America First – außer der Burger wird zu teuer. Ronald Tramp begleitet 300.000 Tonnen ausländisches Rindfleisch auf dem Weg zum amerikanischen Traum.
Von Ronald Tramp, Fleischkorrespondent für Burgergrenzen, Steakmigration und strategisches Auslandshack
Meine lieben Amerikaner, Farmer und Menschen, die an der Fleischtheke inzwischen fragen:
„Kann ich das Ribeye auch leasen?“
Wir erleben einen historischen Moment.
Einen gewaltigen Moment.
Vielleicht den größten Moment seit der Erfindung des Cheeseburgers mit doppeltem Käse und ohne erkennbare medizinische Absicht.
Amerika hat jahrelang eine sehr einfache wirtschaftspolitische Philosophie verfolgt:
AMERICA FIRST!
Amerikanische Autos!
Amerikanischer Stahl!
Amerikanische Jobs!
Amerikanische Energie!
Amerikanische Rinder!
Doch dann geschah etwas, womit offenbar niemand gerechnet hatte:
Das amerikanische Steak wurde teuer.
Und plötzlich heißt es:
AMERICA FIRST – BUT PLEASE SEND BEEF.
Die Regierung will zusätzlich rund 300.000 Tonnen mageres Rindfleisch zu günstigeren Zollbedingungen ins Land lassen, um die hohen Fleischpreise zu drücken.
Ich, Ronald Tramp, nenne das:
OPERATION FOREIGN FILET.
Eine der größten Rindfleisch-Luftbrücken aller Zeiten.
Nur ohne Flugzeuge.
Und vermutlich mit Kühlcontainern.
Das Steak braucht jetzt eine Finanzierung
Der amerikanische Rinderbestand wurde durch jahrelange Dürren und andere Belastungen massiv dezimiert.
Das Ergebnis sieht der normale Amerikaner inzwischen im Supermarkt.
Früher:
„Zwei Steaks, bitte.“
Heute:
„Was kostet das?“
„47 Dollar.“
„Nein, ich wollte es kaufen, nicht das Rind adoptieren.“
Der Metzger legt daraufhin einen Finanzierungsplan vor:
36 Monatsraten. 4,9 Prozent effektiver Jahreszins. Anzahlung: zwei Chicken Wings.
Beim Ribeye erfolgt vorher eine SCHUFA-Auskunft.
Wagyu gibt es nur noch gegen Grundbucheintrag.
Und wer einen ganzen Braten kaufen möchte, wird vom Filialleiter persönlich gefragt:
„Haben Sie Eigenkapital?“
Import schlecht! Import gut! Import lecker!
Hier zeigt sich die unglaubliche Flexibilität moderner Wirtschaftspolitik.
Importe waren lange gefährlich.
Importe zerstören Arbeitsplätze!
Importe schaden amerikanischen Produzenten!
Importe sind unfair!
Aber jetzt hat jemand im Weißen Haus offenbar einen Hamburger bestellt und auf die Rechnung geschaut.
Seitdem gilt:
IMPORTS ARE TERRIBLE!
Außer bei Rindfleisch.
Dann sind Importe:
BEAUTIFUL. TENDER. MEDIUM RARE.
Das ist ungefähr so, als würde man jahrelang gegen ausländische Autos kämpfen und anschließend sagen:
„Okay, aber bringt mir schnell einen Toyota. Der Cadillac kostet zu viel.“
Die Rinder bekommen die liberalste Einwanderungspolitik
Besonders wunderschön ist die Situation an der Grenze.
Während Amerika seit Jahren über Migration, Grenzkontrollen und Einreisebestimmungen streitet, erhält das internationale Rind jetzt praktisch ein eigenes Fast-Track-Programm.
Ich stelle mir die Grenzkontrolle vor:
„Name?“
Muuuuh.
„Nationalität?“
Argentinisch.
„Grund der Einreise?“
Burger.
„Haben Sie vor, dauerhaft in den Vereinigten Staaten zu bleiben?“
Kurze Pause.
„Nicht in dieser Form.“
STEMPEL!
WELCOME TO AMERICA!
Das Rind erlebt damit möglicherweise die effizienteste US-Einwanderungspolitik seit Jahrzehnten.
Keine Green Card.
Keine Arbeitserlaubnis.
Nur Kühlkette.
Die Farmer sind begeistert. Also überhaupt nicht.
Amerikanische Viehzüchter betrachten die Idee naturgemäß etwas skeptischer.
Denn ihnen wird nun erklärt:
Wir wollen die heimische Rinderwirtschaft stärken.
Deshalb importieren wir erst einmal mehr ausländisches Rind.
Das ist brillant.
Das ist wie ein staatliches Programm zur Rettung kleiner Buchhandlungen:
Jeder Bürger erhält kostenlos Amazon Prime.
Die Strategie besteht aus drei Phasen:
Phase 1: Mehr Rindfleisch importieren.
Phase 2: Den amerikanischen Farmern versichern, dass sie weiterhin sehr wichtig sind.
Phase 3: Schnell das Thema wechseln.
Ich empfehle:
„Haben Sie eigentlich schon von den fantastischen neuen Zöllen gehört?“
Make American Cows Great Again
Natürlich brauchen wir eine langfristige Lösung.
Deshalb präsentiere ich den Ronald Tramp Beef Recovery Plan 2026™.
Jedes amerikanische Kalb erhält bei Geburt eine kleine US-Flagge.
Rinder bekommen Steuervergünstigungen für patriotisches Wachstum.
Wer innerhalb von zwölf Monaten 300 Kilogramm zunimmt, erhält den Status:
STRATEGIC BOVINE ASSET.
Zusätzlich brauchen wir eine nationale Rinderreserve.
Millionen Kühe stehen in geheimen unterirdischen Silos und werden nur im äußersten Notfall aktiviert.
Der Präsident drückt einen roten Knopf.
Eine Klappe öffnet sich.
MUUUUH!
Die Märkte beruhigen sich sofort.
Am Ende zählt der Burger
Und darin liegt die wahre Schönheit amerikanischer Politik.
America First bedeutet offenbar nicht zwingend:
Alles muss aus Amerika kommen.
Es bedeutet:
Am Ende muss es sich amerikanisch anfühlen.
Das Rind kann aus Argentinien kommen.
Das Steak vielleicht aus Australien.
Der Burger kann internationale Vorfahren besitzen.
Aber sobald er zwischen zwei Brötchen liegt, Cheddar trägt und neben einem halben Liter Cola serviert wird:
Naturalization complete.
Einbürgerung durch Grillen.
Kein kompliziertes Verfahren.
Vier Minuten pro Seite.
Und damit lautet die neue amerikanische Handelspolitik:
BUILD THE WALL!
Aber bitte mit einer großen Kühlhaustür.
Denn irgendwo draußen warten 300.000 Tonnen Rindfleisch auf ihre Chance, den amerikanischen Traum zu leben.
Oder zumindest darin gebraten zu werden.
MAKE AMERICA STEAK AGAIN!
Believe me.

