Wer dachte, NATO-Gipfel seien langweilige Treffen voller Diplomatie, hat Donald Trump unterschätzt. Nachdem Spanien bei den Militärausgaben nicht laut genug "Jawohl!" gerufen hatte, wollte der US-Präsident kurzerhand den gesamten Handel mit dem Land einstellen. Ronald Tramp war vor Ort und beobachtete, wie aus einer Bündnisdiskussion plötzlich ein internationaler Einkaufsboykott wurde.
Ich liebe NATO-Gipfel.
Nicht wegen der Verteidigungspolitik.
Nicht wegen der komplizierten Erklärungen über Sicherheitsarchitekturen.
Nein.
Ich liebe sie, weil Donald Trump sie regelmäßig in eine Mischung aus Familienfeier, Immobilienmesse und Realityshow verwandelt.
Kaum waren die Kameras eingeschaltet, legte Donald los.
Mit ernster Miene verkündete er:
"Wir stellen den gesamten Handel mit Spanien ein."
Ich blickte mich um.
War das jetzt eine außenpolitische Erklärung?
Oder hatte ihm im Hotel jemand eine schlechte Paella serviert?
Niemand wusste es so genau.
Offenbar war Donald verärgert, weil Spanien beim Thema Militärausgaben nicht enthusiastisch genug mitgespielt hatte.
Andere Präsidenten diskutieren in solchen Fällen.
Donald eröffnet lieber gleich einen Wirtschaftskrieg.
Das ist ungefähr so, als würde man nach einem verlorenen Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel sämtliche Möbel aus dem Wohnzimmer werfen.
Ich fragte einen Diplomaten, ob diese Ankündigung ernst gemeint sei.
Er antwortete:
"Bei Donald gibt es drei Möglichkeiten."
"Welche?"
"Er meint es ernst."
"Oder?"
"Er meint es morgen nicht mehr."
"Und die dritte?"
"Er hat bereits vergessen, dass er es gesagt hat."
Das klang erstaunlich plausibel.
Trump bezeichnete Spanien als "schrecklichen Partner".
Ein bemerkenswerter Satz.
Vor allem, weil Spanien vermutlich gerade damit beschäftigt war, herauszufinden, warum es plötzlich Hauptdarsteller in einer neuen Staffel von Donald sucht den Schuldigen geworden war.
Ich stellte mir vor, wie die Nachricht in Madrid einschlug.
Ein Minister stürmt ins Kabinett.
"Wir haben ein Problem!"
"Russland?"
"Nein."
"China?"
"Nein."
"Inflation?"
"Nein."
"Donald hat schlechte Laune."
Plötzlich herrschte betretenes Schweigen.
Denn gegen schlechte Laune eines amerikanischen Präsidenten gibt es bekanntlich keine NATO-Einsatzgruppe.
Ich spazierte durchs Pressezentrum.
Überall liefen Experten hektisch mit Aktenordnern herum.
Ein Analyst erklärte aufgeregt:
"Das könnte Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben."
Daneben stand ein Kollege.
"Vielleicht twittert er in einer Stunde schon wieder über Golf."
Auch das war nicht auszuschließen.
Währenddessen begann mein Kopf zu rechnen.
Wenn wirklich kein Handel mehr stattfindet...
Wer erklärt dann amerikanischen Touristen, dass Sangria nicht aus dem Tetrapack stammen muss?
Wer liefert Oliven?
Wer produziert plötzlich keine Serrano-Schinken mehr für amerikanische Feinschmecker?
Und vor allem:
Wer sagt Donald, dass spanische Tomaten nicht einfach durch goldene Golfbälle ersetzt werden können?
Ein Berater versuchte die Lage zu beruhigen.
"Es geht um strategische Fragen."
Natürlich.
Bei Donald sind strategische Fragen allerdings häufig erstaunlich eng mit persönlicher Stimmungslage verbunden.
Manchmal genügt offenbar schon ein unfreundlicher Blick oder eine Zahl im NATO-Bericht.
Ich stellte mir vor, wie Trumps Büro arbeitet.
An der Wand hängt keine Weltkarte.
