Cyberangriff auf Berliner Senatsverwaltungen, Krisenstab, LKA, BSI – und viele offene Fragen. Ronald Tramp untersucht, was passiert, wenn Hacker auf die härteste Firewall Deutschlands treffen: Berliner Verwaltung.
Meine lieben Cyberbürger, Passwortbesitzer, Zwei-Faktor-Authentifizierten und Menschen, die ihr Passwort noch immer auf einem gelben Zettel unter der Tastatur lagern!
Hier spricht Ronald Tramp, der sicherste Reporter der Welt. Mein Passwort hat 48 Zeichen, drei Sonderzeichen, sieben Zahlen, einen Umlaut und eine persönliche Beleidigung gegen jeden Hacker, der es eingeben möchte.
Und heute müssen wir über Berlin sprechen.
Berlin wurde offenbar Opfer eines Cyberangriffs auf Teile der Landesverwaltung. Betroffen sind nach den vorliegenden Angaben die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz. Die betroffenen Bereiche wurden vorsorglich vom Landesnetz isoliert, während forensische Untersuchungen laufen. LKA, Staatsanwaltschaft und BSI sind eingeschaltet, außerdem wurde ein Krisenstab eingerichtet.
Das genaue Ausmaß?
Noch unklar.
Der Täter?
Unklar.
Der Schaden?
Unklar.
Was wissen wir also?
Krisenstab!
Deutschland funktioniert!
Hacker greifen ausgerechnet die Berliner Verwaltung an
Meine Freunde, ich muss es sagen: Das ist mutig.
Andere Hacker suchen sich Banken aus.
Rüstungskonzerne.
Technologiefirmen.
Kryptobörsen.
Aber diese Cyberkriminellen haben offenbar morgens ihren Computer eingeschaltet und gesagt:
„Heute greifen wir die Berliner Verwaltung an.“
Das ist kein Cybercrime mehr.
Das ist Abenteuerurlaub.
Denn stellen Sie sich vor, Sie sind Hacker und dringen in ein Berliner Verwaltungssystem ein.
Sie erwarten geheime Daten.
Stattdessen öffnet sich:
Vorgang_2024_final_neu_final2_Kopie_WIRKLICHFINAL.xlsx
Daneben:
Bitte_nicht_löschen_alt.zip
Und irgendwo liegt ein PDF namens:
Scan_00473829.pdf
Ohne Beschreibung.
Ohne Metadaten.
Ohne Hoffnung.
Der Hacker sitzt in seinem Keller in Kapuzenpullover und sagt nach drei Stunden:
„Chef, ich komme rein.“
„Und?“
„Ich möchte wieder raus.“
Berlin zieht den Stecker
Besonders beeindruckend ist die Reaktion: Die betroffenen Verwaltungen wurden aus Sicherheitsgründen vom Landesnetz isoliert.
Fantastisch!
Das ist Cybersecurity nach deutscher Schule.
Wenn jemand versucht, das digitale Rathaus anzugreifen, nehmen wir das digitale Rathaus einfach aus dem Internet.
Schachmatt, Hacker!
Das ist ungefähr so, als würde eine Bank bei einem Überfall sagen:
„Schnell! Wir mauern den Eingang zu!“
Natürlich ist Isolation bei einem Cybervorfall tatsächlich eine wichtige Sicherheitsmaßnahme. Aber wir sind hier bei Ronald Tramp, und deshalb stelle ich mir vor, wie der IT-Leiter dramatisch durch den Serverraum rennt:
„TRENNEN SIE ALLES!“
„Was?“
„ALLES!“
„Auch den Drucker?“
„Vor allem den Drucker! Niemand weiß, was der seit 2017 macht!“
Betroffen: Stadtentwicklung und Verkehr
Und welche Verwaltungen trifft es?
Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.
Und:
Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz.
Meine Freunde, das ist möglicherweise der erste Cyberangriff der Geschichte, bei dem die Hacker nach dem Eindringen sofort in einem Planfeststellungsverfahren feststecken.
Der Hacker will Schadsoftware installieren.
Das System antwortet:
„Für die Durchführung Ihres Cyberangriffs benötigen Sie Anlage C17 sowie eine Stellungnahme der zuständigen Fachbehörde.“
Hacker:
„Was?“
Berlin:
„Bearbeitungszeit sechs bis acht Wochen.“
Hacker:
„Ich will euch erpressen!“
Berlin:
„Bitte vereinbaren Sie online einen Termin.“
Hacker:
„Wo?“
Berlin:
„Keine Termine verfügbar.“
Das ist die Berliner Cyberabwehr!
Nicht Firewalls.
Nicht künstliche Intelligenz.
Nicht Quantenverschlüsselung.
Terminmanagement.
Unknackbar!
Der Hacker trifft auf die Mobilitätsverwaltung
Noch besser stelle ich mir den Angriff auf die Verkehrsverwaltung vor.
Der Hacker sendet sein Datenpaket.
Es kommt nicht an.
Warum?
Baustelle.
Das Paket wird über Neukölln umgeleitet.
Dann über Tempelhof.
Dann wieder zurück.
Google Maps meldet:
„Aufgrund erhöhten Datenverkehrs 27 Minuten Verzögerung.“
Irgendwann steckt der Trojaner im digitalen Stau auf der Stadtautobahn.
