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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Der Kandidat, der gar nicht gewinnen wollte – und trotzdem gewann

Grafik: Der Rückzieher gewinnt die Wahl

Donald Trump unterstützt einen Kandidaten, veranstaltet Wahlkampf und hebt den Daumen. Doch am Ende gewinnt ausgerechnet ein Mann, der seinen Rückzug erklärt hatte. Ronald Tramp berichtet exklusiv über die wohl kurioseste Vorwahl des Jahres – und über den politischen Geist, der einfach nicht verschwinden wollte.

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Liebe Freunde,

Politik überrascht mich nur noch selten.

Normalerweise läuft das Ganze ungefähr so:

Ein Kandidat tritt an.

Er schüttelt Hände.

Verspricht Steuersenkungen.

Lächelt Babys an.

Postet Bilder mit Hunden.

Und irgendwann wird gewählt.

Aber Michigan?

Michigan hat beschlossen, das Drehbuch einfach in den Schredder zu werfen.

Denn dort geschah etwas, das ungefähr so wahrscheinlich war, wie ein Elfmeter, der gleichzeitig ins eigene und ins gegnerische Tor geht.

Donald Trump stellte sich hinter den ehemaligen Marine-Soldaten Amir Hassan.

Nicht nur ein bisschen.

Nein.

Mit voller Kraft.

Mit Lobeshymnen.

Mit Wahlkampfauftritten.

Mit Truth-Social-Beiträgen.

Mit allem, was heutzutage unter die Kategorie "Präsidialer Rückenwind" fällt.

Ich dachte sofort:

Das Ding ist entschieden.

Packt die Wahlurnen wieder ein.

Der Mann kann schon einmal seine Bürotür im Kongress ausmessen.

Doch dann erschien plötzlich...

Thomas J. Smith.

Oder besser gesagt:

Er erschien gar nicht.

Denn eigentlich war er längst verschwunden.

Der Mann hatte seinen Rückzug erklärt.

Er hatte sich verabschiedet.

Er unterstützte sogar einen anderen Kandidaten.

Kurz gesagt:

Er machte alles, was Politiker normalerweise tun, wenn sie nicht mehr kandidieren möchten.

Nur eine Kleinigkeit hatte er vergessen.

Er blieb auf dem Stimmzettel.

Und genau dort begann das eigentliche Wunder.

Die Wähler blickten auf ihre Wahlzettel.

Sie sahen den Namen.

Und dachten offenbar:

"Ach, den kennen wir."

Fantastisch.

Smith gewann.

Nicht knapp.

Nicht mit Glück.

Nicht nach fünf Nachzählungen.

Nein.

Mit rund 18 Prozentpunkten Vorsprung.

Ich musste zweimal lesen.

Dann ein drittes Mal.

Und anschließend kontrollierte ich vorsichtshalber, ob ich versehentlich einen Satireartikel geöffnet hatte.

Nein.

Es war Realität.

Der Mann, der praktisch schon seinen Wahlkampfgrill eingemottet hatte...

...gewann.

Das ist ungefähr so, als würde ein Marathonläufer nach Kilometer fünf ins Café gehen...

...und später erfahren, dass er trotzdem Gold geholt hat.

Donald Trump dürfte kurz überrascht gewesen sein.

Denn normalerweise besitzt seine Wahlempfehlung ungefähr dieselbe Wirkung wie ein Raketenbooster.

Daumen hoch.

Kandidat gewinnt.

Fertig.

Doch diesmal?

Da schien Michigan zu sagen:

"Danke für die Empfehlung.

Wir probieren heute mal etwas Neues."

Ich stelle mir die Stimmung im Wahlkampfbüro von Amir Hassan vor.

Erst große Euphorie.

Dann erste Hochrechnungen.

Dann betretenes Schweigen.

Dann sucht plötzlich jeder sehr intensiv nach den Snacks auf dem Tisch.

Hassan reagierte bemerkenswert sportlich.

"Ich habe es gestern Abend nicht geschafft."

Keine Ausreden.

Kein Wahlbetrug.