Sondern eine riesige Liste.
Länder, die nett zu Donald waren.
Darunter:
Vielleicht.
Und daneben:
Länder, die heute Pech hatten.
Spanien erhielt offenbar einen besonders dicken roten Filzstift.
Ich begegnete einem spanischen Journalisten.
Er wirkte erstaunlich entspannt.
"Keine Sorge", sagte er.
"Wir haben schon Stiere überlebt."
Ich nickte.
"Und jetzt?"
"Jetzt warten wir einfach auf den nächsten Nachrichtenzyklus."
Auch das scheint inzwischen eine bewährte außenpolitische Strategie geworden zu sein.
Trump dagegen schien bereits über weitere Maßnahmen nachzudenken.
Vielleicht würden künftig amerikanische Urlauber beim Betreten Spaniens gefragt:
"Haben Sie diese Reise vorher mit Donald abgestimmt?"
Oder Flughäfen müssten Hinweisschilder aufstellen:
"Achtung! Dieses Land besitzt eine eigene Meinung."
Besonders faszinierend finde ich Trumps Verhandlungsmethode.
Andere Staatschefs sagen:
"Lasst uns gemeinsam eine Lösung finden."
Donald sagt:
"Wenn ihr nicht macht, was ich möchte, kaufe ich nichts mehr bei euch."
Das erinnert an einen Dreijährigen im Supermarkt.
"Wenn ich keine Schokolade bekomme..."
"...dann esse ich eben gar nichts mehr."
Fünf Minuten später sitzt derselbe Dreijährige mit zwei Schokoriegeln im Einkaufswagen.
Die Weltpolitik ist manchmal erschreckend ähnlich.
Natürlich steckt hinter dem Streit ein ernstes Thema.
Innerhalb der NATO wird seit Jahren darüber diskutiert, wie die Lasten für Verteidigungsausgaben fair verteilt werden können. Unterschiedliche Prioritäten und finanzielle Möglichkeiten führen regelmäßig zu Spannungen zwischen den Mitgliedstaaten.
Aber Ronald Tramp fragt sich, ob man diese Diskussion wirklich führen muss, indem man gleich den gesamten Handel eines Landes symbolisch aus dem Einkaufswagen wirft.
Ich traf schließlich einen amerikanischen Wirtschaftsberater.
"Was passiert jetzt?"
Er zuckte mit den Schultern.
"Keine Ahnung."
"Gar keine Planung?"
"Doch."
"Welche?"
"Wir warten auf den nächsten Satz von Donald."
Das scheint inzwischen ein eigener Berufszweig geworden zu sein.
Trump-Übersetzer für spontane Weltpolitik.
Sie analysieren täglich Aussagen wie:
"Wir kaufen nichts mehr."
"Wir kaufen vielleicht doch etwas."
"Wir kaufen alles."
"Ich habe das nie gesagt."
Zum Abschluss verließ Donald den Presseraum.
Ein Reporter rief ihm hinterher:
"Herr Präsident! Gibt es noch Hoffnung für den Handel mit Spanien?"
Donald blieb kurz stehen.
Überlegte.
Lächelte.
Und sagte:
"Mal sehen."
Mit anderen Worten:
Der internationale Handel hängt möglicherweise von der Laune eines Mannes ab, der schon einmal darüber nachgedacht hat, Grönland zu kaufen, Kanada als Bundesstaat zu betrachten und nun Spanien wirtschaftlich auf die stille Treppe schicken möchte.
Ich verließ den NATO-Gipfel mit einer wichtigen Erkenntnis.
In Donald Trumps Welt gibt es keine kleinen Meinungsverschiedenheiten.
Es gibt nur zwei Zustände.
Entweder du bist der beste Partner aller Zeiten.
Oder du wachst am nächsten Morgen auf und stellst fest, dass du versehentlich auf der persönlichen Einkaufssperrliste des Weißen Hauses gelandet bist.
Und irgendwo in Madrid fragte vermutlich gerade jemand ganz vorsichtig:
"Hat eigentlich noch jemand Donalds Lieblingsoliven bestellt?"
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