Während Cristiano Ronaldo mit 41 Jahren noch Weltmeister werden möchte, verabschiedet Luka Modrić sich von der großen WM-Bühne. Spanien marschiert wie eine perfekt programmierte Fußballmaschine weiter – und beim DFB läuft inzwischen das traditionelle Nach-WM-Ritual: Krisensitzungen, Rücktrittsfristen und Trainerkarussell. Ronald Tramp hat alle Dramen exklusiv analysiert.
Meine großartigen Freunde,
was für eine Nacht.
Ich habe schon vieles gesehen.
Elfmeterschießen.
Eigentore.
VAR-Entscheidungen, die länger dauern als ein Berliner Flughafenbau.
Aber was sich diesmal abgespielt hat?
Unglaublich.
Es war Fußball.
Es war Drama.
Es war Hollywood.
Und mittendrin natürlich Cristiano Ronaldo.
Mit 41 Jahren!
Ein Alter, in dem normale Fußballer längst Fußballschuhe gegen Gartenpantoffeln tauschen und im Fernsehen erklären, wie man "moderne Spielermentalität" versteht.
Nicht Ronaldo.
Der Mann läuft immer noch herum wie ein Werbespot für ewige Jugend.
Ich sage euch:
Irgendwo besitzt dieser Mann wahrscheinlich einen geheimen Akku.
Vielleicht wird er nachts über USB-C geladen.
Anders ist das nicht zu erklären.
Der Kampf der Fußball-Dinosaurier
Portugal gegen Kroatien.
Ronaldo gegen Modrić.
Das war weniger ein Achtelfinalspiel als vielmehr ein Gipfeltreffen zweier lebender Fußball-Museen.
Und was für Museen!
Während andere Spieler mit 40 ihre Knie nur noch aus Nostalgie bewegen, dirigieren diese beiden noch komplette Nationalmannschaften.
Modrić verteilte Pässe.
Ronaldo verteilte Drohungen an jede gegnerische Abwehr.
Fantastisch.
Natürlich durfte auch der VAR wieder auftreten.
Ich nenne ihn inzwischen den wichtigsten Spieler jeder Weltmeisterschaft.
Früher brauchte man Schiedsrichter.
Heute braucht man:
- zwölf Kameras,
- drei Computer,
- vier Zeitlupen,
- einen Kaffee,
- und einen Mann, der irgendwo in einem klimatisierten Keller fünf Minuten lang Linien malt.
Erst dann weiß man, ob jemand einen großen Zeh im Abseits hatte.
Großartige Entwicklung.
Ronaldos erster Jubel?
Abseits.
Der zweite?
Elfmeter.
Natürlich nach Videobeweis.
Mittlerweile dauert ein Tor fast genauso lange wie eine Netflix-Miniserie.
Die Nachspielzeit war länger als manche Regierungskoalition
Früher bedeuteten fünf Minuten Nachspielzeit:
"Noch einmal alles nach vorne."
Heute?
Dreizehn Minuten.
Dreizehn!
Die Nachspielzeit entwickelt sich langsam zu einer eigenen Halbzeit.
Kinder beginnen das Spiel in der Grundschule und erleben den Abpfiff als Studenten.
Ich fordere deshalb klare Regeln.
Ab zehn Minuten Nachspielzeit muss der Schiedsrichter eine Trinkpause, einen Wetterbericht und eine Steuererklärung anbieten.
Alles andere ist unfair.
Ronaldo zitterte. Ganz Portugal gleich mit.
Als Gonçalo Ramos schließlich traf, bebte das Stadion.
Als Kroatien Sekunden später vermeintlich ausglich...
...kam wieder der VAR.
Natürlich.
Ich glaube inzwischen, der VAR überprüft sogar Geburtstage.
"Moment, wir schauen noch einmal nach, ob der Spieler wirklich heute Geburtstag hat."
Und tatsächlich.
Abseits.
Diesmal wegen einer Haarspitze.
Einer Haarspitze!
Früher entschied der Fuß.
Heute entscheidet die Frisur.
Der Friseur ist inzwischen wichtiger als der Co-Trainer.
Spanien spielt Fußball wie ein Betriebssystem
Während Portugal Herzinfarkt-Fußball spielte, marschierte Spanien durch das Turnier wie eine Software mit automatischen Updates.
3:0 gegen Österreich.
Kein Zittern.
Keine Hektik.
Keine Diskussion.
