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Fast totale Kontrolle: Trump erklärt Hormus zum Vorgarten

Fast totale Kontrolle: Trump erklärt Hormus zum Vorgarten

Trump will Iran nicht an den Verhandlungstisch zwingen, findet „fast totale Kontrolle“ ohnehin besser und fragt nebenbei, wann die Iraner endlich kämpfen. Willkommen bei der neuen Außenpolitik: Immobilienrhetorik mit Flugzeugträgern.

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Es gibt politische Erklärungen. Es gibt diplomatische Erklärungen. Und dann gibt es Erklärungen, bei denen vermutlich irgendwo im Pentagon ein General langsam seine Kaffeetasse abstellt, dreimal auf den Bildschirm schaut und fragt: „Ist das schon Außenpolitik oder noch Immobilienmarketing?“

Donald Trump hat jedenfalls klargestellt, dass er Iran keineswegs an den Verhandlungstisch zwingen wolle. ABC habe das behauptet, also sei es selbstverständlich „Fake News“. Und überhaupt könne es ihm ziemlich egal sein, ob Iran irgendein Abkommen unterschreibe.

Das muss man erst einmal diplomatisch sacken lassen.

Jahrzehntelang glaubten internationale Experten, Diplomatie bestehe darin, Gegner irgendwann an einen Tisch zu bekommen. Botschafter wurden entsandt, Unterhändler eingeflogen, Papiere vorbereitet, Formulierungen abgestimmt und nächtelang über einzelne Kommata gestritten.

Völlig unnötig!

Der moderne Ansatz lautet offenbar:

Tisch weg. Stühle weg. Verhandlungen weg. Flugzeugträger hin.

Problem gelöst.

Trump gefällt die derzeitige Situation nämlich viel besser. Die USA hätten, so seine Darstellung, „fast vollständige Kontrolle“ über die Straße von Hormus.

Fast vollständig!

Ich liebe solche Formulierungen.

„Fast vollständig“ ist die diplomatische Schwester von „im Wesentlichen fertig“, „technisch funktioniert es“ und „der Wasserschaden betrifft überwiegend den Keller“.

Wenn mir mein Zahnarzt sagt, er habe meine Wurzelbehandlung „fast vollständig unter Kontrolle“, verlasse ich rückwärts die Praxis.

Aber bei einer der strategisch wichtigsten Wasserstraßen der Erde klingt das plötzlich beruhigend.

Vielleicht wird die Straße von Hormus demnächst überhaupt neu organisiert.

Ich stelle mir am Eingang eine riesige goldene Schranke vor. Daneben sitzt ein amerikanischer Mitarbeiter in einem kleinen Häuschen und fragt jeden Tankerkapitän:

„Haben Sie reserviert?“

Wer keine Reservierung hat, muss wenden.

Saudi-Arabien bekommt Premium Boarding. Katar darf Fast Lane buchen. Und wer besonders schnell durch möchte, braucht künftig vielleicht Hormuz Plus™ für nur 19,99 Dollar monatlich.

Natürlich inklusive Priority Shipping und kostenlosem WLAN bis Oman.

Trump erklärt außerdem, Irans Wirtschaft kollabiere vollständig. Das Land spiele nur noch „das Unvermeidliche“ zu Ende.

Was genau dieses Unvermeidliche ist, bleibt praktischerweise offen.

Das ist politisch genial.

Denn wenn man vorher nicht genau sagt, was unvermeidlich passieren wird, kann hinterher praktisch alles als unvermeidlich bezeichnet werden.

Regimewechsel?

Unvermeidlich!

Verhandlungen?

Natürlich unvermeidlich!

Kein Regimewechsel?

Auch unvermeidlich!

Ein Tanker fährt nach links?

Haben wir seit Wochen vorhergesagt.

Ich werde dieses Konzept künftig privat verwenden.

Wenn meine Frau fragt, warum ich den Müll nicht rausgebracht habe, antworte ich:

„Wir befinden uns in der Endphase des Unvermeidlichen.“

Das dürfte hervorragend funktionieren.

Besonders bemerkenswert wird Trumps Botschaft allerdings am Ende. Er fragt, wann die iranische Bevölkerung endlich „aufstehen und kämpfen“ werde.

