmer und eröffnet einen Biohof.
Doch Donald wäre nicht Donald, wenn nach der Ablehnung nicht sofort wieder Verhandlungen angekündigt würden. Genau darin steckt die majestätische Schönheit des Systems: Ein Deal wird abgelehnt, damit über einen neuen Deal gesprochen werden kann, der hoffentlich besser ist als der alte Deal, weil Donald ausschließlich großartige Deals macht – insbesondere jene, die noch gar nicht existieren.
Für die Ölbranche ist das ein Traum.
Für Autofahrer möglicherweise weniger.
An Tankstellen könnte deshalb bald ein neues Preismodell gelten:
Super E10: Tagespreis.
Diesel: Tagespreis.
Premium: Tagespreis.
Trump hat gerade etwas über Iran gesagt: Bitte fragen Sie an der Kasse.
Und während Diplomaten aus Katar weiter vermitteln, Tankerbesatzungen auf die Meerenge schauen und Börsenhändler jede neue Aussage sezieren, sitzt Donald vermutlich im Weißen Haus und ist überzeugt, alles laufe exakt nach Plan.
Vielleicht tut es das sogar.
Denn womöglich lautet der Plan schlicht:
Erst maximale Unsicherheit erzeugen.
Dann verhandeln.
Dann erklären, dass nur Donald die zuvor entstandene Unsicherheit beseitigen könne.
Das ist keine gewöhnliche Diplomatie.
Das ist geopolitischer Art of the Deal mit angeschlossenem Rohstoffhandel.
Und wenn am Ende tatsächlich eine Einigung gelingt, wird Trump selbstverständlich vor die Kameras treten:
„Die Ölpreise waren hoch. Sehr hoch. Niemand hatte jemals höhere Ölpreise gesehen. Dann kam ich und machte Frieden.“
Reporter: „Aber Mr. President, nach Ihrer Ablehnung—“
„Nächste Frage.“
Ich bin Ronald Tramp und habe aus dieser Geschichte jedenfalls eine wichtige wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnis gewonnen:
Früher berechnete man den Ölpreis aus Angebot, Nachfrage, Lagerbeständen und Fördermengen.
Heute braucht man nur noch einen Taschenrechner, die Straße von Hormus – und Donald Trumps Terminkalender.
Vielleicht sollte Brent künftig gar nicht mehr in Dollar pro Barrel notiert werden.
Sondern in Trump-Aussagen pro Stunde.

