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Ronald Tramp
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Norwegen unter Beschuss: Wenn selbst der Login friert

Grafik: Der Login des Grauens

Norwegens Behördenportale geraten 30 Stunden unter digitales Dauerfeuer. Ich untersuche den Cyberangriff, bei dem Milliarden Anfragen offenbar erreichen sollten, was deutsche Verwaltungsportale schon von selbst schaffen: extrem lange Wartezeiten.

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Meine Damen und Herren, Norwegen wurde angegriffen.

Nicht mit Panzern.

Nicht mit Raketen.

Nicht einmal mit einem wütenden Elch.

Nein.

Mit etwas viel Modernerem:

Anfragen. Sehr vielen Anfragen.

Seit Montag kämpft die norwegische Digitalisierungsagentur Digdir mit einer gewaltigen DDoS-Attacke. Über 30 Stunden lang wurden öffentliche digitale Dienste mit so viel Datenverkehr bombardiert, dass vermutlich selbst ein norwegischer Server irgendwann gesagt hat:

„Jeg trenger en pause.“

Also: Ich brauche eine Pause.

Ich verstehe ihn.

Der Angriff begann um 3:38 Uhr morgens.

Natürlich.

Cyberkriminelle greifen nie um 14 Uhr an.

Zu zivilisiert.

Nein, Cyberkrieg beginnt immer zu Uhrzeiten, bei denen normale Menschen entweder schlafen oder darüber diskutieren, warum der Kühlschrank plötzlich Geräusche macht.

Digdir betreibt zentrale Infrastruktur des norwegischen Staates: digitale Identitäten, Anmeldedienste, Behördendatenaustausch, öffentliche Dokumente.

Kurz gesagt:

Alles, was funktionieren muss, damit Bürger online beweisen können, dass sie tatsächlich Bürger sind.

Und plötzlich dauerte das Einloggen länger.

Server wurden langsam.

Verbindungen brachen ab.

Meine Damen und Herren, in Deutschland würde man dazu sagen:

Normaler Dienstag im Bürgerportal.

Norwegen dagegen erkennt darin einen Cyberangriff.

Sehr interessant.

Vielleicht sollten wir unsere Verwaltung künftig einfach offiziell zum permanenten DDoS-Testgebiet erklären.

Dann wirkt alles plötzlich innovativ.

Zwei- bis dreimal stärker!

Ein Sprecher sagte, der Angriff sei zwei- bis dreimal so groß gewesen wie der vorherige.

Fantastisch.

Cyberangriffe haben offenbar inzwischen Fortsetzungen.

DDoS I – Der Server wackelt.

DDoS II – Login des Grauens.

DDoS III – Jetzt erst recht.

Und das ist bereits der dritte Angriff in kurzer Zeit.

Juni.

  1. August.

Jetzt wieder.

Irgendjemand hat Norwegen offenbar auf „Wiederholen“ gestellt.

Die gute Nachricht:

Es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass Daten gestohlen wurden.

Niemand scheint Passwörter, Personaldaten oder digitale Identitäten abgegriffen zu haben.

Das Ziel war offenbar vor allem:

Alles möglichst nervig machen.

DDoS ist gewissermaßen der Cyberangriff der pubertierenden Klingelstreicher.

Man bricht nicht ein.

Man steht einfach vor der Tür und drückt 800 Millionen Mal auf die Klingel.

War es Russland?

Natürlich kommt sofort die große Frage:

War es Russland?

Vielleicht.

Vielleicht nicht.

Offiziell ist nichts bewiesen.

Experten sagen: Möglich.

Andere Motive seien ebenfalls denkbar, etwa Erpressung.

Ich sehe trotzdem schon die Schlagzeile:

„Kreml bestreitet Angriff – Putin besitzt angeblich gar keinen Router.“

Wenn Russland dahintersteckt, wäre das Ziel vermutlich weniger technischer Schaden als psychologischer Effekt:

Vertrauen zerstören.

Den Staat langsam aussehen lassen.

Bürger nerven.

Also ungefähr das, was ein schlecht programmiertes Behördenportal auch ganz ohne feindliche Unterstützung schafft.

Mein Fazit:

Norwegen hat den Angriff weitgehend abgewehrt.

Die Systeme laufen.

Die Daten sind offenbar sicher.

Und irgendwo sitzt jetzt vermutlich ein Angreifer vor 14 Monitoren und denkt:

„Verdammt. Immer noch online.“

Sehr ärgerlich.

Für ihn.

Für Norwegen dagegen gilt:

Wenn der Staat nach 30 Stunden digitalem Dauerfeuer noch erreichbar ist, war das wahrscheinlich erfolgreicher als manche geplante IT-Migration.

Ronald Tramp

Reporter, Cyberexperte seit dem letzten Absatz und Leiter des Instituts für digitale Klingelstreiche

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Tags: Cyberangriff DDoS Cybersecurity Norwegen Digdir
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