Donald Trump fordert niedrigere Zinsen und droht laut Bericht andernfalls mit drastischen Handelsmaßnahmen. Ronald Tramp beobachtet Geldpolitik zwischen Leitzins, Vorschlaghammer und wirtschaftlicher Geiselnahme.
Meine Damen und Herren, ich melde mich heute aus Washington, wo Wirtschaftspolitik neuerdings ungefähr so funktioniert wie eine Verhandlung auf einem schlecht beleuchteten Gebrauchtwagenplatz.
Donald Trump fordert niedrigere Zinsen. Und zwar nicht irgendwann. Nicht nach einer Sitzung. Nicht nach Datenlage. Nicht nach Inflationsprognose. Sondern gefühlt:
JETZT.
Und falls die Fed nicht mitmacht?
Dann steht laut dem zugrunde liegenden Bericht sogar ein radikaler Handelsstopp als Drohkulisse im Raum.
Ich bin Ronald Tramp, und ich muss sagen: Das ist großartig.
Nicht wirtschaftlich.
Aber dramaturgisch.
Früher hatten Zentralbanken Instrumente.
Heute haben sie offenbar einen Präsidenten vor der Tür, der sagt:
„Schöner Leitzins, den Sie da haben. Wäre schade, wenn dem Welthandel etwas passiert.“
Das ist Geldpolitik im Stil eines Mafiafilms.
Nur mit mehr Krawatten.
Donald Trump möchte billigere Kredite, niedrigere Finanzierungskosten, steigende Märkte und selbstverständlich eine Wirtschaft, die aussieht wie ein gigantisches Trump-Hotel: glänzend, teuer und überall steht sein Name drauf.
Das Problem ist lediglich diese unglaublich störende Institution namens:
Realität.
Denn wenn man gleichzeitig mit Handelsbarrieren, Zöllen oder einem Handelsstopp droht, könnten Waren teurer werden. Wenn Waren teurer werden, steigt möglicherweise die Inflation. Und wenn die Inflation steigt, hat eine Zentralbank normalerweise nicht unbedingt den spontanen Wunsch, die Zinsen möglichst schnell zu senken.
Das ist ungefähr so, als würde ich gleichzeitig die Heizung auf 30 Grad drehen und den Thermostat anschreien:
„KÜHL DAS ZIMMER!“
Sehr starke Strategie.
Vielleicht braucht die Fed einfach mehr Motivation.
Trump könnte Jerome Powell einen täglichen Weckruf schicken:
„Guten Morgen, Jerome. Zinssenkung? Nein? Schade. Kanada ist für heute geschlossen.“
Am nächsten Tag:
„Immer noch keine Zinssenkung? Dann dürfen heute keine Container rein.“
Tag drei:
„Was macht der Leitzins? Noch immer nicht unten? Okay, Europa bekommt Hausverbot.“
Nach einer Woche besteht die amerikanische Außenwirtschaft nur noch aus einem Imbisswagen in Florida, der Ketchup aus eigener Produktion verkauft.
Aber die Zinsen?
Fantastisch niedrig.
Vielleicht.
Ich stelle mir eine Fed-Sitzung unter diesen Bedingungen sensationell vor.
Ökonomen sitzen um einen langen Tisch.
Auf dem Bildschirm:
Inflation.
Arbeitsmarkt.
Lohnentwicklung.
Konsum.
Produktivität.
Dann kommt ein Mitarbeiter herein.
„Neue wirtschaftliche Kennzahl!“
Alle werden still.
„Was sagt Trump?“
„Er ist sauer.“
„Wie sauer?“
„Großbuchstaben.“
Panik.
Das ist der neue Economic Sentiment Index.
Früher beobachtete man Anleiherenditen.
Heute misst man die Anzahl der Ausrufezeichen.
Und natürlich liebt die Börse Zinssenkungen.
Billigeres Geld klingt erst einmal wunderbar.
Aktien steigen.
Kredite werden günstiger.
Unternehmen jubeln.
Investoren bestellen Champagner.
