20 Milliarden Dollar Bewertung, Investoren, Boykottdrohungen und ein Präsident, der den Weltfußball fast in zwei Hälften geteilt hätte. Ronald Tramp berichtet exklusiv über den vielleicht teuersten Eigentor-Versuch der FIFA-Geschichte – mit maximaler Satire und jeder Menge Nachspielzeit.
Liebe Freunde,
ich dachte immer, Fußball sei ein Sport.
Mit Ball.
Mit Toren.
Mit Fans.
Mit Schiedsrichtern, die grundsätzlich gegen die eigene Mannschaft pfeifen.
Doch offenbar lag ich völlig daneben.
Fußball ist heute etwas ganz anderes.
Eine Investmentchance.
Eine Aktiengesellschaft.
Ein Renditeobjekt.
Und wenn es nach einigen Visionären gegangen wäre, vielleicht bald auch ein Sonderangebot im Sommerschlussverkauf.
Ich, Ronald Tramp, wahrscheinlich der wirtschaftlichste Sportreporter seit der Erfindung des Rasenmähers, habe die unglaubliche Geschichte untersucht.
Und ich sage Ihnen:
Das war keine Pressekonferenz.
Das war "Die Höhle der Löwen" – nur mit mehr Anzügen und weniger Fußbällen.
FIFA-Präsident Gianni Infantino präsentierte nämlich einen Plan, bei dem selbst Wall Street kurz ehrfürchtig den Taschenrechner weglegte.
Eine neue Gesellschaft.
"FIFA Forward Enterprise."
Schon der Name klingt nicht nach Fußball.
Sondern nach einem Start-up, das Ihnen eine Zahnbürste im Abo verkauft.
Die Idee:
Die wertvollsten kommerziellen Rechte des Weltfußballs in eine Gesellschaft packen.
Fernsehgelder.
Sponsoren.
Tickets.
Lizenzen.
Kurz gesagt:
Die goldene Gans.
Und anschließend sollten Investoren bis zu zwanzig Prozent davon kaufen dürfen.
Bewertung?
Rund 20 Milliarden Dollar.
Ich musste nachrechnen.
Mehrmals.
Sogar mein Taschenrechner fragte irgendwann:
"Meinst du das ernst?"
Infantino erklärte selbstverständlich:
"Niemand verkauft den Fußball."
Natürlich nicht.
Man verkauft nur die Maschine, die das Geld druckt.
Das ist ungefähr so, als würde jemand sagen:
"Ich habe mein Haus nicht verkauft."
"Nur Dach, Wände, Fenster und Wohnzimmer."
Die Küche bleibt schließlich.
Beruhigend.
Besonders faszinierend war das Verkaufsargument.
Jeder Verband könnte plötzlich deutlich mehr Geld bekommen.
Bis zu 40 Millionen Dollar.
Einmalig.
Fast hörte ich den Moderator:
"Und wenn Sie heute unterschreiben, erhalten Sie zusätzlich noch einen Satz Trainingshütchen gratis!"
Großartig.
Ich stelle mir die Sitzung vor.
"Meine Damen und Herren..."
"Ja?"
"Wir haben eine fantastische Idee."
"Wunderbar."
"Wir holen Investoren."
"Oh."
"Sie bekommen Milliarden."
"Und woher kommen die?"
"Aus der Zukunft."
Herrlich.
Natürlich wurden sofort Kritiker laut.
Diese ewigen Spielverderber.
Sie fragten tatsächlich:
"Wieso braucht die FIFA Investoren, wenn sie selbst Rekordeinnahmen erzielt?"
Eine völlig übertriebene Frage.
Warum sollte jemand mit Milliarden auf dem Konto keine weiteren Milliarden einsammeln?
Das gehört doch inzwischen fast zum guten Ton.
Doch dann wurde es spannend.
Europa sagte:
"Nein."
Nord- und Mittelamerika sagten:
"Auch nein."
Asien sagte:
"Ebenfalls nein."
Das war ungefähr der Moment, in dem selbst der Kaffeeautomat im FIFA-Hauptquartier nervös wurde.
UEFA-Präsident Aleksander Čeferin soll sinngemäß gedacht haben:
"Bis hierhin und keinen Investor weiter."
Aus Deutschland meldeten sich Bernd Neuendorf, Hans-Joachim Watzke und Max Eberl zu Wort.
