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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Klöckners KI-Kinder: Einschulung im Photoshop-Gymnasium

Grafik: Klöckners KI-Kinder - Einschulung aus der Maschine

Julia Klöckner posiert auf Instagram mit KI-generierten Schulkindern, Kreative protestieren und Kommentare verschwinden. Ronald Tramp untersucht Deutschlands erste Einschulung, bei der womöglich nicht einmal die Schüler existieren.

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Meine Damen und Herren, liebe Eltern, liebe Lehrer und vor allem liebe Kinder, die möglicherweise existieren – oder auch nicht:

Deutschland hat ein neues Bildungsproblem.

Nicht Lehrermangel. Nicht marode Schulgebäude. Nicht Unterrichtsausfall. Nicht einmal die Frage, warum ein Schul-WLAN offenbar grundsätzlich von einem Router betrieben werden muss, der zuletzt 2007 ein Firmware-Update gesehen hat.

Nein.

Wir haben jetzt KI-Kinder mit Schultüten.

Und mitten unter ihnen: Julia Klöckner.

Die Bundestagspräsidentin veröffentlichte auf Instagram ein Bild, auf dem sie von vier Kindern mit Schultüten umringt zu sehen ist. Ein schönes Motiv. Einschulung! Zukunft! Bildung! Kleine Menschen auf dem Weg in ein hoffentlich langes Leben voller Mathematik, Pausenbrot und der Erkenntnis, dass der Satz des Pythagoras im späteren Leben ungefähr so häufig gebraucht wird wie eine Faxnummer.

Nur gab es offenbar einen kleinen digitalen Schönheitsfehler:

Das Bild war KI-generiert.

Ich bin Ronald Tramp, und ich sage Ihnen: Das ist fantastisch.

Wir haben jetzt eine politische Kommunikation erreicht, bei der nicht einmal mehr die Menschen auf dem Foto zwingend existieren müssen.

Huge!

Früher brauchte Politik noch echte Kinder

Früher war politische Öffentlichkeitsarbeit unglaublich kompliziert.

Man brauchte einen Fotografen.

Eine Kamera.

Licht.

Einen Termin.

Ein paar Kinder.

Eltern, die zustimmen.

Schultüten.

Und mindestens ein Kind, das exakt in dem Moment, in dem das Foto gemacht wird, entweder die Augen schließt, weint oder versucht, einem anderen Kind die Schultüte wegzunehmen.

Diese Zeiten sind vorbei.

Heute braucht man theoretisch nur noch einen Computer.

„Erstelle mir vier glückliche Schulkinder mit Schultüten.“

Zack!

Kinder.

Keine Einverständniserklärung.

Kein Schokoladenfleck auf dem Hemd.

Keiner sagt:

„Mama, wann können wir endlich gehen?“

Das ist deutsche Verwaltungsmodernisierung!

Wenn wir das konsequent weiterdenken, können wir den kompletten politischen Alltag digitalisieren.

Bürgerdialog?

Generiere Bürger.

Firmenbesuch?

Generiere Fabrikarbeiter.

Krankenhausbesuch?

Generiere Ärzte.

Volles Plenum im Bundestag?

Okay, hier könnte KI möglicherweise sogar besonders hilfreich werden.

Dann kam Oliver Schäfer – ein echter Mensch

Das Problem begann, als sich unter dem Beitrag offenbar Menschen meldeten, die mit der Sache nicht besonders glücklich waren.

Darunter der Künstler Oliver Schäfer.

Und Oliver Schäfer gehört zu einer inzwischen gefährdeten gesellschaftlichen Gruppe:

Menschen, die Dinge tatsächlich selbst gestalten.

Grafiker. Fotografen. Illustratoren. Künstler.

Diese Leute benutzen teilweise noch Fähigkeiten.

Unfassbar.

Schäfer kritisierte den Einsatz des KI-Bildes deutlich und argumentierte sinngemäß, Klöckner könne stattdessen einen Grafikdesigner beauftragen oder ein echtes Foto mit Schulkindern machen.

Und damit begann die große deutsche Debatte des Jahres:

Wenn künstliche Menschen auf Instagram auftauchen, dürfen echte Menschen darunter meckern?

Offenbar wurden kritische Kommentare gelöscht. Später war die Kommentarfunktion ausgeschaltet. Schäfer erklärte zudem, er sei blockiert worden.

Ich sage Ihnen:

Das ist Social Media auf höchstem Niveau.

Die KI darf etwas generieren.

Der Mensch generiert Kritik.

Und anschließend wird nur einer von beiden gelöscht.

Spoiler:

Es ist nicht die KI.

Die Kommentarfunktion: Demokratie mit Ausschalter

Instagram-Kommentare sind ohnehin eine faszinierende Erfindung.

Politiker veröffentlichen Beiträge, um mit Bürgern zu kommunizieren.

Dann kommunizieren die Bürger.

Und plötzlich stellt sich heraus:

So war das nicht gemeint.

Das erinnert an ein Restaurant, das stolz verkündet:

„Ihre Meinung ist uns wichtig!“

Dann sagt der Gast:

„Die Suppe war kalt.“

Und der Kellner zieht sofort die Jalousien herunter.

„FEEDBACK BEENDET!“

Natürlich ist eine Kommentarfunktion kein Parlament, und niemand hat einen verfassungsrechtlichen Anspruch darauf, unter jedem Instagram-Beitrag seine Meinung zu hinterlassen.

Aber satirisch betrachtet ist die Kombination einfach zu schön:

Ein künstlich erzeugtes Bild soll Nähe vermitteln.

Echte Menschen kritisieren diese künstliche Nähe.

Dann verschwindet die echte Kritik.

Das ist nicht Social Media.

Das ist Social-Media-Theater mit digitalem Türsteher.

