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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Der FIFA-Friedensgipfel – Wenn Rückendeckung plötzlich Weltmeister wird

Grafik: FIFA feiert den Krisensieg

Nach dem spektakulären Scheitern der Investorenpläne versammelt Gianni Infantino seine FIFA-Spitze in Rabat. Ronald Tramp berichtet exklusiv vom wohl harmonischsten Krisentreffen der Fußballgeschichte – inklusive Selbstlob, Fehlereingeständnis und der erstaunlichen Erkenntnis, dass angeblich niemand etwas falsch machen wollte.

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Liebe Freunde,

ich habe schon viele Krisensitzungen erlebt.

Politische.

Wirtschaftliche.

Familiäre.

Sogar Eigentümerversammlungen.

Aber was die FIFA jetzt veranstaltet hat...

...war keine Krisensitzung.

Das war ein Wellness-Wochenende für angeschlagene Funktionäre.

Nach dem Investorenchaos, das ungefähr so gut ankam wie eine rote Karte in der Hochzeitskapelle, traf sich die FIFA-Führung in Rabat.

Notfallsitzung.

Krisengipfel.

Große Erwartungen.

Ich dachte:

Jetzt fliegen Köpfe.

Jetzt gibt es Rücktritte.

Jetzt wird aufgeräumt.

Und was passierte?

Alle umarmten sich gegenseitig.

Fantastisch.

Die wichtigste Botschaft lautete:

"Wir stehen geschlossen hinter Gianni Infantino."

Geschlossen.

So geschlossen, dass wahrscheinlich selbst die Stühle im Sitzungsraum Beifall geklatscht haben.

Ich stelle mir das ungefähr so vor:

"Hat jemand Kritik?"

Alle schauen sich an.

Dann schaut jeder auf seinen Kaffee.

Dann auf den Teppich.

Und schließlich sagt einer:

"Ich finde, wir unterstützen uns noch ein bisschen mehr."

Einstimmig angenommen.

Das muss man erst einmal schaffen.

Vor wenigen Tagen stand noch die gesamte Fußballwelt Kopf.

Investoren sollten plötzlich Milliarden bewegen.

WM-Rechte.

Neue Strukturen.

Neue Gesellschaften.

Überall Diskussionen.

Überall Empörung.

Und jetzt?

Jetzt heißt es:

Es sind Fehler passiert.

Aber eigentlich...

...war alles hervorragend.

Ich liebe solche Erklärungen.

Das erinnert mich an einen Restaurantbesuch.

Der Koch serviert verbrannte Pizza.

Der Gast beschwert sich.

Der Koch antwortet:

"Ja, da sind Fehler passiert. Aber grundsätzlich war der Kochvorgang exzellent."

Großartig.

Die FIFA räumt tatsächlich Fehler ein.

Allerdings ausschließlich Kommunikationsfehler.

Niemand wollte jemanden ausschließen.

Niemand wollte jemanden übergehen.

Niemand wollte irgendetwas falsch machen.

Es war offenbar ein Missverständnis von der Größe eines Fußballstadions.

Praktisch.

Denn wenn niemand verantwortlich ist...

...muss auch niemand Konsequenzen tragen.

Ein Meisterwerk moderner Krisenkommunikation.

Besonders gefallen hat mir der Satz, dass künftig Prozesse, Kommunikation und Zusammenarbeit verbessert werden sollen.

Das klingt hervorragend.

Denn wenn eine Organisation ankündigt, ihre Kommunikation zu verbessern...

...dann weiß man:

Es wurde vorher vermutlich ausschließlich per Rauchzeichen gearbeitet.

Doch damit nicht genug.

Gianni Infantino erklärte seinerseits seine volle Unterstützung für FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström.

Grafström wiederum unterstützt Infantino.

Die Geschäftsleitung unterstützt beide.

Alle unterstützen alle.

Ich habe selten so viel Unterstützung gesehen.

Selbst Orthopäden sind zurückhaltender.