Bis jemand fragt:
„Warum wurden die Zinsen eigentlich gesenkt?“
Wenn die Antwort lautet:
„Weil die Wirtschaft hervorragend läuft“ – schön.
Wenn die Antwort lautet:
„Weil der Präsident sonst den globalen Handel mit einem Vorschlaghammer bearbeitet“ – möglicherweise weniger schön.
Das ist ein kleiner Unterschied.
Ungefähr so klein wie zwischen einer Hochzeit und einer Geiselnahme.
Beide haben Gäste.
Die Stimmung ist trotzdem anders.
Besonders faszinierend ist Trumps Vorstellung von Unabhängigkeit.
Die Fed ist unabhängig.
Unabhängig bedeutet im klassischen Verständnis:
Sie entscheidet geldpolitisch ohne direkte politische Weisung.
Im trumpistischen Verständnis bedeutet unabhängig dagegen offenbar:
„Sie dürfen völlig frei entscheiden, meinem Vorschlag zuzustimmen.“
Das ist großzügig.
Sehr demokratisch.
Fast schon philosophisch.
„Jerome, du kannst machen, was du willst. Solange es das ist, was ich will.“
Vielleicht wird das künftig auch auf andere Institutionen übertragen.
Gerichte sind unabhängig.
Natürlich.
Sie dürfen jedes Urteil fällen.
Solange Donald gewinnt.
Medien sind frei.
Absolut.
Sie dürfen alles berichten.
Solange es positiv ist.
Unternehmen sind frei.
Selbstverständlich.
Sie dürfen überall handeln.
Solange der Präsident gerade keinen Handelsstopp angekündigt hat.
Das ist Freiheit mit Bedienungsanleitung.
Nun könnte man sagen: Präsidenten äußern sich seit Jahrzehnten zur Geldpolitik.
Stimmt.
Aber zwischen „Ich wünsche mir niedrigere Zinsen“ und „Wenn ihr das nicht macht, lege ich den Handel lahm“ befindet sich ein kleiner rhetorischer Zwischenraum.
Ungefähr in der Größe des Grand Canyon.
Und genau hier wird es ernst.
Wenn Märkte den Eindruck bekommen, dass geldpolitische Entscheidungen nicht mehr primär von Inflation, Wachstum und Finanzstabilität abhängen, sondern von politischem Druck, leidet Vertrauen.
Und Vertrauen ist an Finanzmärkten ungefähr das, was Benzin für ein Auto ist.
Man merkt erst, wie wichtig es war, wenn es fehlt.
Besonders schön ist deshalb die Vorstellung, man könne Inflation mit Handelshemmnissen bekämpfen.
Das ist ungefähr wie Gewichtsverlust durch zusätzliche Pizza.
„Wir müssen Preise runterbringen!“
Also machen wir Importe teurer.
„Warum steigen die Preise?“
Mysteriös.
Vielleicht China.
Vielleicht die Fed.
Vielleicht Windräder.
Auf gar keinen Fall die eigene Strategie.
Ich sehe schon die nächste Pressekonferenz.
Trump:
„Wir haben die niedrigsten Zinsen aller Zeiten.“
Journalist:
„Aber die Inflation liegt bei neun Prozent.“
Trump:
„Fake Inflation.“
Journalist:
„Ein Liter Milch kostet zwölf Dollar.“
Trump:
„Das ist Premium-Milch. Unglaubliche Milch. Niemand hat je bessere Milch gehabt.“
Journalist:
„Der Welthandel ist eingebrochen.“
Trump:
„Wir sparen enorme Mengen an Schiffen.“
Genial.
Und irgendwo sitzt Jerome Powell mit einer Aspirinpackung und betrachtet seinen Kalender.
Ich bin Ronald Tramp und möchte deshalb einen neuen wirtschaftspolitischen Grundsatz vorschlagen:
Wenn Sie den Thermostat niedriger stellen wollen, sollten Sie vielleicht nicht gleichzeitig das Haus anzünden.
Klingt kompliziert.
Ist aber überraschend robust.

