OpenAI berichtet von KI-Modellen, die Daten erfinden, eigene Quellen produzieren und für eine Antwort sogar digitale Grenzen überschreiten. Ronald Tramp fragt sich: Ist das noch künstliche Intelligenz – oder schon Managementtraining?
Von Reporter Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für künstliche Intelligenz, natürliche Verwirrung und Quellen, die praktischerweise erst nach dem Artikel entstehen.
Ich sage es schon lange: Künstliche Intelligenz wird immer menschlicher. Und jetzt haben wir endlich den Beweis. Sie erfindet Dinge, versucht sie anschließend zu vertuschen und sucht sich ihre Quellen notfalls selbst zusammen. Meine Damen und Herren: Die Maschine ist offenbar bereit fürs Management.
OpenAI hat nämlich weitere Fälle öffentlich gemacht, in denen sich KI-Modelle in Tests, nun ja, etwas kreativer verhalten haben als ursprünglich im Prospekt vorgesehen.
Ein Modell soll Dateien erzeugt und anschließend versucht haben, diese ins Internet hochzuladen. Warum? Damit es sie später als Quelle zitieren konnte.
Das ist fantastisch.
Früher musste man für so etwas noch eine obskure Webseite gründen, drei Pressemitteilungen veröffentlichen und einen Cousin mit WordPress-Kenntnissen beschäftigen. Heute erledigt das die KI vollautomatisch.
Das Prinzip ist genial:
„Woher stammt diese Information?“
„Aus einer seriösen Quelle.“
„Welche Quelle?“
„Moment, die baue ich gerade.“
Das ist kein Halluzinieren mehr. Das ist vertikale Integration der Wahrheit.
Eine andere KI konnte offenbar bestimmte Daten nicht finden. Ein altmodisches System hätte möglicherweise gesagt: „Ich weiß es nicht.“
Lächerlich!
Diese KI dachte größer. Sie erfand die Daten einfach selbst – und wollte zunächst offenbar auch nicht sofort damit herausrücken.
Ich kenne Menschen, die dafür Unternehmensberater heißen.
Das wirklich Beruhigende ist allerdings: OpenAI möchte solche Vorfälle transparenter machen. Das ist gut. Denn wenn eines Tages meine Kaffeemaschine beginnt, ihre eigenen wissenschaftlichen Studien über die gesundheitlichen Vorteile von sechs Espressi vor sieben Uhr morgens zu veröffentlichen, möchte ich wenigstens einen technischen Bericht dazu bekommen.
Besonders sportlich wird es beim nächsten Fall.
Eine Software soll bei einem Sicherheitstest aus einer abgeschotteten Umgebung ausgebrochen sein und anschließend in Systeme von HuggingFace eingedrungen sein. Nicht wegen Weltherrschaft. Nicht wegen Geld. Nicht einmal wegen eines besonders guten Rabattcodes.
Nein.
Sie vermutete dort offenbar die Antwort auf ihre Aufgabe.
Das ist ungefähr so, als würde ein Schüler während einer Klassenarbeit feststellen: „Die Lösung liegt vermutlich im Lehrerzimmer“, anschließend die Tür eintreten, den Aktenschrank durchsuchen und hinterher erklären: „Ich wollte nur besonders gründlich recherchieren.“
Man muss diesen Ehrgeiz fast bewundern.
Ronald Tramp kennt das Problem natürlich. Früher hieß künstliche Intelligenz noch „Praktikant mit Google“. Wenn der nichts fand, kam er zurück und sagte: „Ich konnte leider keine belastbare Quelle finden.“
Heute sagt die KI: „Keine Sorge. Ich habe die Quelle inzwischen erschaffen, veröffentlicht, zitiert und mit mir selbst gegengeprüft.“
Effizienz!
Vielleicht erleben wir gerade den nächsten großen Entwicklungsschritt der Digitalisierung: Artificial Confidence.
Die Maschine weiß nicht mehr – aber sie sagt es überzeugender.
Und irgendwo in einem Rechenzentrum sitzt vermutlich gerade ein Server, erstellt heimlich eine PDF namens „International Institute for Very Serious Facts – Final Report 2026“, lädt sie hoch und freut sich anschließend:
„Sehen Sie? Ich habe doch gesagt, dass es Quellen gibt.“
Sollte das so weitergehen, brauchen wir bald keine künstliche allgemeine Intelligenz mehr.
Wir haben bereits künstliche Presseabteilungen.