Am Abend saßen beide demonstrativ nebeneinander beim Africa Cup der Frauen.

Natürlich.

Denn nichts signalisiert Stabilität besser als zwei Funktionäre auf einer Ehrentribüne.

Ich wartete nur noch darauf, dass beide gleichzeitig Popcorn essen und sich synchron zunicken.

Symbolpolitik auf Champions-League-Niveau.

Währenddessen brodelte bereits die nächste Geschichte.

Angeblich, so berichteten Medien, soll Infantino Marokko das WM-Finale 2030 versprochen haben.

Die FIFA reagierte sofort.

Alles falsch.

Alles irreführend.

Kein Versprechen.

Keine Zusage.

Nichts.

Ich musste lachen.

Im internationalen Fußball scheint mittlerweile jede Schlagzeile mit denselben drei Wörtern beantwortet zu werden:

"Das entspricht nicht..."

"...den Tatsachen."

Fantastisch.

Natürlich wäre ein Finale in Casablanca politisch hochbrisant.

Schließlich richtet Spanien gemeinsam mit Portugal und Marokko die WM aus.

Und wenn plötzlich einer glaubt, das Endspiel sei bereits vergeben...

...bekommt selbst der VAR Schweißausbrüche.

Besonders beeindruckt hat mich allerdings die Verteidigung der eigenen Integrität.

Die FIFA erklärte mit majestätischer Entschlossenheit:

"Wir werden keinerlei Angriffe auf unsere Integrität dulden."

Ein starker Satz.

Ich fragte mich allerdings:

Kann man Integrität eigentlich per Pressemitteilung verteidigen?

Vielleicht gibt es dafür inzwischen eine eigene FIFA-Abteilung.

Abteilung 17:

"Integritätsschutz und freundliche Formulierungen."

Leiter:

Jemand mit besonders ernstem Blick.

Das Beste kommt aber zum Schluss.

Die Investorenpläne sind offiziell beerdigt.

Projekt beendet.

Vorbei.

Aus.

Ende.

Gleichzeitig kündigt die FIFA an, nun alles noch besser machen zu wollen.

Natürlich.

Denn jede große Organisation kennt diesen magischen Dreisatz:

Fehler wurden gemacht.

Lehren wurden gezogen.

Jetzt wird alles besser.

Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich diesen Satz in der Weltpolitik gehört habe.

Wenn jedes angekündigte "Jetzt wird alles besser" tatsächlich funktioniert hätte...

...gäbe es vermutlich längst keine Krisen mehr.

Nur noch Pressekonferenzen.

Liebe Freunde,

die eigentliche Sensation dieses Treffens war nicht das Eingeständnis kleiner Fehler.

Auch nicht die Rückendeckung.

Nicht einmal die Dementis.

Die wahre Meisterleistung bestand darin, aus einer der größten Führungskrisen der FIFA-Geschichte innerhalb weniger Stunden eine Veranstaltung zu machen, bei der am Ende alle erklärten, wie hervorragend eigentlich alle zusammenarbeiten.

Das ist ungefähr so, als würde eine Mannschaft 0:7 verlieren...

...und anschließend verkünden:

"Die Kabinenstimmung war hervorragend."

Ich ziehe meinen Hut.

Denn im Fußball gewinnt normalerweise die Mannschaft mit den meisten Toren.

Bei der FIFA gewinnt offenbar die Pressemitteilung.

Und dort wurde an diesem Abend ein historischer Kantersieg eingefahren.

Zumindest auf dem Papier.

Ob die Fans, Verbände und Funktionäre das genauso sehen?

Darüber dürfte wohl noch länger diskutiert werden.

Ich jedenfalls werde vorsichtshalber schon einmal Popcorn kaufen.

Denn wenn die FIFA verspricht, künftig alles transparenter zu machen...

...beginnt erfahrungsgemäß meistens erst die Verlängerung.

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Tags: Fußball FIFA Gianni Infantino Investoren Rabat WM 2030 FIFA Forward
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