Die Botschaft war ungefähr:
"Den Fußball kann man entwickeln."
"Aber bitte nicht wie ein Einkaufszentrum."
Dann kam die Boykottdrohung.
Stellen Sie sich das einmal vor.
Eine Fußball-Weltmeisterschaft ohne Deutschland.
Ohne Frankreich.
Ohne England.
Ohne Spanien.
Ohne Italien.
Da würden selbst Fernsehsender plötzlich fragen:
"Bekommen wir Mengenrabatt?"
Investoren lieben Planungssicherheit.
Boykotte gehören erstaunlicherweise nicht dazu.
Ich sehe bereits das erste Treffen der Finanzberater.
"Wie entwickelt sich unser Investment?"
"Schwierig."
"Warum?"
"Die Hälfte der Welt spielt nicht mehr mit."
"Oh."
"Und die andere Hälfte diskutiert darüber."
Das nennt man dann wohl Nachspielzeit an der Börse.
Besonders kurios wurde es, als sogar innerhalb der FIFA plötzlich Unruhe entstand.
Berater gingen.
Manager äußerten Bedenken.
Mitarbeiter fühlten sich schlecht informiert.
Mit anderen Worten:
Die Kabine war plötzlich lauter als das Stadion.
Und irgendwo fragte vermutlich ein Praktikant:
"Hat eigentlich jemand vorher mit den Verbänden gesprochen?"
Betretenes Schweigen.
Infantino verteidigte den Plan.
Alles demokratisch.
Niemand werde gezwungen.
Niemand verkaufe den Fußball.
Die Investoren bekämen keinen Einfluss auf sportliche Entscheidungen.
Das Problem war nur:
Viele hörten weniger auf das Wort "kein Einfluss" und mehr auf das Wort "Investoren".
Denn Investoren sind faszinierende Wesen.
Sie stehen morgens selten auf und sagen:
"Ich hoffe, heute verdiene ich möglichst wenig."
Nein.
Sie mögen Rendite.
Sehr sogar.
Und plötzlich entstanden wilde Vorstellungen.
Eine Weltmeisterschaft mit 96 Teams.
Dann 128.
Spiele montags.
Spiele dienstags.
Spiele mittwochs.
Spiele in der Frühstückspause.
Finale gleichzeitig auf drei Kontinenten.
Jede Ecke präsentiert von einem Sponsor.
Der Münzwurf gesponsert.
Der Anstoß gesponsert.
Der Abpfiff gesponsert.
Selbst der VAR bekommt einen Werbeblock.
"Diese Abseitsentscheidung wird Ihnen präsentiert von..."
Irgendwann reicht dann sogar die Nachspielzeit nicht mehr für alle Werbeeinblendungen.
Schließlich zog Infantino die Reißleine.
Projekt beendet.
Keine Abstimmung.
Keine Investoren.
Kein Verkauf.
Und plötzlich atmete der Weltfußball kollektiv durch.
Ich stelle mir den Moment bildlich vor.
Der Vertrag liegt auf dem Tisch.
Der Füller ist gezückt.
Dann ruft jemand:
"Europa steigt aus."
Ein anderer:
"Concacaf auch."
Der nächste:
"Asien ebenfalls."
Und irgendwo klappt leise ein Aktenordner zu.
Spiel abgepfiffen.
Eigentor.
Endstand:
Investoren 0.
Weltfußball 1.
Natürlich bleiben viele Fragen.
Wie finanziert man den Fußball der Zukunft?
Wie unterstützt man kleinere Verbände?
Wie verteilt man Milliarden gerechter?
Das sind ernsthafte Fragen.
Aber vielleicht hat diese Geschichte auch etwas Positives gezeigt.
Selbst die mächtigste Fußballorganisation der Welt kann nicht alles im Alleingang entscheiden.
Wenn genug Verbände gemeinsam die rote Karte zeigen, endet selbst das größte Milliardenprojekt früher als geplant.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich sage:
Man kann vielleicht Fernsehrechte verkaufen.
Man kann Sponsoren verkaufen.
Man kann VIP-Logen verkaufen.
Aber wenn irgendwann die Seele des Fußballs auf dem Transfermarkt landet, dann sollte selbst der Schiedsrichter endlich pfeifen.