Spanien spielt inzwischen so kontrolliert Fußball, dass selbst ihre Balljungen taktisch perfekt positioniert wirken.
Hinten steht Unai Simón.
Seit gefühlten drei Weltmeisterschaften kassiert dieser Mann kein Gegentor mehr.
Ich bin nicht sicher, ob überhaupt jemand weiß, wie sein Tornetz aussieht.
Vielleicht ist dort inzwischen ein kleiner Garten entstanden.
Österreich kämpfte tapfer... ungefähr zwanzig Minuten
Ralf Rangnick hatte natürlich einen Plan.
Er hat immer einen Plan.
Manchmal sogar drei.
Leider hatte Spanien ungefähr sieben bessere.
Österreich begann mutig.
Dann kam Spanien.
Dann kam noch einmal Spanien.
Dann kam Cucurella.
Dann Oyarzabal.
Dann Porro.
Dann war das Spiel eigentlich vorbei.
Die Spanier spielen Pässe inzwischen mit einer Selbstverständlichkeit, als hätten sie WLAN zwischen den Fußballschuhen.
Der Ball verschwindet.
Taucht wieder auf.
Niemand weiß wo.
Außer die Spanier.
Und dann kommen wir zum DFB...
Ah.
Der DFB.
Meine Lieblings-Comedyserie.
Alle zwei Jahre erscheint eine neue Staffel.
Titel diesmal:
"Wer fliegt diesmal zuerst?"
Julian Nagelsmann fährt nach Frankfurt.
Dreieinhalb Stunden Analyse.
Dreieinhalb!
Das klingt weniger nach Fußball als nach einer Steuerprüfung.
Ich stelle mir das ungefähr so vor:
"Minute 14."
"Warum?"
"Minute 38."
"Erklären Sie."
"Minute 71."
"Noch einmal langsam."
Nach drei Stunden kennt wahrscheinlich jeder den Rasen persönlich.
Die Rücktrittsfrist
Besonders fantastisch finde ich die neue Idee.
"Du kannst freiwillig zurücktreten."
Natürlich.
Bis Montag.
Das ist ungefähr so freiwillig wie:
"Sie dürfen wählen, ob Sie springen oder geschubst werden."
Großartige Verhandlungstaktik.
Millionenvertrag.
Rücktritt.
Abfindung.
Aufsichtsrat.
Analyse.
Kommission.
Arbeitskreis.
Ich bin überzeugt:
Beim DFB gibt es mittlerweile mehr Sitzungen als Torchancen.
Klopp wartet irgendwo im Hintergrund
Und während alle diskutieren...
...sitzt Jürgen Klopp gemütlich bei der WM.
Er analysiert Spiele.
Lächelt.
Trinkt wahrscheinlich einen Kaffee.
Und jedes Mal, wenn irgendwo ein DFB-Funktionär hustet, beginnen hundert Journalisten gleichzeitig zu schreiben:
"Klopp übernimmt?"
Ich glaube mittlerweile, Klopp könnte im Supermarkt Kartoffeln kaufen und sofort gäbe es Eilmeldungen.
Portugal lebt.
Ronaldo altert offenbar rückwärts.
Modrić verabschiedet sich als Legende.
Spanien spielt Fußball wie ein Schweizer Uhrwerk auf Espresso.
Österreich entdeckt, dass Ballbesitz des Gegners erstaunlich anstrengend sein kann.
Und beim DFB?
Dort läuft die wohl traditionsreichste deutsche Turnierdisziplin:
Nach dem Ausscheiden wird nicht der Pokal analysiert.
Nicht der Gegner.
Nicht die Taktik.
Sondern zuerst die Frage:
Wer räumt als Erster seinen Schreibtisch?
Ich sage euch:
Andere Nationen sammeln Tore.
Deutschland sammelt Krisengipfel.
Und darin sind wir inzwischen tatsächlich Weltmeister.
Fantastisch.
Die nächste Pressekonferenz dürfte spannender werden als manches Halbfinale.
Ich bleibe selbstverständlich dran.
Denn niemand berichtet größer.
Niemand dramatischer.
Und ganz sicher niemand mit besseren Analysen zwischen Elfmeterpunkt, Videobeweis und DFB-Konferenzraum.
Ich bin Ronald Tramp. Und ich sage: Beim Fußball ist inzwischen alles möglich – außer einer ruhigen Woche beim Deutschen Fußball-Bund.

