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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Regierung? Lieber nicht! AfD entdeckt Erfolgsangst

Grafik: Regieren ja – aber bitte ohne Mitspieler

Was passiert, wenn aus Protest plötzlich Verantwortung wird? Ronald Tramp untersucht die AfD-Strategie: Regieren gern – aber möglichst erst mit absoluter Mehrheit.

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Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für absolute Mehrheiten und relative Regierungsbereitschaft

Meine lieben Wähler, Nichtwähler und Menschen, die bisher glaubten, eine Partei trete bei einer Wahl an, um anschließend möglichst viel politische Verantwortung zu übernehmen!

Ich habe sensationelle Neuigkeiten aus Sachsen-Anhalt.

Die AfD könnte ein Problem bekommen.

Nicht zu wenige Stimmen.

ZU VIELE!

Das ist politisch hochgefährlich. Denn irgendwann könnte jemand sagen:

„Herzlichen Glückwunsch. Hier ist die Staatskanzlei. Viel Spaß beim Regieren.“

Und plötzlich wird aus:

„WIR WÜRDEN ALLES GANZ ANDERS MACHEN!“

die deutlich unangenehmere Frage:

„Okay. Was genau machen Sie Montag um 8:30 Uhr?“

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund setzt auf eine Alleinregierung und hat eine Koalition mit anderen Parteien ausgeschlossen. Das politische Traumziel lautet damit: möglichst absolute Mehrheit.

Ich, Ronald Tramp, sage:

BRILLANT!

Das ist ungefähr so, als würde ein Fußballtrainer verkünden:

„Wir treten selbstverständlich an. Aber spielen möchten wir vorzugsweise nur, wenn wir bereits 6:0 führen.“

Die absolute Mehrheit – Regierungsführung für Einsteiger

Natürlich hat eine absolute Mehrheit enorme Vorteile.

Keine Koalitionsverhandlungen.

Keine lästigen Partner.

Keine Kompromisse.

Keine Sitzungen, in denen jemand sagt:

„Das sehen wir etwas differenzierter.“

HERRLICH!

Man wacht morgens auf und weiß:

Die Mehrheit gehört uns.

Der Ministerpräsident gehört uns.

Die Minister gehören uns.

Und wenn irgendwo Widerspruch auftaucht, kann man wenigstens nicht behaupten, er komme aus dem Koalitionsvertrag.

Das Problem lautet nur:

Mit absoluter Mehrheit kann fast jeder regieren.

Die wirklich interessante Disziplin beginnt dort, wo andere Menschen existieren.

Koalitionen sind politisch ungefähr das, was eine Wohngemeinschaft für Erwachsene ist: Niemand bekommt genau das, was er möchte, irgendjemand hat schon wieder den Kühlschrank falsch eingeräumt, und trotzdem muss am Monatsende die Stromrechnung bezahlt werden.

Opposition ist fantastisch!

Vielleicht steckt dahinter aber eine viel größere Strategie.

Denn Opposition ist der schönste Arbeitsplatz der Politik.

Man kann gleichzeitig fordern:

Steuern runter!

Renten rauf!

Energie billiger!

Polizei stärker!

Straßen besser!

Schulen moderner!

Bürokratie weg!

Grenzen dichter!

Und Staatsausgaben natürlich:

RUNTER! RUNTER! RUNTER!

Fragt jemand:

„Wie finanzieren Sie das?“

antwortet man:

„Durch vernünftige Politik!“

Fantastisch!

Versuchen Sie das einmal privat.

„Herr Tramp, Ihre Kreditkartenrechnung beträgt 14.000 Euro.“

„Ich werde sie durch vernünftige Finanzpolitik reduzieren.“

„Überweisen Sie das Geld?“

„DIE ALTPARTEIEN HABEN DIESE RECHNUNG VERURSACHT!“

Leider funktioniert Banking so nicht.

Und Haushaltsrecht ebenfalls nicht.

