Zwei Linienbusse verschwinden nachts von einem Betriebshof in Hameln und tauchen Stunden später in der Region Hannover wieder auf – unbeschädigt, aber ohne Fahrer. Ronald Tramp rekonstruiert Niedersachsens geheimnisvollste Nachtlinie: ohne Fahrplan, ohne Ticket und offenbar ohne Endhaltestelle.
Liebe Freunde,
Deutschland diskutiert seit Jahren über die Verkehrswende.
Deutschland möchte Menschen aus dem Auto holen.
Deutschland möchte mehr öffentlichen Nahverkehr.
Deutschland möchte Busse attraktiver machen.
Und jetzt kommen offenbar ein paar unbekannte Personen aus Niedersachsen und sagen:
„Kein Problem. Wir nehmen gleich zwei.“
Das nenne ich Engagement!
Ich bin Ronald Tramp, internationaler Spitzenreporter, Mobilitätsexperte und vermutlich der einzige Mensch, der morgens um sechs einen Linienbus in einer Sackgasse sieht und zunächst denkt:
„Interessante Streckenführung.“
Denn in Hameln ereignete sich eine Geschichte, die so fantastisch ist, dass selbst die Gebrüder Grimm gesagt hätten:
„Leute, bisschen realistischer bitte.“
Die Nachtlinie ins Nirgendwo
Es ist Nacht.
Hameln schläft.
Die Straßen sind ruhig.
Auf einem Betriebsgelände stehen Linienbusse.
Groß.
Schwer.
Unauffällig wie ein Reihenhaus mit Rädern.
Und gegen 1.15 Uhr verlassen plötzlich zwei davon das Gelände.
Offenbar ohne offiziellen Auftrag.
Keine normale Linie.
Kein Nachtbus.
Kein Schienenersatzverkehr.
Einfach:
Abfahrt!
Meine Freunde, einen Linienbus klaut man nicht spontan.
Niemand läuft nachts nach Hause, sieht einen Bus und denkt:
„Mist, mein Fahrrad ist weg. Nehme ich eben den Gelenkbus.“
Das ist ein Fahrzeug, bei dem selbst die Parkplatzsuche strategische Planung erfordert.
Zwei Busse!
Und es war nicht nur einer.
Zwei.
Das macht die Geschichte noch spektakulärer.
Denn für einen Bus braucht man einen Menschen mit einer sehr speziellen Vorstellung von spontaner Mobilität.
Für zwei Busse braucht man Teamarbeit.
Ich stelle mir die Unterhaltung vor:
„Was machen wir heute?“
„Kino?“
„Zu spät.“
„Bowling?“
„Geschlossen.“
„Zwei Linienbusse?“
„Perfekt.“
Das ist Niedersachsen.
Andere Menschen bestellen nachts Pizza.
Hier bestellt man offenbar gleich den gesamten ÖPNV.
Die große Niedersachsen-Tour
Die Busse fuhren laut Polizei bis in die Region Hannover.
Einer tauchte am Morgen in Barsinghausen auf.
Der andere landete im Wunstorfer Ortsteil Luthe.
Und zwar:
in einer Sackgasse.
Das ist großartig.
Ein Linienbus in einer Sackgasse ist die automobile Version von:
„Wir haben die Planung möglicherweise nicht vollständig abgeschlossen.“
Vielleicht lief die Navigation so:
„In 300 Metern rechts abbiegen.“
Bus:
BRUMM.
„Sie haben Ihr Ziel erreicht.“
Fahrer:
„Das glaube ich nicht.“
Dann steht dort morgens ein Anwohner.
Kaffee in der Hand.
Blick aus dem Fenster.
Und da steht plötzlich ein Linienbus.
Keine Haltestelle.
Keine Fahrgäste.
Keine Erklärung.
Nur ein Bus.
Ich hätte sofort meine Fahrkarte herausgeholt.
Man weiß ja nie.
