Ein Tor, ein Jubeltanz und eine Ohr-Geste sorgen bei der Fußball-WM für Gesprächsstoff. Während Belgien mit 4:1 ins Viertelfinale marschiert, stolpert Donald Trump über seinen eigenen Fußball-Einfluss – und Gianni Infantino versucht verzweifelt, den Ball aus dem politischen Abseits zu köpfen.
Meine Freunde,
es gibt Siege.
Es gibt deutliche Siege.
Und dann gibt es Niederlagen, die so spektakulär sind, dass sie gleichzeitig als Comedy-Programm, Lehrfilm und Warnhinweis für künftige Generationen dienen.
Willkommen beim WM-Achtelfinale USA gegen Belgien.
Oder wie Donald Trump das Spiel vermutlich inzwischen nennt:
"Der größte Sieg, den wir jemals knapp verloren haben."
Ich war selbstverständlich vor Ort.
Nicht weil mich jemand eingeladen hätte.
Sondern weil ich dort die einzige Person war, die noch versuchte herauszufinden, ob eigentlich Fußball gespielt oder eine internationale Satireaufführung veranstaltet wurde.
Schon vor dem Anpfiff war klar:
Hier ging es längst nicht mehr nur um Tore.
Hier ging es um Politik.
Um Macht.
Um Ego.
Und um ein Telefonat, das inzwischen vermutlich häufiger analysiert wurde als die Mondlandung.
Sie kennen die Geschichte.
US-Stürmer Folarin Balogun kassiert eine Rote Karte.
Normale Menschen denken:
"Schade. Nächstes Spiel gesperrt."
Donald Trump denkt:
"Moment mal... ich kenne da jemanden."
Kurz darauf klingelt offenbar irgendwo das Telefon bei FIFA-Präsident Gianni Infantino.
Ich stelle mir das ungefähr so vor.
"Hallo Gianni."
"Hallo Donald."
"Kannst du kurz..."
"Nein."
"Danke."
Aufgelegt.
Und plötzlich verschwindet die Sperre schneller als Donald Trump aus einer Diskussion über Steuererklärungen.
Offiziell natürlich völlig unabhängig.
Selbstverständlich.
Natürlich.
Ganz bestimmt.
Genauso unabhängig wie ein Regenschirm bei einem Monsun.
Gianni Infantino erklärte anschließend mit bemerkenswert ernster Miene, niemand habe Einfluss genommen.
Das Problem war nur:
Sein Gesichtsausdruck wirkte dabei ungefähr so überzeugend wie Donald Trump, wenn er behauptet, Golf spiele ausschließlich aus gesundheitlichen Gründen.
Die Fußballwelt reagierte entsprechend.
Empörung.
Kopfschütteln.
Unverständnis.
Und Belgien?
Belgien reagierte auf die eleganteste Weise überhaupt.
Mit Fußball.
Bereits nach wenigen Minuten marschierten die Roten Teufel durch die amerikanische Abwehr wie Touristen mit Fast-Pass im Freizeitpark.
Charles De Ketelaere eröffnete den Abend.
Später traf er gleich noch einmal.
Hans Vanaken erhöhte.
Und schließlich kam Romelu Lukaku.
Der Mann, der nicht nur das 4:1 erzielte.
Sondern anschließend auch noch den wohl satirischsten Torjubel dieser Weltmeisterschaft lieferte.
Er lief Richtung Eckfahne.
Legte die Hand ans Ohr.
So nach dem Motto:
"Entschuldigung... ich höre den Gastgeber gerade überhaupt nicht mehr."
Dann kamen seine Mitspieler.
Und plötzlich tanzte Belgien.
Nicht irgendeinen Tanz.
Nein.
Sie bewegten sich auffällig ähnlich wie Donald Trump auf seinen legendären Bühnenauftritten.
Jene berühmten Bewegungen, die irgendwo zwischen Wahlkampf, Luftgitarre und versehentlichem Scheibenwischer liegen.
Das Stadion tobte.
Das Internet explodierte.
Und irgendwo dürfte Donald Trump gleichzeitig erklärt haben:
"Das war kein Spott."
"Das war eine Ehrung."
