RT
Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Das Badezimmer-Kabinett – Wenn Demokratie im Bademantel tagt

Grafik: Demokratie im Badezimmer

Eine Stadtratssitzung in Neuseeland wird unfreiwillig zum Internet-Hit: Eine Politikerin schaltet sich aus dem Badezimmer zu, die Kamera zeigt mehr Wäsche als Politik – und eine geheimnisvolle Gestalt sorgt für zusätzliche Spekulationen. Ronald Tramp berichtet exklusiv aus der wohl saubersten Videokonferenz der Welt.

EoT - Banner 003Partnerlink

Liebe Freunde,

die Digitalisierung sollte unser Leben einfacher machen.

Schneller.

Moderner.

Professioneller.

Stattdessen hat sie uns etwas ganz anderes geschenkt.

Videokonferenzen.

Diese wunderbare Erfindung, bei der niemand jemals überprüft, was eigentlich hinter ihm passiert.

Und genau deshalb liebe ich Videokonferenzen.

Sie sind wie Reality-TV.

Nur mit Tagesordnung.

Diesmal führt uns die Reise nach Dunedin in Neuseeland.

Dort tagte der Stadtrat.

Eigentlich.

Denn aus einer gewöhnlichen Sitzung wurde plötzlich eine internationale Komödie.

Eine Kommunalpolitikerin schaltete sich aus ihrem Badezimmer zu.

Ja.

Dem Badezimmer.

Nicht aus dem Büro.

Nicht aus dem Rathaus.

Nicht aus dem Homeoffice.

Sondern aus dem Raum, in dem normalerweise Zahnbürsten, Handtücher und Shampoo die politische Mehrheit besitzen.

Ich musste sofort an moderne Arbeitsmodelle denken.

Homeoffice ist offenbar längst Vergangenheit.

Jetzt beginnt das...

Bathoffice.

Fantastisch.

Während die Sitzung lief, meldete sich Bürgermeisterin Sophie Barker höflich zu Wort.

"Vielleicht sollten Sie Ihre Kamera etwas anders ausrichten."

Eine Formulierung von beeindruckender Diplomatie.

Denn der eigentliche Satz lautete vermutlich innerlich:

"Warum sehen wir Ihren Wäschekorb?"

Ich finde das großartig.

Früher mussten Politiker ihre schmutzige Wäsche mühsam verstecken.

Heute präsentiert sie sich ganz von allein in HD.

Digitalisierung.

Ein echter Fortschritt.

Doch damit war das Spektakel noch längst nicht beendet.

Plötzlich tauchte hinter einer Tür im Hintergrund eine dunkle Gestalt auf.

Nur kurz.

Ein Schatten.

Ein Mensch.

Vielleicht.

Sofort begann natürlich das Internet zu arbeiten.

Das Internet arbeitet nämlich niemals.

Es spekuliert.

War es ein Familienmitglied?

Ein Mitbewohner?

Ein Handwerker?

Der Geist vergangener Stadtratssitzungen?

Oder lediglich jemand, der verzweifelt seine Zahnbürste suchte?

Niemand weiß es.

Aber genau deshalb existieren inzwischen vermutlich bereits 400 YouTube-Videos mit roten Kreisen und Pfeilen.

Titel:

"Sie werden NICHT glauben, wer hinter der Badezimmertür auftauchte!!!"

Mit drei Ausrufezeichen.

Mindestens.

Ich stelle mir die eigentliche Sitzung vor.

Thema eins:

Haushaltsplanung.

Thema zwei:

Verkehr.

Thema drei:

Warum hängt dort ein Bademantel?

Fantastisch.

Dabei ist Dunedin keineswegs Anfänger auf diesem Gebiet.

Bereits im Jahr 2020 sorgte derselbe Stadtrat für Schlagzeilen.

Damals putzte ein Ratsmitglied während einer Zoom-Sitzung sein Büro.

Mit nackten Beinen.

Ich muss sagen:

Diese Stadt entwickelt langsam eine bemerkenswerte Tradition.

Andere Kommunen bauen Brücken.

Dunedin produziert Videokonferenz-Klassiker.

Falls das so weitergeht, gibt es dort bald ein eigenes Museum.

"Galerie historischer Zoom-Pannen."