Keine verschwundenen Stimmzettel.

Keine geheimnisvollen Wahlkobolde.

Einfach:

"Es war ein hartes Rennen."

Das verdient Respekt.

Auch wenn ich zugeben muss, dass ich innerlich auf eine etwas dramatischere Pressekonferenz gehofft hatte.

Thomas J. Smith dagegen musste wahrscheinlich zuerst einmal feststellen, dass er überhaupt gewonnen hatte.

Ich stelle mir sein Telefon vor.

Klingel.

"Herzlichen Glückwunsch."

"Wozu?"

"Zur Nominierung."

"Welche Nominierung?"

"Na Ihre."

"Aber ich bin doch ausgestiegen."

"Nicht ausreichend."

Fantastisch.

Politik ist manchmal wirklich effizient.

Man gewinnt sogar noch während der politischen Rente.

Natürlich kündigte Smith sofort an, wieder einzusteigen.

Das hätte ich auch getan.

Wenn mich plötzlich hunderttausende Menschen wählen, obwohl ich gar keinen Wahlkampf mehr führe...

...würde ich zumindest höflich nachfragen, ob das wirklich ernst gemeint war.

Jetzt tritt er gegen die Demokratin Kristen McDonald Rivet an.

Und plötzlich ist aus einem ehemaligen Rückkehrer wieder ein Spitzenkandidat geworden.

Hollywood könnte sich davon eine Scheibe abschneiden.

Selbst dort wirken manche Drehbücher weniger überraschend.

Besonders faszinierend finde ich aber die Symbolik.

Donald Trump hatte Amir Hassan ausdrücklich gelobt.

Held der Marine.

Bundespolizist.

Kämpfer.

Patriot.

Alles vorhanden.

Eigentlich fehlte nur noch ein Weißkopfseeadler mit Feuerwerk im Hintergrund.

Doch die Wähler entschieden sich trotzdem anders.

Nicht gegen Donald Trump.

Nicht unbedingt gegen Hassan.

Sondern offenbar für jemanden, der gar nichts mehr tat.

Das ist Wahlkampf der neuen Generation.

Andere investieren Millionen in Werbung.

Smith investierte hauptsächlich in Abwesenheit.

Vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept.

Keine Talkshows.

Keine Plakate.

Keine Interviews.

Keine peinlichen Versprecher.

Man kann schließlich kaum Fehler machen...

...wenn man gar nicht mehr aktiv kandidiert.

Liebe Freunde,

Michigan hat der amerikanischen Politik eine neue Strategie geschenkt.

Sie lautet:

"Wer nichts macht, macht wenigstens nichts falsch."

Ich sehe bereits Berater in Washington hektisch Notizen machen.

"Wahlkampfkosten senken."

"Keine Termine."

"Keine Interviews."

"Nicht stören."

Vielleicht erleben wir bald den ersten Kandidaten, der seine gesamte Kampagne aus dem Urlaub führt.

Mit automatischer Abwesenheitsnotiz.

"Vielen Dank für Ihre Nachricht.

Ich kandidiere derzeit nicht.

Falls Sie mich trotzdem wählen möchten, drücken Sie bitte die Eins."

Und ganz ehrlich?

Nach dieser Vorwahl würde mich selbst das nicht mehr überraschen.

Denn Michigan hat bewiesen, dass in der Demokratie manchmal die unglaublichsten Geschichten geschrieben werden.

Nicht der lauteste gewinnt.

Nicht immer der Prominenteste.

Und manchmal nicht einmal derjenige, der überhaupt noch mitspielen wollte.

Ich werde diese Wahl jedenfalls nie vergessen.

Denn sie liefert eine historische Erkenntnis:

Selbst Donald Trumps berühmter politischer Daumen ist stark.

Aber gelegentlich ist der Stimmzettel noch ein kleines bisschen eigensinniger.

Und genau deshalb bleibt Demokratie manchmal die beste Satireautorin der Welt.

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Tags: Donald Trump Republikaner US Zwischenwahlen Michigan Vorwahl Amir Hassan Thomas J. Smith
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