Die Malware hupt.
Ransomware versucht rechts zu überholen.
Ein Bot fährt auf dem Busstreifen.
Und ein Server erklärt:
„Bitte bilden Sie eine Rettungsgasse.“
Berlin ist möglicherweise die einzige Stadt, in der selbst Schadsoftware Verspätung hat.
Jetzt kommt der Krisenstab
Natürlich wurde ein Notfallkrisenstab eingerichtet.
Das ist der Moment, in dem Deutschland seine wahre Stärke entfaltet.
Andere Länder haben Cyberabwehr.
Deutschland hat einen Krisenstab.
Und ein Krisenstab ist mächtig.
Sehr mächtig.
Denn sobald ein Krisenstab existiert, gibt es Sitzungen.
Sobald es Sitzungen gibt, gibt es Tagesordnungen.
Sobald es Tagesordnungen gibt, gibt es Protokolle.
Und sobald es Protokolle gibt, haben die Hacker verloren.
Kein Cyberkrimineller der Welt überlebt TOP 7:
„Sonstiges.“
Der Krisenstab wird koordiniert, analysiert, absichert und forensisch untersucht.
Ich hoffe nur, niemand verschickt die Einladung als Word-Dokument mit Makros.
LKA! Staatsanwaltschaft! BSI!
Jetzt sind die Profis dabei.
Das Landeskriminalamt.
Die Staatsanwaltschaft Berlin.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.
Das ist die deutsche Cyber-Avengers-Truppe.
LKA kommt mit Ermittlern.
Staatsanwaltschaft mit Akten.
BSI mit Menschen, die Ihnen erklären können, warum „Berlin2026!“ kein ausreichendes Passwort ist.
Und irgendwo sitzt ein Verwaltungsmitarbeiter und sagt:
„Ich habe aber noch Berlin2025!“
Meine Freunde, Cybersecurity ist ein Kampf.
Das Ausmaß ist unbekannt
Das eigentlich Spannende: Viele Fragen sind noch offen. Forensische Untersuchungen sollen klären, was genau passiert ist und wie groß der Schaden ist.
Und das ist wichtig. Bei echten Cybervorfällen sollte man nicht spekulieren, bevor belastbare Ergebnisse vorliegen.
Ronald Tramp spekuliert deshalb selbstverständlich nicht über den Täter.
Ich spekuliere ausschließlich darüber, was der Täter inzwischen durchmacht.
Vielleicht hat er versucht, vertrauliche Daten herunterzuladen und bekommt seit Stunden:
„Ihre Sitzung ist abgelaufen.“
Dann loggt er sich erneut ein.
Captcha.
„Markieren Sie alle Bilder mit Ampeln.“
Hacker klickt.
Berlin sagt:
„Leider falsch.“
Natürlich falsch!
Es war eine Baustellenampel dabei!
Die ultimative deutsche Cyberwaffe
Vielleicht lernen wir aus diesem Angriff etwas Entscheidendes.
Deutschland braucht moderne IT-Sicherheit.
Aktuelle Systeme.
Gute Backups.
Netzsegmentierung.
Monitoring.
Geschultes Personal.
Klare Notfallprozesse.
Aber Berlin besitzt zusätzlich eine Verteidigungslinie, die kein Angreifer einkalkuliert:
deutsche Verwaltungsrealität.
Stellen Sie sich den Erpresserbrief vor:
„Wir haben Ihre Daten verschlüsselt. Zahlen Sie 20 Millionen Euro in Bitcoin!“
Antwort Berlin:
„Für Auszahlungen über 10.000 Euro benötigen wir drei Vergleichsangebote.“
Hacker:
„BITTE WAS?“
„Außerdem muss die Mittelbewirtschaftung zustimmen.“
„WIR SIND KRIMINELLE!“
„Dann benötigen wir zusätzlich einen Nachweis über Ihre Zuverlässigkeit.“
Der Hacker gibt auf.
Ransomware deinstalliert sich selbst.
Trojaner beantragt Bürgergeld.
Botnetz zieht nach Brandenburg.
Ronald Tramps Sicherheitskonzept für Berlin
Ich habe deshalb einen sensationellen Vorschlag.
Wir schützen das gesamte Berliner Landesnetz mit dem sichersten System, das Deutschland je entwickelt hat:
dem Online-Bürgeramt.
Jeder Hacker muss vor dem Angriff einen Termin buchen.
Persönlich erscheinen.
Lichtbildausweis mitbringen.
Cyberangriff anmelden.
Gebühr bezahlen.
Und anschließend sechs bis acht Wochen auf die Freischaltung warten.
Meine Freunde, Berlin wäre unangreifbar.
Nicht einmal die NSA würde da durchkommen.
Und sollte doch jemand Erfolg haben, setzen wir die ultimative Geheimwaffe ein:
„Der zuständige Sachbearbeiter ist derzeit nicht im Hause.“
Game over.
Ich bin Ronald Tramp.
Bleiben Sie sicher, aktualisieren Sie Ihre Systeme und verwenden Sie starke Passwörter.
Und falls trotzdem jemand Ihr Netzwerk hackt:
Machen Sie es wie Berlin.
Gründen Sie einen Krisenstab.
Dann ist wenigstens TOP 1 schon erledigt.