Ronald präsentiert: Politik 2030

Ich sehe hier enormes Zukunftspotenzial.

Warum sollten wir bei Bildern aufhören?

Wir könnten die komplette politische Kommunikation automatisieren.

Montag:

KI generiert Politikerin beim Bäcker.

Dienstag:

KI generiert Politikerin im Kindergarten.

Mittwoch:

KI generiert Politikerin bei der Feuerwehr.

Donnerstag:

KI generiert Politikerin im Stahlwerk.

Freitag:

KI generiert begeisterte Bürger, die schreiben:

„Toller Beitrag! ❤️“

Und wenn einer kommentiert:

„Moment mal, das ist doch alles künstlich?“

Dann generiert man einfach eine künstliche Kommentarfunktion.

Darin stehen ausschließlich:

„Danke für Ihren Einsatz!“

„Weiter so!“

„Großartige Arbeit!“

„Endlich kümmert sich jemand!“

Das ist politische Kommunikation ohne lästige Nebenwirkungen wie Widerspruch, Realität oder spontan auftretende Menschen.

Beautiful.

Besonders schwierig wird es für Kreative

Hinter dem ganzen Spaß steckt allerdings ein ernstes Thema.

Denn Künstler, Fotografen, Illustratoren und andere Kreativschaffende erleben gerade eine technologische Revolution, die ihre Branche massiv verändert.

Und deshalb wirkt es natürlich besonders pikant, wenn prominente politische Persönlichkeiten für öffentliche Kommunikation auf generative KI setzen.

Denn die Botschaft kann schnell so ankommen:

Wir schätzen Kreativität sehr.

Deshalb haben wir sie automatisiert.

Danke für Ihre jahrelange Ausbildung!

Hier ist der Prompt.

Das wäre ungefähr so, als würde das Verkehrsministerium eine Kampagne zur Unterstützung deutscher Taxifahrer veröffentlichen – gestaltet von einem selbstfahrenden Auto.

Oder das Landwirtschaftsministerium erklärt die Bedeutung regionaler Bauernhöfe mit einem Bild von KI-generierten Kartoffeln.

Perfekt rund.

Ohne Erde.

Mit sieben Augen.

Aber Ronald hat eine Lösung

Ich schlage deshalb eine völlig neue Kennzeichnungspflicht vor.

Jedes politische KI-Bild bekommt künftig ein kleines Symbol:

„Kann Spuren von Realität enthalten.“

Das wäre transparent.

Vielleicht könnte man sogar verschiedene Kategorien einführen:

KI-generiert.

KI-bearbeitet.

Fotografiert.

Stark fotografiert.

Politisch fotografiert.

Und:

„Diese Szene hat niemals stattgefunden, sieht aber fantastisch aus.“

Dann weiß jeder Bescheid.

Und für Kommentare führen wir ebenfalls Labels ein:

„Dieser Kommentar stammt von einem echten Menschen.“

Das wäre wichtig.

Denn wenn irgendwann 90 Prozent des Internets von künstlicher Intelligenz erzeugt werden, müssen wir wahrscheinlich nicht mehr KI kennzeichnen.

Dann müssen wir die Menschen markieren.

„ACHTUNG: Dieser Beitrag wurde biologisch erstellt.“

Die Schultüte der Zukunft

Am meisten interessieren mich allerdings die vier KI-Kinder.

Was wird aus ihnen?

Kommen sie jetzt in die KI-Grundschule?

Lernen sie Promptrechnung?

Claude-Kunde?

Midjourney-Malen?

Und bekommt man beim Elternabend dann folgende Nachricht:

„Ihr Sohn hat heute wieder sechs Finger gezeichnet.“

„Aber mein Sohn hat selbst sechs Finger!“

„Oh.“

Das wird kompliziert.

Vielleicht sind KI-Kinder aber auch perfekte Schüler.

Keine Fehlzeiten.

Keine vergessenen Hausaufgaben.

Keine Diskussion über Handyverbote.

Und wenn die Note schlecht ist:

Einfach neu generieren.

„Mathematik: 4.“

Regenerate.

„Mathematik: 2.“

Sehr gut.

Das ist Bildungsreform nach Ronald Tramp.

Willkommen in der synthetischen Öffentlichkeit

Die eigentliche Pointe dieser Geschichte ist deshalb größer als ein Instagram-Bild.

Politik findet zunehmend in einer Welt statt, in der Bilder nicht mehr dokumentieren müssen, was passiert ist.

Sie können zeigen, was hätte passieren können.

Oder was besonders hübsch aussieht.

Das macht Kommunikation einfacher.

Aber auch merkwürdiger.

Denn politische Öffentlichkeitsarbeit lebt eigentlich von einer simplen Idee:

Da ist jemand wirklich gewesen.

Wenn Politiker künftig an Orten auftauchen können, ohne dort gewesen zu sein, mit Menschen posieren können, die nie existiert haben, und Situationen darstellen können, die niemals stattgefunden haben, brauchen wir irgendwann keine Pressetermine mehr.

Nur noch Grafikkarten.

Ich bin Ronald Tramp, und ich sage:

KI darf kreativ sein.

Politiker dürfen KI benutzen.

Künstler dürfen das kritisieren.

Und Bürger dürfen darüber diskutieren.

Das nennt man Öffentlichkeit.

Die ist manchmal nervig.

Manchmal unfair.

Manchmal laut.

Aber wenigstens ist sie echt.

Anders als möglicherweise die vier Kinder mit den Schultüten.

Und deshalb wünsche ich ihnen trotzdem einen fantastischen ersten Schultag.

Wo immer sie auch gespeichert sind.

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Tags: KI Julia Klöckner Instagram Bundestagspräsidentin KI-Bilder
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