Jahrelang galt Kim Dotcom als unantastbarer König der Downloads. Nun wird der juristische Speicherplatz immer kleiner. Ronald Tramp berichtet über den wohl längsten Ladebalken der Rechtsgeschichte – mit maximal satirischer Bandbreite.
Meine Damen und Herren...
Es gibt Geschichten...
...die laden einfach nie fertig.
Man kennt das.
99 Prozent.
99 Prozent.
99 Prozent.
Und plötzlich...
Fehler bei der Verbindung.
Genau so fühlt sich inzwischen die Geschichte rund um Kim Dotcom an.
Seit gefühlt drölfzig Jahren läuft dieses Verfahren.
Gerichte.
Berufungen.
Anträge.
Neue Anträge.
Noch mehr Anträge.
Irgendwann dachte ich ernsthaft, Windows Update wäre schneller.
Und das will wirklich etwas heißen.
Nun hat wieder ein Gericht entschieden.
Wieder verloren.
Noch ist nicht alles vorbei.
Es gibt noch das Oberste Gericht.
Natürlich.
Denn in dieser Geschichte gibt es offenbar mehr Level als in einem Videospiel.
Ich stellte mir den Gerichtssaal vor.
Richter:
"Herr Dotcom..."
"Ja?"
"Sie legen erneut Berufung ein?"
"Natürlich."
"Warum?"
"Ich habe schließlich unbegrenztes Datenvolumen."
Fantastisch.
Meine Damen und Herren...
Kim Dotcom.
Allein der Name klingt bereits wie eine Internetverbindung aus den frühen 2000ern.
Damals war das Internet noch wild.
Jeder hatte mindestens drei Toolbars im Browser.
Pop-ups explodierten überall.
Musik wurde in MP3 heruntergeladen.
Und irgendwo stand immer jemand auf, der sagte:
"Ich kenne da eine Seite..."
Diese Seite hieß irgendwann:
Megaupload.
Der Name war Programm.
Mega.
Upload.
Damals fühlte sich das Internet an wie ein riesiger Flohmarkt.
Jeder brachte irgendetwas mit.
Filme.
Musik.
Serien.
Dateien.
Manchmal wusste niemand mehr so genau...
...wem eigentlich was gehörte.
Ich warte bis heute darauf, dass jemand behauptet:
"Ich habe versehentlich einen ganzen Hollywood-Film hochgeladen."
Passiert bestimmt.
Natürlich sehen die amerikanischen Behörden das alles etwas weniger romantisch.
Dort stehen Begriffe wie Urheberrechtsverletzung.
Betrug.
Geldwäsche.
Sehr ernsthafte Vorwürfe.
Kim Dotcom weist sie zurück.
Darüber entscheiden Gerichte.
Nicht Ronald Tramp.
Ich kümmere mich lieber um die wirklich wichtigen Fragen.
Zum Beispiel:
Wie groß muss eigentlich ein Papierordner sein, der dieses Verfahren komplett enthält?
Ich vermute...
...größer als die ursprünglichen Server von Megaupload.
Irgendwo sitzt vermutlich ein Praktikant.
Aufgabe:
"Druck bitte alle Akten aus."
"Alle?"
"Ja."
"Darf ich vorher in Rente gehen?"
Ich liebe Bürokratie.
Sie produziert Dokumente schneller als Drucker Papierstaus.
Besonders faszinierend finde ich die Zeitspanne.
Megaupload wurde 2012 abgeschaltet.
Wir schreiben inzwischen viele Jahre später.
In dieser Zeit wurden Smartphones komplett neu erfunden.
Streamingdienste entstanden.
Künstliche Intelligenz diskutiert inzwischen mit Menschen.
Und dieses Verfahren lädt immer noch.
Wenn Netflix so arbeiten würde, erschiene Staffel zwei vermutlich im Jahr 2047.
Natürlich verändert sich auch das Internet.
Früher wollten alle alles herunterladen.
Heute will niemand mehr Dateien besitzen.
Heute heißt es:
"Streamen."
Morgen heißt es wahrscheinlich:
"Telepathisch abonnieren."
Das Internet entwickelt sich schneller als jede Gesetzessammlung.
Ich stelle mir vor, wie jemand 2005 erklärt:
"Eines Tages bezahlen Menschen jeden Monat dafür, Musik gar nicht mehr herunterzuladen."
Damals hätte vermutlich jeder gelacht.
Heute machen es alle.
So schnell ändern sich Zeiten.
Auch die Gerichtsverfahren wirken manchmal wie Software.
Version 1.
Version 2.
Berufung.
Update.
Patch.
Bugfix.
Nächstes Gericht.
Neuer Download.
Neue Fehlermeldung.
Ich schlage deshalb vor, juristische Verfahren künftig mit Ladebalken auszustatten.
Auslieferungsverfahren: 97 % abgeschlossen.
Verbleibende Zeit:
Unbekannt.
Das kennt schließlich jeder Computer.
Besonders herrlich stelle ich mir Pressekonferenzen vor.
Reporter:
"Wie ist der aktuelle Stand?"
Antwort:
"Wir prüfen."
"Wie lange?"
"So lange wie nötig."
Das klingt ungefähr wie jede Hotline.
Ich glaube ohnehin, dass Computerprogramme und Gerichte heimlich dieselben Formulierungen benutzen.
"Bitte warten."
"Der Vorgang wird bearbeitet."
"Unterbrechen Sie den Prozess nicht."
Sehr beruhigend.
Natürlich bleibt eines festzuhalten.
Das Verfahren ist juristisch komplex und läuft seit vielen Jahren.
Mehrere Gerichte haben sich damit beschäftigt.
Weitere Rechtsmittel stehen teilweise noch offen.
Über Schuld oder Unschuld entscheidet letztlich das zuständige Gericht.
Nicht Schlagzeilen.
Nicht soziale Netzwerke.
Und schon gar nicht Ronald Tramp.
Ich bin schließlich nur der Mann, der sich wundert, wie lange ein Verfahren dauern kann.
Meine Damen und Herren...
Vielleicht steckt hinter all dem eine viel größere Wahrheit.
Vielleicht ist Kim Dotcom gar kein Mensch.
Vielleicht ist er...
...der personifizierte Download-Fortschrittsbalken.
Immer kurz vor dem Ende.
Und doch nie ganz fertig.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich sage Ihnen:
Falls dieses Verfahren irgendwann tatsächlich abgeschlossen wird...
...dürfte das Internet wahrscheinlich schon wieder komplett anders aussehen.
Und irgendwo fragt dann ein Teenager:
"Was war eigentlich ein Download?"
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Ronald Tramp: Kim Dotcom und der längste Download
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