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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Wagenknechts AfD-Date: Erst flirten, dann die schrägen Figuren entdecken

Grafik: AfD und BSW - Das politische Date wird schräg

Wagenknecht will Siegmund nicht wählen, Gespräche mit der AfD aber weiterhin nicht ausschließen. Ronald Tramp beobachtet Deutschlands kuriosestes politisches Blind Date.

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Von Ronald Tramp – Sonderreporter für politische Blind Dates, Brandmauern mit Drehtür und Eiertänze im Landtag

Meine Damen und Herren, ich melde mich aus Sachsen-Anhalt, wo gerade ein politisches Experiment stattfindet, das selbst amerikanische Reality-TV-Produzenten für etwas zu kompliziert halten würden.

Es heißt: „BSW sucht Regierungspartner – aber bitte nicht anfassen.“

Sahra Wagenknecht hatte sich nach der Wahl grundsätzlich gesprächsbereit gegenüber der AfD gezeigt. Eine sensationelle Entwicklung. Politisches Speed-Dating! Die Brandmauer wurde nicht eingerissen, nein, viel moderner: Man hat einfach eine Tür eingebaut.

Und nun steht Wagenknecht vor dieser Tür, schaut hindurch und stellt offenbar überrascht fest:

„Moment mal. Da sind ja AfD-Leute dahinter!“

Großartig.

Das ist ungefähr so, als bestellt man eine Pizza „Diavolo“, öffnet den Karton und ruft erschrocken:

„Meine Güte! Die ist ja scharf! Wer konnte DAS ahnen?“

Besonders Ulrich Siegmund bekommt sein politisches Zwischenzeugnis. Ein guter Wahlkämpfer sei er gewesen, aber beim Amt des Ministerpräsidenten veranstalte er einen „Eiertanz“. 

Und ich sage Ihnen: Ich kenne Eiertänze. Fantastische Eiertänze. Niemand kennt Eiertänze besser als ich.

Siegmunds Variante sieht ungefähr so aus:

„Ich möchte Ministerpräsident werden.“

„Treten Sie an?“

„Das hängt davon ab.“

„Wovon?“

„Ob ich antrete.“

„Unter welchen Bedingungen?“

„Unter den Bedingungen, unter denen ich antreten würde.“

Politische Klarheit, meine Freunde. Man könnte damit einen Nebelwerfer kalibrieren.

Doch dann wird das Date endgültig schwierig.

Wagenknecht kritisiert Aussagen aus der AfD-Führung, darunter Bemerkungen über BSW-Chefin Amira Mohamed Ali und Fabio De Masi. Daraus zieht sie die Erkenntnis, hinter Siegmund tummelten sich teilweise „wirklich schräge Figuren“. 

Das ist bemerkenswert.

Nicht, weil Politiker andere Politiker „schräge Figuren“ nennen. Das gehört in Deutschland inzwischen ungefähr zur parlamentarischen Grundausstattung zwischen Mikrofon und Wasserglas.

Bemerkenswert ist das Timing.

Das BSW sagt nämlich gleichzeitig ungefähr:

„Wir wählen euch nicht. Wir mögen einiges an euch überhaupt nicht. Manche eurer Leute finden wir ziemlich daneben. Aber reden können wir ja mal.“

Das ist keine Koalitionsstrategie.

Das ist Tinder für Fortgeschrittene.

Profilbeschreibung:

Suche stabile politische Beziehung.

Absolute No-Gos: Kandidat, Führungspersonal und verschiedene Positionen.

Treffen trotzdem erwünscht.

Und irgendwo steht bereits ein Flipchart mit der Überschrift:

„Gemeinsamkeiten, Trennendes und wer anschließend behauptet, das Treffen sei niemals ein Date gewesen.“

Die fünf BSW-Abgeordneten sollen Siegmund jedenfalls nicht ins Amt des Ministerpräsidenten wählen. Gleichzeitig schließt Wagenknecht Gespräche nicht aus. 

Damit wurde in Sachsen-Anhalt möglicherweise eine völlig neue Regierungsform erfunden:

Die kontaktlose Zusammenarbeit.

Man spricht miteinander, ohne zusammenzuarbeiten.

Man arbeitet möglicherweise in einzelnen Fragen zusammen, ohne miteinander zusammenzuarbeiten.

Und anschließend erklärt jeder, dass die Zusammenarbeit keinesfalls Zusammenarbeit gewesen sei, sondern lediglich ein sachorientierter Meinungsaustausch mit zufällig identischem Abstimmungsverhalten.

Politikwissenschaftler werden dafür irgendwann einen Fachbegriff finden.

Ich schlage vor:

Schrödingers Koalition.

Sie existiert und existiert gleichzeitig nicht.

Solange niemand die Tür zum Fraktionszimmer öffnet.

Und Ronald Tramp steht davor, Sonnenbrille auf, Mikrofon in der Hand und denkt:

Sachsen-Anhalt braucht derzeit wahrscheinlich keinen Koalitionsvertrag.

Es braucht einen Beziehungsstatus.

Und der lautet:

„Es ist kompliziert.“

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Tags: AfD Landtagswahl BSW Sahra Wagenknecht Ulrich Siegmund Sachsen-Anhalt
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