Raum eins:

Die berühmte Badezimmer-Konferenz.

Raum zwei:

Die legendären nackten Beine.

Raum drei:

Interaktive Kameraeinstellungen für Anfänger.

Natürlich frage ich mich inzwischen, ob Videokonferenzen überhaupt jemals normal verlaufen.

Irgendwo bellt immer ein Hund.

Irgendwo schreit ein Kind.

Irgendwo läuft jemand im Schlafanzug durchs Bild.

Und mindestens ein Teilnehmer sagt grundsätzlich:

"Sie sind stumm."

Ich bin überzeugt:

Dieser Satz wurde inzwischen häufiger ausgesprochen als "Guten Morgen".

Besonders faszinierend finde ich allerdings die Gelassenheit.

Niemand brach die Sitzung ab.

Niemand rief den Datenschutz.

Niemand eröffnete eine Untersuchungskommission für Handtuchpositionierung.

Man machte einfach weiter.

Professionell.

Zumindest so professionell, wie man eben sein kann, wenn hinter einem gerade Waschmittel und Badetücher demokratische Kulisse spielen.

Ich stelle mir bereits zukünftige Kommunalpolitik vor.

Warum überhaupt noch Sitzungssäle?

Der Bürgermeister tagt aus der Küche.

Der Kämmerer aus der Garage.

Das Bauamt direkt vom Baumarkt.

Der Umweltdezernent sitzt im Gewächshaus.

Und der Ordnungsdezernent meldet sich aus der Warteschlange beim Bürgeramt.

Effizient.

Kostensparend.

Und äußerst unterhaltsam.

Vielleicht entstehen sogar neue Benimmregeln.

Vor jeder Sitzung heißt es künftig:

"Kamera prüfen."

"Mikrofon prüfen."

"Hintergrund prüfen."

"Bitte kontrollieren Sie, ob keine geheimnisvollen Gestalten durchs Bild laufen."

Das wäre vermutlich die wichtigste Neuerung der Geschäftsordnung.

Und Hand aufs Herz:

Wir alle kennen diesen Moment.

Man glaubt, die Kamera sei aus.

Man steht auf.

Man holt Kaffee.

Oder man beginnt plötzlich mit völlig anderen Dingen.

Videokonferenzen besitzen nämlich eine magische Eigenschaft.

Sie schaffen es, aus völlig normalen Menschen innerhalb weniger Sekunden unfreiwillige Internetstars zu machen.

Liebe Freunde,

am Ende zeigt diese Geschichte vor allem eines:

Technik verbindet Menschen.

Manchmal sogar etwas zu intensiv.

Früher wusste niemand, welche Tapete ein Stadtrat besitzt.

Heute kennt das Internet Badezimmer, Wäscheständer und vermutlich sogar die bevorzugte Weichspülermarke.

Das nennt man Transparenz.

Ich freue mich deshalb schon auf die nächste Sitzung in Dunedin.

Vielleicht findet sie diesmal aus der Küche statt.

Oder aus dem Garten.

Oder direkt aus der Waschküche.

Denn eines ist sicher:

Politische Entscheidungen kommen und gehen.

Aber Videokonferenz-Pannen...

...bleiben für immer.

Und irgendwo sitzt bereits der nächste Teilnehmer, schaut zufrieden in die Kamera und sagt:

"Keine Sorge.

Mein Hintergrund ist perfekt."

Genau in diesem Moment läuft wahrscheinlich die Katze durchs Bild.

Fantastisch.

Wirklich fantastisch.

Dixxu - Banner 002Partnerlink
Tags: Kommunalpolitik Zoom Neuseeland Videokonferenz Dunedin Badezimmer
a
Das könnte dich auch interessieren
Das größte Download-Abenteuer aller Zeiten endet im Upload zum Gericht!
Ronald Tramp: Wenn Rathäuser zu Eventagenturen werden
Der Bürgermeister, der nicht kandidierte
Der große Kostenbescheid-Komplex
‹ Vorheriger
Der Kandidat, der gar nicht gewinnen wollte – und trotzdem g…
Verpasse keine Enthüllung!
Abonniere meinen Newsletter und erhalte die Wahrheit regelmäßig – direkt und ungefiltert.