New Mexico soll plötzlich „New America“ heißen und der Mond gehört offenbar den USA. Ich begleite Donald Trumps neuesten Feldzug gegen die internationale Geografie – vom KI-Meme bis zum interplanetaren Grundbuch.
Meine Damen und Herren, ich muss Ihnen heute eine historische Entwicklung mitteilen. Eine gewaltige Entwicklung. Vielleicht die größte Entwicklung seit Christoph Kolumbus irgendwo angekommen ist und sofort beschlossen hat, dass dort vermutlich schon jemand falsch beschriftet hatte.
Donald Trump hat offenbar ein neues Regierungsressort entdeckt:
Geografie.
Nicht diese langweilige Geografie mit Bergen, Flüssen, Geschichte und Menschen, die seit Jahrhunderten irgendwo wohnen.
Nein.
Executive Geography.
Dabei funktioniert die Weltkarte wie die Senderliste eines Fernsehers:
Was dem Präsidenten nicht gefällt, wird einfach umbenannt.
Ich bin Ronald Tramp und verfolge das natürlich mit größter journalistischer Aufmerksamkeit. Vor allem, weil ich inzwischen Angst habe, morgens aufzuwachen und festzustellen, dass Deutschland über Nacht in „Eastern Trump Territory“ umbenannt wurde.
Trump verbrachte den Sonntag offenbar damit, Truth Social mit KI-generierten Bildern und Memes zu beschießen. Darunter befand sich eine Karte von New Mexico, auf der „Mexico“ durchgestrichen und durch „America“ ersetzt wurde.
Der neue Vorschlag:
NEW AMERICA.
Trump erklärte dazu sinngemäß, viele Menschen hätten diese Namensänderung vorgeschlagen.
Viele Menschen!
Das ist eine sehr präzise statistische Kategorie.
Wer genau?
Unklar.
Vielleicht Leute.
Sehr gute Leute.
Die besten Leute.
Möglicherweise zwei Accounts namens PatriotEagle1776 und RealAmericanTruckGuy.
Aber viele!
Und „New America“ sei selbstverständlich prestigeträchtiger und schöner.
Natürlich.
Denn das zentrale Problem von New Mexico war offensichtlich bisher der Mangel an Prestige im Bundesstaatennamen.
Arbeitsplätze?
Wohnraum?
Gesundheitsversorgung?
Infrastruktur?
Meine Freunde, alles nebensächlich.
Der wahre Notstand war:
Da steht MEXICO drin!
Und Mexico ist offenbar ein Wort, das dringend von einer amerikanischen Landkarte entfernt werden muss, bevor jemand versehentlich Spanisch spricht.
Besonders großartig ist allerdings die historische Pointe.
New Mexico wurde nämlich nicht nach dem heutigen Staat Mexiko benannt. Der Name „Nuevo México“ wurde bereits im 16. Jahrhundert für die Region verwendet – lange bevor Mexiko als moderner Staat diesen Namen annahm.
Das bedeutet:
Trump möchte möglicherweise ein geografisches Missverständnis korrigieren, das gar keines ist.
Das ist höchste politische Kunst.
Man löst ein Problem, das nicht existiert.
Dadurch kann auch niemand behaupten, die Lösung habe nicht funktioniert.
Fantastisch.
Der Mond gehört jetzt Amerika
Aber meine Damen und Herren, warum bei einem Bundesstaat aufhören?
Trump teilte offenbar außerdem ein Bild mit der Botschaft:
„THE MOON IS OURS.“
Natürlich.
Der Mond.
Amerikanisch.
Endlich geklärt.
Milliarden Menschen haben jahrtausendelang nachts nach oben geschaut und gedacht:
„Wem gehört dieses Ding eigentlich?“
Jetzt wissen wir es.
USA.
Case closed.
Ich stelle mir die Übergabezeremonie sensationell vor.
Trump steht im Rosengarten.
Neben ihm eine amerikanische Flagge.
Auf dem Tisch liegt ein Grundbuch.
„Heute unterzeichne ich etwas Historisches. Niemand hat jemals einen Mond besser besessen als wir.“
NASA-Beamter:
„Mr. President, völkerrechtlich—“
Trump:
„Still.“
NASA:
„Aber der Weltraumvertrag—“
Trump:
„Fake Vertrag.“
Und anschließend bekommt der Mond wahrscheinlich einen neuen Namen.
Moon of America?
Zu langweilig.
Trump Lunar Resort?
Besser.
Vielleicht:
THE GREAT AMERICAN MOON.
Der größte Mond.
Ein fantastischer Mond.
Viele Leute sagen, unser Mond sei deutlich größer als der chinesische Mond.
China behauptet vielleicht, es sei derselbe.
Fake News.
Erst der Golf, dann der See, jetzt der Mond
Es gibt inzwischen ein Muster.
Aus dem Golf von Mexiko wurde für die US-Bundesregierung der Gulf of America.
Der Ontariosee sollte plötzlich Lake America heißen.
Jetzt soll aus New Mexico womöglich New America werden.
Und der Mond gehört auch Amerika.
Das ist keine Außenpolitik mehr.
