Die FIFA setzt Baloguns Rot-Sperre aus, Belgien schäumt, Klopp tobt und Donald Trump jubelt. Ronald Tramp berichtet aus einer WM, in der rote Karten offenbar nicht mehr vom Schiedsrichter entschieden werden, sondern vom Telefonanbieter.
Meine fantastischen Freunde,
es gibt Fußball.
Es gibt Regeln.
Es gibt rote Karten.
Und dann gibt es Donald Trump.
Der einzige Mensch auf diesem Planeten, der vermutlich bei einem Platzverweis sofort fragt:
„Kann ich das kurz mit dem Chef klären?“
Großartig.
Wochenlang war Donald bei dieser WM erstaunlich ruhig. Kein Stadionauftritt, kein Goldstuhl neben der Eckfahne, kein Selfie mit dem Schiedsrichter, keine Rede über die „größte Abseitslinie aller Zeiten“. Man dachte schon: Vielleicht hat der Fußball Glück gehabt.
Aber nein.
Donald wartete nur.
Wie ein politischer Toaster.
Man weiß nie, wann er hochspringt.
Und jetzt ist er da: der Trump-Moment der Weltmeisterschaft.
Nicht durch ein Tor.
Nicht durch ein Finale.
Nicht durch einen Besuch im Stadion.
Sondern durch eine Rote Karte, die plötzlich auf Bewährung Urlaub macht.
Fantastisch.
Die rote Karte verliert ihren Job
Früher war Fußball einfach.
Rot bedeutete: raus.
Sperre bedeutete: nächstes Spiel zuschauen.
Regel bedeutete: Regel.
Heute bedeutet Rot offenbar:
„Bitte warten Sie, Ihr Anliegen wird mit dem Präsidenten verbunden.“
Folarin Balogun sieht Rot.
Die FIFA verhängt eine Sperre.
Dann passiert etwas Magisches.
Ein Telefon klingelt.
Irgendwo hebt Gianni Infantino ab.
Und plötzlich wird aus der Sperre ein pädagogischer Hinweis.
„Mach das bitte nicht nochmal innerhalb eines Jahres.“
Das ist keine Disziplinarentscheidung.
Das ist ein Elternabend.
Donald entdeckt den Fußball
Ich stelle mir Donalds Reaktion vor.
„Balogun gesperrt?“
„Ja, Herr Präsident.“
„Unser Spieler?“
„Ja.“
„Bei unserer WM?“
„Auch.“
Donald greift zum Telefon.
„Gianni, alter Fußballfreund, ich verstehe Fußball besser als alle. Der Ball ist rund. Sehr rund. Vielleicht der rundeste Ball der Welt.“
Infantino schweigt vermutlich ehrfürchtig.
Donald weiter:
„Diese Rote Karte war eine Ungerechtigkeit. Eine sehr rote Ungerechtigkeit. Vielleicht die roteste Ungerechtigkeit der Geschichte.“
Und zack.
Die Karte wird patriotisch begnadigt.
Die FIFA erklärt nichts – sehr transparent
Das Schönste ist: Die FIFA begründet ihre Entscheidung kaum.
Sehr modern.
Früher musste man erklären, warum man Regeln ändert.
Heute reicht offenbar:
„Artikel 27.“
Artikel 27 ist inzwischen der magische Wandschrank des Weltfußballs.
Man öffnet ihn, wirft eine Sperre hinein, wartet kurz, und heraus kommt Spielberechtigung.
Ich fordere, Artikel 27 künftig umzubenennen in:
„Paragraf Überraschungsei.“
Man weiß nie, was drin ist.
Belgien sucht die versteckte Kamera
Belgien reagiert fassungslos.
Verständlich.
Die Belgier bereiten sich auf ein Achtelfinale vor, analysieren Taktik, Standards, Laufwege, Pressing.
Und plötzlich müssen sie auch noch Verfassungsrecht, FIFA-Disziplinarrecht und internationale Telefonprotokolle studieren.
Rudi Garcia sagt sinngemäß: Ist heute der 1. April?
Nein, Rudi.
Es ist WM.
Das ist schlimmer.
Klopp explodiert ohne Pyrotechnik
Jürgen Klopp ist fassungslos.
Und wenn Klopp fassungslos ist, dann bebt irgendwo ein Pressetisch.