Das ist natürlich eine äußerst komfortable Aufforderung, wenn man sie aus sicherer Entfernung verschickt.

Es erinnert mich an Menschen, die beim Fußball auf dem Sofa sitzen, Chips essen und einem Bundesligaprofi zurufen:

„LAUF DOCH!“

Man selbst hat seit 2008 keinen freiwilligen Sprint mehr absolviert, aber taktisch ist man selbstverständlich Pep Guardiola.

Die geopolitische Botschaft lautet also ungefähr:

Wir wollen euch nicht an den Verhandlungstisch bringen.

Euer Abkommen interessiert uns nicht.

Eure Wirtschaft kollabiert.

Wir kontrollieren praktisch eure wichtigste Wasserstraße.

Und jetzt macht bitte Revolution.

Das ist keine klassische Diplomatie mehr.

Das ist ein Motivationsseminar mit Flugzeugträgern.

Ich sehe schon den amerikanischen Motivationstrainer auf einem Zerstörer stehen:

„GOOD MORNING, IRAN!“

Keine Reaktion.

„ICH KANN EUCH NICHT HÖREN!“

Im Hintergrund startet vorsichtshalber ein Kampfjet.

Natürlich darf auch das Medien-Bashing nicht fehlen. ABC sei „Fake News“, weil der Sender behauptet habe, Trump wolle Iran an den Verhandlungstisch zwingen.

Damit wurde möglicherweise gerade eine der ältesten Institutionen der Außenpolitik abgeschafft:

der Verhandlungstisch.

Zu kompliziert.

Vier Beine.

Mehrere Stühle.

Menschen mit unterschiedlichen Meinungen.

Manchmal sogar Mineralwasser.

Wer braucht so etwas?

Die neue Diplomatie funktioniert offenbar über Bewertungen.

Iranische Wirtschaft: ein Stern.

Straße von Hormus: hervorragende Lage, fast vollständig übernommen.

ABC: Fake.

Eigene Strategie: fünf Sterne, würde jederzeit wieder eskalieren.

Vielleicht erscheint demnächst sogar das erste geopolitische Immobilienexposé:

„Exklusive Meerenge in hervorragender strategischer Lage. Hoher Tankerverkehr. Meerblick beidseitig. Leichte Spannungen mit Nachbarschaft. Renovierungsbedarf. Besichtigung nur unter militärischer Begleitung.“

Ich möchte allerdings vorsichtig darauf hinweisen, dass die Straße von Hormus kein Parkplatz vor einem Baumarkt ist.

Dort fährt ein erheblicher Teil der weltweiten Energieversorgung entlang. Wenn an einem solchen Ort Begriffe wie „Kontrolle“, „Kollaps“ und „Kampf“ gleichzeitig fallen, reden wir nicht über die Neueröffnung eines Kreisverkehrs.

Doch vielleicht ist genau das der Kern dieser neuen Außenpolitik.

Früher sagte man:

„Wir beobachten die Lage mit großer Sorge.“

Heute heißt es:

„Wir haben fast totale Kontrolle.“

Früher schickte man Diplomaten.

Heute schickt man Superlative.

Früher wurden vertrauliche Gesprächskanäle eingerichtet.

Heute gibt es Großbuchstaben.

Und am Ende steht:

President DJT.

Eine Signatur, die auf mich immer ein wenig wirkt wie das Ende eines sehr energischen Elternbriefes:

„Ihr Sohn Iran hat heute erneut den Unterricht gestört, den Ölhandel gefährdet und sich geweigert, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

President DJT“

Bleibt eigentlich nur noch eine Frage:

Wenn die USA die Straße von Hormus tatsächlich „fast vollständig“ kontrollieren – wann eröffnet dort der Duty-Free-Shop?

Ich hätte Interesse an einem T-Shirt.

Aufdruck:

FAST TOTAL CONTROL.

Darunter etwas kleiner:

Für vollständige Kontrolle fragen Sie bitte später noch einmal nach.

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Tags: USA Donald Trump Iran Diplomatie Fake News Geopolitik Straße von Hormus
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