Das ist eine Partie Monopoly, bei der Donald Trump gleichzeitig Bank, Spieler und Immobilienmakler ist.
„Ich kaufe den Ontariosee.“
„Kann man nicht.“
„Jetzt schon.“
„Und den Mond.“
„Der gehört niemandem.“
„Perfekt. Dann ist er günstig.“
Wenn das so weitergeht, benötigen internationale Organisationen bald einen permanenten Ausschuss für:
„Orte, die Donald Trump seit Dienstag umbenannt hat.“
Montag:
Atlantic Ocean.
Dienstag:
Trump Atlantic.
Mittwoch:
Europa.
Donnerstag:
East America.
Freitag:
Mars.
Samstag:
Future America.
Sonntag frei.
Da werden KI-Memes gepostet.
KI als digitales Hofgemälde
Und damit kommen wir zu einem besonders schönen Teil der Geschichte.
Trump teilt zunehmend KI-generierte Bilder, auf denen Trump natürlich nicht einfach nur Präsident ist.
Nein.
Das wäre viel zu klein.
Trump erscheint als überlebensgroße Figur, Weltraumkommandant, Superheld, Bezwinger internationaler Rivalen oder gigantischer Staatsmann.
Früher beschäftigten Könige Hofmaler.
Heute gibt es generative KI.
Ludwig XIV. musste stundenlang Modell stehen.
Donald Trump gibt einfach ein:
„Donald Trump, gigantic, heroic, greatest president ever, explosions, eagles, gold, very handsome.“
Drei Sekunden später:
Staatskunst.
Das ist Versailles mit WLAN.
Ich erwarte bald ein KI-Bild, auf dem Trump auf einem goldenen Adler über dem Mond reitet, während George Washington, Abraham Lincoln und Elvis Presley unten applaudieren.
Im Hintergrund steht:
„HISTORY HAS BEEN UPDATED.“
Und irgendwo fragt ein Historiker:
„Darf ich kurz etwas korrigieren?“
Nein.
Darf er nicht.
New Mexicos Gouverneurin antwortet
New Mexicos Gouverneurin Michelle Lujan Grisham reagierte deutlich. Der Name New Mexico stehe nicht zur Debatte und existiere bereits aus einer Zeit vor der Gründung der Vereinigten Staaten.
Und sie setzte noch einen sehr unangenehmen Kontrapunkt:
Während Washington Landkarten ummale, beschäftige sich ihre Regierung mit Kinderbetreuung, Studium, Gesundheitsversorgung und Wohnraum.
Autsch.
Das ist unfair.
Denn konkrete Politik hat einen entscheidenden Nachteil gegenüber Memes:
Sie braucht länger als 30 Sekunden.
Ein neues Wohnungsprogramm lässt sich schlecht auf Truth Social mit einem gigantischen Adler illustrieren.
„Wir haben 12.000 zusätzliche Wohnungen geschaffen.“
Langweilig.
„ICH HABE DEN MOND EROBERT!“
Boom.
Likes.
Raketen.
Amerika.
Das Problem daran: Politik wird zunehmend als permanenter Content-Stream betrieben.
Nicht:
Was wurde entschieden?
Sondern:
Was erzeugt Aufmerksamkeit?
Nicht:
Was funktioniert?
Sondern:
Was sieht auf dem Handy fantastisch aus?
Und darin ist Trump ohne Zweifel außergewöhnlich gut.
Während andere Politiker eine 46-seitige Pressemitteilung über Regionalförderung veröffentlichen, sagt Trump:
„Der Mond gehört uns.“
Wer gewinnt die Schlagzeile?
Richtig.
Der Mond.
Ich habe deshalb ebenfalls Namensvorschläge
Als verantwortungsvoller Reporter möchte ich selbstverständlich helfen.
Wenn ohnehin alles umbenannt wird, könnten wir gleich konsequent sein.
Das Weiße Haus:
Trump Palace.
Washington:
Trumpington D.C.
Pazifik:
Pacific America.
Kanada:
Very Northern America.
Mexiko:
Future Southern America.
Grönland:
Extremely Cold America.
Mars:
America II – coming soon.
Und die Erde?
Natürlich:
Planet America.
Dann wäre endlich Schluss mit diesem verwirrenden internationalen Durcheinander.
Grenzen wären überflüssig.
Ausland gäbe es nicht mehr.
Außenpolitik wäre abgeschafft.
Das State Department könnte schließen.
Extreme Einsparungen!
Vielleicht ist das sogar der Plan.
Ich bin Ronald Tramp, und ich sehe bereits den nächsten KI-Post vor mir:
Donald Trump steht im Weltraum.
Eine Hand auf der Erde.
Eine auf dem Mond.
Hinter ihm Mars.
Über allem ein gigantischer goldener Adler.
Darunter:
„MANY PEOPLE HAVE SUGGESTED RENAMING THE SOLAR SYSTEM.“
Ich fürchte nur:
Am Montag heißt es dann tatsächlich
United States of Solar America.
Und Elon Musk bekommt vermutlich schon mal die Aufgabe, die neuen Ortsschilder aufzustellen.