Der Dienstagmorgen des Grauens

Die größte Gefahr für eine Protestpartei ist deshalb womöglich nicht der politische Gegner.

Es ist:

DER ERSTE DIENSTAG NACH DER VEREIDIGUNG.

Montag war großartig.

Blumen.

Applaus.

Ministerpräsident!

Fotos!

Händeschütteln!

„Wir verändern jetzt alles!“

Dann kommt Dienstag.

08:03 Uhr.

Ein Ministerialbeamter betritt das Büro.

Er trägt einen Aktenordner.

Das ist bereits ein schlechtes Zeichen.

„Herr Ministerpräsident, wir benötigen Ihre Entscheidung zum Landeshaushalt.“

„Deutschland zuerst!“

„Ja. Aber welche 800 Millionen Euro sollen wir konkret einsparen?“

„Migration stoppen!“

„Das beantwortet die Frage nicht.“

„Bürokratie abbauen!“

„Welche Verordnung soll aufgehoben werden?“

Stille.

Sehr große Stille.

Plötzlich entdeckt man die grausamste politische Wahrheit überhaupt:

Die Realität hat das Wahlprogramm nicht gelesen.

Plötzlich ist „die Regierung“ man selbst

Noch schlimmer:

Jahrelang kann man sagen:

„Die da oben!“

Dann gewinnt man.

Und irgendwann schaut ein Mitarbeiter vorsichtig nach oben.

Dort sitzt man selbst.

Katastrophe!

Der Innenminister stellt fest, dass Polizeibeamte nicht einfach im Baumarkt bestellt werden können.

Der Kultusminister entdeckt, dass Lehrermangel nicht dadurch verschwindet, dass man ihn in einer Pressekonferenz sehr entschieden ablehnt.

Der Verkehrsminister erfährt, dass eine kaputte Brücke nach einem patriotischen Tweet weiterhin kaputt ist.

Und der Finanzminister erlebt seinen persönlichen Endgegner:

Excel.

Excel kennt keine Ideologie.

Excel kennt Zahlen.

Und wenn unten −437.000.000 Euro steht, kann man die Zelle zwar anschreien.

Sie bleibt trotzdem rot.

Ronald präsentiert die perfekte Regierungsstrategie

Darum verstehe ich die Idee inzwischen.

Regieren?

Natürlich!

Aber bitte erst, wenn die Bedingungen perfekt sind.

Absolute Mehrheit.

Keine Koalitionspartner.

Keine Kompromisse.

Keine störenden Mehrheitsverhältnisse.

Vielleicht zusätzlich schönes Wetter.

Und bitte keine schwierigen Haushaltsjahre.

Ich empfehle daher einen neuen Wahlkampfslogan:

„BEREIT ZUR VERANTWORTUNG – SOBALD SIE BEQUEM WIRD!“

Das wäre wenigstens präzise.

Denn wenn die absolute Mehrheit nicht kommt, bleibt die Opposition.

Und dort kann man weiterhin jeden Morgen erklären:

„Wenn wir regieren würden, wäre alles ganz einfach.“

Das Geniale daran:

Man muss es niemals beweisen.

Deshalb lautet Ronald Tramps wichtigste politische Erkenntnis:

Opposition ist wie ein Restaurantkritiker.

Man kann jahrelang erklären, dass die Suppe schlecht ist.

Regierung bedeutet:

Plötzlich steht man selbst in der Küche.

Und draußen sitzen sechs Millionen Gäste.

Einer will weniger Salz.

Einer mehr Fleisch.

Einer ist Vegetarier.

Der Herd ist kaputt.

Das Personal fehlt.

Und der Finanzminister kommt herein und sagt:

„Für neue Töpfe ist kein Geld da.“

Dann hilft nur noch eines:

Schnell nachsehen, ob irgendwo noch eine Opposition frei ist.

Believe me.

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Tags: AfD Regierung Landtagswahl Ulrich Siegmund Sachsen-Anhalt Opposition absolute Mehrheit
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