Er sagt: Wenn Trump und Infantino das wirklich miteinander ausgemacht haben, stelle das alles infrage.
Korrekt.
Es stellt nicht nur alles infrage.
Es stellt auch Dinge infrage, von denen wir gar nicht wussten, dass sie Fragen sind.
Zum Beispiel:
Ist eine Rote Karte noch eine Rote Karte?
Ist die FIFA noch ein Verband?
Ist Donald inzwischen der VAR mit Frisur?
Ronald recherchiert exklusiv
Natürlich war ich vor Ort.
Niemand recherchiert näher.
Ich sprach mit einem Schiedsrichter.
„Wie fühlen Sie sich?“
Er antwortete:
„Überflüssig.“
Ich sprach mit dem VAR.
„Wie geht es dir?“
Der VAR sagte:
„Früher hatte ich Monitore. Jetzt brauche ich eine Telefonzentrale.“
Ich sprach mit einer Roten Karte.
Sie lag traurig neben dem Spielfeld.
„Was ist passiert?“
„Ich wurde zur Bewährung ausgesetzt.“
„Und jetzt?“
„Ich denke über Umschulung nach.“
Sehr bewegend.
Infantino und die goldene Umarmung
Gianni Infantino ist natürlich ein Meister großer Bilder.
Er liebt Pokale.
Er liebt Bühnen.
Er liebt lächelnde Präsidenten.
Und offenbar liebt er auch Entscheidungen, bei denen die Welt kollektiv fragt:
„Bitte was?“
Man muss der FIFA zugutehalten: Sie schafft immer wieder neue Formen der Verwirrung.
Andere Organisationen haben Skandale.
Die FIFA kuratiert sie.
Wie eine Ausstellung.
Titel:
„Regeln im Wandel der Interessenslage.“
Donald im Konfettiregen
Wir kennen Donald.
Bei Chelsea stand er im Konfettiregen einfach weiter im Bild.
Andere hätten sich diskret zurückgezogen.
Donald nicht.
Donald bleibt.
Donald klebt am Rampenlicht wie Kaugummi an Stadionbeton.
Wenn irgendwo ein Pokal steht, nähert sich Donald automatisch.
Das ist kein politischer Instinkt.
Das ist Magnetismus.
Der Fußball leidet, aber lebt
Das Tragische ist:
Diese WM hatte eigentlich große Geschichten.
Haaland schießt Brasilien raus.
England gewinnt ein Jahrhundertspiel im Azteca.
Mexiko kämpft wie ein ganzes Stadion auf Koffein.
Kap Verde begeistert.
Überall Emotionen, Tränen, Tore.
Und dann kommt Donald mit dem roten Telefon und legt sich wie ein goldener Teppich über den Fußball.
Ein sehr lauter Teppich.
Mit Truth-Social-Anschluss.
Mein exklusiver Reformvorschlag
Ich fordere ab sofort neue Karten im Fußball.
Gelb: Verwarnung.
Rot: Platzverweis.
Gold-Rot: Bitte zuerst politische Freigabe einholen.
Blau-Rot: FIFA entscheidet irgendwann ohne Begründung.
Trump-Rot: Der Spieler bleibt, der Schiedsrichter geht.
Das wäre wenigstens ehrlich.
Fußball braucht Regeln.
Nicht perfekte Regeln.
Aber verlässliche Regeln.
Denn ohne Vertrauen wird aus einem Spiel ein Verwaltungsakt mit Stollen.
Wenn rote Karten plötzlich durch politische Telefonate verschwinden können, dann ist nicht nur Belgien irritiert.
Dann schaut die ganze Fußballwelt auf die FIFA und fragt:
„Spielt ihr eigentlich noch mit?“
Donald Trump wiederum hat einmal mehr bewiesen, dass er sogar dann Mittelpunkt einer WM werden kann, wenn er kein einziges Spiel besucht.
Das muss man erst einmal schaffen.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich sage euch:
Wenn irgendwann der Schiedsrichter nach einer Roten Karte nicht mehr zur Brusttasche greift, sondern fragt: „Hat jemand die Nummer von Gianni?“ …
… dann ist der Fußball endgültig in der Verlängerung der Absurdität angekommen.
Großartig.
Einfach unfassbar rot-gold-großartig.