"Jeder tanzt inzwischen wie ich."
"Ich habe den modernen Jubelfußball erfunden."
Der belgische Verband setzte später noch einen drauf.
Ein Foto von Lukaku.
Die Hand am Ohr.
Darunter nur vier Worte:
"Macht das mal rückgängig."
Eleganter kann man kaum gleichzeitig gewinnen und sticheln.
Belgien verzichtete ansonsten auf große Reden.
Warum auch?
Vier Tore sprechen meistens lauter als Pressemitteilungen.
Trainer Rudi Garcia zeigte sich anschließend erstaunlich diplomatisch.
Vor dem Spiel hatte er die ganze Angelegenheit noch als verspäteten Aprilscherz bezeichnet.
Nach dem Spiel gratulierte er den USA sogar zu ihrem Turnier.
Das nennt man Größe.
Oder belgische Höflichkeit.
Donald Trump hätte vermutlich nach einem 4:1 erklärt:
"Eigentlich haben wir gewonnen."
"Wenn man nur die wirklich schönen Tore zählt."
"Und die patriotischen."
Währenddessen stand Gianni Infantino irgendwo im Stadion.
Interessanterweise tauchte er nicht auf der Videoleinwand auf.
Vielleicht wollte man verhindern, dass das Publikum plötzlich beginnt, über VAR-Entscheidungen zu diskutieren.
Oder über Telefonlisten.
Oder über Klingeltöne.
Denn genau dort liegt inzwischen das eigentliche Problem.
Nicht Balogun.
Nicht Belgien.
Nicht einmal Trump.
Sondern das Vertrauen.
Fußball lebt davon, dass am Ende der bessere Gegner gewinnt.
Nicht der mit dem besseren Telefonbuch.
Wenn plötzlich Staatsoberhäupter beginnen, Sperren wegzutelefonieren, stellt sich zwangsläufig die nächste Frage.
Was kommt als Nächstes?
Ein Elfmeter per Kurznachricht?
Abseits per Messenger?
Gelbe Karten im Familienpaket?
Oder eine App:
FIFA Prime Premium Plus
Für nur 9,99 Euro monatlich erhalten Sie:
- zwei VAR-Korrekturen
- eine aufgehobene Sperre
- bevorzugte Auslosungen
- und ein persönliches Rückrufrecht beim Präsidenten.
Donald Trump wäre selbstverständlich Gold-Mitglied.
Mit lebenslangem Upgrade.
Besonders tragisch für die USA war allerdings:
Der ganze Aufwand brachte... praktisch nichts.
Balogun spielte.
Die USA verlor trotzdem deutlich.
Das erinnert ein wenig an jemanden, der versucht, ein sinkendes Schiff mit goldener Farbe anzustreichen.
Es glänzt schöner.
Es sinkt trotzdem.
Am Ende blieb genau das übrig.
Belgien im Viertelfinale.
Die USA auf dem Heimweg.
Die FIFA mit einem massiven Glaubwürdigkeitsproblem.
Und Donald Trump vermutlich mit der festen Überzeugung, dass Belgien eigentlich nur deshalb gewonnen habe, weil die Tore unfairerweise innerhalb der regulären Spielzeit gefallen seien.
Ich persönlich nehme aus diesem Abend eine wichtige Erkenntnis mit.
Man kann Regeln verbiegen.
Man kann Schlagzeilen produzieren.
Man kann telefonieren.
Man kann Pressemitteilungen schreiben.
Man kann alles Mögliche versuchen.
Was man allerdings nicht per Anruf bestellen kann, ist eine funktionierende Viererkette.
Und genau deshalb gewann am Ende nicht die Politik.
Nicht das Telefon.
Nicht die Schlagzeile.
Sondern schlicht die Mannschaft, die den besseren Fußball spielte.
Ich bin Ronald Tramp.
Ich sage, was andere nur denken.
Und wenn ein Jubeltanz am Ende mehr über den Zustand des Weltfußballs erzählt als sämtliche FIFA-Pressekonferenzen zusammen...
...dann sollte vielleicht nicht Belgien seine Choreografie erklären müssen, sondern andere ihre Telefonrechnung.
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