Wen würde eine KI in Sachsen-Anhalt wählen? Ich lasse den Supercomputer Wahlprogramme, Versprechen und Fakten prüfen – bis er verzweifelt „ERROR 2026“ meldet.
Meine Damen und Herren, ich habe heute die vielleicht gefährlichste Frage des gesamten Wahlkampfs gestellt:
Wen würde eigentlich eine künstliche Intelligenz bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wählen?
Eine fantastische Frage.
Menschen wählen nach Überzeugung, Erfahrung, Ärger, Hoffnung, Tradition, Parteibindung oder weil der Kandidat auf dem Plakat aussieht, als könne er einen Grill zusammenbauen.
Eine KI dagegen?
Daten!
Programme!
Statistiken!
Fakten!
So dachte ich jedenfalls.
Also stelle ich mir vor, man setzt einen gigantischen Supercomputer nach Magdeburg und gibt ihm sämtliche Wahlprogramme.
Er startet.
„Analysiere politische Angebote.“
Nach drei Sekunden:
Warnung: Widersprüche erkannt.
Nach zwölf Sekunden:
Warnung: Finanzierungsangaben teilweise unvollständig.
Nach 40 Sekunden:
Warnung: Wahlversprechen überschreiten verfügbare Realität.
Nach zwei Minuten:
Möchten Sie dieses Programm wirklich fortsetzen?
Ich liebe Technologie.
Aktuell stehen in Sachsen-Anhalt 15 Parteien auf dem Wahlzettel – von CDU und AfD über Linke, SPD, Grüne und FDP bis hin zu BSW, Volt, Tierschutzparteien und Gartenpartei.
Für eine KI ist das kein Wahlzettel.
Das ist ein Dropdown-Menü aus der Hölle.
Algorithmus gegen Wahlkampf
Also beginnt die Maschine zu rechnen.
Partei A verspricht niedrigere Steuern.
KI:
„Wie finanzieren?“
Antwort:
Politisches Schweigen.
Partei B möchte mehr ausgeben.
KI:
„Woher Geld?“
Antwort:
Wachstum.
KI:
„Wie viel?“
Antwort:
Sehr viel Wachstum.
Partei C sagt, alles werde besser, wenn man endlich auf sie höre.
KI:
„Empirische Grundlage?“
Serverraum plötzlich leer.
Dann kommt Migration.
Die KI lädt EU-Recht, Bundesrecht, Landeskompetenzen, internationale Verträge und Haushaltszahlen.
Nach acht Sekunden erscheint:
„Einige Wahlkampfaussagen liegen außerhalb der Zuständigkeit eines Landesparlaments.“
Großartig!
Damit hätte die Maschine bereits ungefähr die Hälfte deutscher Wahlplakate unbrauchbar gemacht.
Und dann Klima
Die KI verarbeitet Temperaturdaten, Energiekosten, Industrieentwicklung, Netzausbau und Klimamodelle.
Irgendjemand sagt:
„Klimawandel gab es schon immer.“
Die Maschine antwortet:
„Diese Aussage beantwortet die gestellte Frage nicht.“
Ich möchte diese KI sofort als Talkshow-Moderator einstellen.
Dann kommt jemand mit:
„Wir machen einfach Technologieoffenheit.“
KI:
„Welche Technologien? Welche Kosten? Welcher Zeitraum?“
Politiker:
„TECHNOLOGIEOFFENHEIT!“
KI:
„Lautstärke erhöht Informationsgehalt nicht.“
Meine Damen und Herren, dieses Gerät muss Kanzler werden.
Aktuelle Umfragen verursachen Überhitzung
Die Maschine lädt anschließend die Umfragen.
AfD um 42 bis 43 Prozent.
CDU etwa 22 bis 23.
Linke ungefähr 13.
SPD um 6 bis 7.
Der Rest kämpft teilweise mit der Fünf-Prozent-Hürde.
KI:
„Soll ich den populärsten Kandidaten wählen?“
Nein.
„Den kompetentesten?“
Definieren Sie Kompetenz.
„Das realistischste Programm?“
Viel Glück.
„Den sympathischsten?“
Jetzt wird es endgültig unwissenschaftlich.
Nach 17 Millionen Rechenoperationen erscheint schließlich das Ergebnis:
ERROR 2026 – DEMOKRATIE ERFORDERT WERTURTEIL
Und genau da liegt das Problem.
Eine KI kann Programme vergleichen.
Zahlen prüfen.
Widersprüche finden.
Kosten berechnen.
Sie kann sogar feststellen, wenn jemand bei einer Landtagswahl Dinge verspricht, über die eigentlich Berlin oder Brüssel entscheidet.
Aber sie kann nicht entscheiden, was einem Menschen am wichtigsten sein soll.
Mehr Sicherheit?
Mehr soziale Absicherung?
Weniger Staat?
Mehr Klimaschutz?
Mehr wirtschaftliche Freiheit?
Härtere Migration?
Mehr Bildung?
Das sind keine Rechenfehler.
Das sind politische Entscheidungen.
Meine persönliche künstliche Intelligenz würde deshalb vermutlich sagen:
„Bitte selbst wählen. Ich prüfe währenddessen die Behauptungen.“
Und wissen Sie was?
Das wäre vielleicht bereits ein gewaltiger Fortschritt.
Denn wenn jede Wählerin und jeder Wähler vor dem Kreuzchen nur einmal auf den Button drücken würde:
„BEHAUPTUNG ÜBERPRÜFEN“
müssten einige Wahlkampfstrategen plötzlich sehr, sehr schnell einen echten Beruf lernen.
Ronald Tramp
Reporter und Administrator des Instituts für künstliche Wahlkampfintelligenz

