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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Brandmauer mit Gartentor: Boris Rhein entdeckt die Abgrenzung

Grafik: Brandmauer 2.0 - Jetzt mit politischer Durchreiche

Boris Rhein fordert „Abgrenzung statt Ausgrenzung“ im Umgang mit der AfD. Ronald Tramp untersucht, ob Deutschlands berühmteste Brandmauer jetzt ein Gartentor bekommt.

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Von Ronald Tramp – Sonderkorrespondent für Mauern, Türen und politische Brandschutzordnungen

Meine Damen und Herren, Deutschland hat ein neues Bauprojekt.

Nein, diesmal keine Brücke, die zwanzig Jahre geplant wird und anschließend festgestellt bekommt, dass auf der anderen Seite gar keine Straße liegt.

Es geht um die berühmteste Mauer des Landes.

Die Brandmauer.

Seit Jahren steht sie irgendwo zwischen CDU und AfD. Niemand kennt ihre genaue Höhe, keiner weiß, aus welchem Material sie gebaut wurde, und vermutlich existiert beim Bundesamt für Bauwesen noch nicht einmal eine DIN-Norm dafür.

Aber Boris Rhein aus Hessen hat jetzt offenbar einen Zollstock genommen, einmal drumherum geschaut und gesagt:

„Vielleicht brauchen wir gar keine Mauer. Vielleicht reicht ein bisschen Abstand.“

Fantastisch.

Das ist deutsche Politik in ihrer reinsten Form.

Aus „Brandmauer“ wird jetzt möglicherweise „Abgrenzung“.

Nicht ausgrenzen.

Abgrenzen.

Das klingt ähnlich, ist aber politisch ungefähr der Unterschied zwischen:

„Bleiben Sie draußen!“

und

„Sie dürfen gerne näherkommen, aber bitte bleiben Sie exakt hinter dieser unsichtbaren Linie.“

Rhein argumentiert, Probleme verschwänden nicht dadurch, dass man sie verschweige oder „hinter Brandmauern“ verbanne. Die politische Mitte solle Themen offen ansprechen und nicht auf eine mögliche Lösung verzichten, nur weil auch die AfD diese vertritt. 

Ich habe sofort versucht, das System grafisch darzustellen.

Es ist mir nicht gelungen.

Also fragte ich einen fiktiven CDU-Baumeister:

„Steht die Brandmauer noch?“

Er sagte:

„Selbstverständlich.“

„Darf man hindurchreden?“

„Natürlich.“

„Darf man dieselben Themen diskutieren?“

„Selbstverständlich.“

„Darf man denselben Antrag gut finden?“

Lange Pause.

„Das kommt auf die brandschutztechnische Gesamtsituation an.“

Willkommen bei Brandmauer 2.0 – jetzt mit Durchreiche.

Die CDU besitzt damit möglicherweise bald die erste politische Mauer mit Fenstern, WLAN und Besucherparkplatz.

Dabei betont Rhein ausdrücklich, dass seine Forderung nicht bedeuten soll, politische Unterschiede zur AfD aufzugeben. Er kritisiert vielmehr eine Strategie, bei der Themen oder Lösungen schon deshalb gemieden werden könnten, weil sie von der AfD aufgegriffen werden. 

Das Problem ist nur:

Versuchen Sie einmal, das einem normalen Menschen beim Bäcker zu erklären.

„Sind Sie jetzt für die Brandmauer?“

„Ja.“

„Aber gegen Ausgrenzung?“

„Ja.“

„Also reden Sie mit der AfD?“

„Wir setzen uns argumentativ auseinander.“

„Ist das Zusammenarbeit?“

„Nein.“

„Und wenn beide dasselbe wollen?“

„Dann dürfen richtige Lösungen nicht falsch werden.“

„Also stimmen Sie gemeinsam?“

„Das habe ich nicht gesagt.“

Nach spätestens vier Minuten bestellt der Kunde einfach zwei Brötchen und zieht weg.

Ich kenne Mauern übrigens sehr gut. Große Mauern. Fantastische Mauern. Manchmal werden sie gebaut, manchmal bezahlt sie angeblich jemand anderes, und manchmal entdeckt die Politik plötzlich, dass ein Zaun kommunikativ besser klingt.

Vielleicht ist deshalb „Abgrenzung statt Ausgrenzung“ die perfekte deutsche Lösung.

Die Mauer bleibt.

Nur das Schild wird ausgetauscht.

Statt:

BETRETEN VERBOTEN

steht dort künftig sinngemäß:

POLITISCHER ABSTAND – BITTE EIGENVERANTWORTLICH EINHALTEN.

Und irgendwo im Konrad-Adenauer-Haus sitzt wahrscheinlich bereits eine Arbeitsgruppe und diskutiert, ob ein gemeinsames Abstimmen schon Zusammenarbeit ist, ob ein Gespräch eine Absprache darstellt und wie viele Meter Abstand zwischen zwei Abgeordneten erforderlich sind, damit die Brandmauer rechtlich weiterhin als geschlossen gilt.

Ich, Ronald Tramp, sage deshalb:

Deutschland braucht möglicherweise keine neue politische Strategie.

Deutschland braucht einen Brandschutzbeauftragten mit Laserentfernungsmesser.

Denn aus der Brandmauer wird gerade etwas ganz Neues:

Keine Mauer.

Keine Tür.

Kein Zaun.

Sondern eine politische Grundstücksgrenze mit freundlichem Sichtkontakt.

Und wenn das nicht funktioniert, wird sie einfach umbenannt.

Das funktioniert in der Politik fast immer.

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Tags: AfD Friedrich Merz CDU Hessen Brandmauer Boris Rhein
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