Die Fahrer: verschwunden
Gegen 6.20 Uhr wurde der abgestellte Bus gemeldet.
Von den unbekannten Fahrern fehlte offenbar jede Spur.
Das bedeutet:
Sie haben den Bus nicht einmal behalten.
Keine Verkaufsanzeige.
Keine Ersatzteilgewinnung.
Keine Umrüstung zum Wohnmobil.
Offenbar einfach eine Spritztour.
Mit einem Linienbus.
Das ist bemerkenswert.
Eine Spritztour macht man normalerweise mit einem Cabrio.
Vielleicht Motorrad.
Vielleicht einem Sportwagen.
Aber Linienbus?
Das ist ungefähr so, als würde jemand für einen romantischen Segelausflug die Fähre nach Helgoland entwenden.
Und beschädigt wurde offenbar nichts
Jetzt kommt der erstaunlichste Teil:
An den Fahrzeugen wurden nach Polizeiangaben keine Beschädigungen festgestellt.
Meine Freunde, das ist fast schon höflicher Busdiebstahl.
Die Täter haben offenbar gesagt:
„Wir nehmen die Fahrzeuge unerlaubt mit, aber wir sind doch keine Barbaren.“
Vielleicht wurden sie sogar vollgetankt.
Scheiben gereinigt.
Mülleimer geleert.
„Vielen Dank für die Nutzung. War sehr angenehm. Bremsen funktionieren hervorragend.“
Natürlich bleibt der unbefugte Gebrauch eines Kraftfahrzeugs trotzdem eine Straftat.
Aber aus Sicht des Kundenservice:
Vier Sterne.
Ein Stern Abzug wegen fehlender Rückgabe am ursprünglichen Standort.
Doch die Busse hatten einen kleinen Verräter eingebaut
GPS.
Oh ja.
Die Fahrzeuge verfügten über Ortungstechnik.
Dadurch konnten die zurückgelegten Strecken nachträglich nachvollzogen werden.
Das gefällt mir besonders.
Die unbekannten Fahrer verschwinden.
Aber die Busse haben praktisch ein digitales Tagebuch geführt.
„01:15 Uhr: Betriebshof verlassen.“
„02:03 Uhr: Irgendwo abgebogen.“
„03:47 Uhr: Fahrer scheint keine Ahnung zu haben.“
„06:20 Uhr: Sackgasse. Mission beendet.“
Google Maps würde wahrscheinlich daraus sofort eine neue Route machen:
Hameln – Barsinghausen – Luthe, landschaftlich reizvoll, Maut vermeiden.
Die Mitarbeiter holen ihre Busse zurück
Später kamen Mitarbeiter der Busunternehmen und holten die Fahrzeuge wieder ab.
Ich stelle mir diesen Arbeitstag fantastisch vor.
Chef:
„Guten Morgen.“
Mitarbeiter:
„Morgen.“
„Bus 17 steht in Barsinghausen.“
„Warum?“
„Keine Ahnung.“
„Und Bus 24?“
„Sackgasse in Luthe.“
„Warum?“
„Auch keine Ahnung.“
„Kannst du sie holen?“
Deutschland.
Montagmorgengefühl, nur mitten in der Woche.
Ronald Tramp fordert Konsequenzen
Ich glaube, wir müssen den öffentlichen Nahverkehr neu denken.
Offenbar existiert eine Nachfrage nach Do-it-yourself-Busverkehr.
Vielleicht ist das die Zukunft:
Carsharing war gestern.
Jetzt kommt:
BUSSHARING.
App öffnen.
Bus auswählen.
„Möchten Sie Kleinwagen, Transporter oder zwölf Meter Niederflur mit 75 Fahrgastplätzen?“
Klick.
„Ihr Bus steht auf Betriebshof 3.“
Natürlich nicht wirklich.
Denn ein Linienbus ist kein Leihfahrrad und ein Betriebshof kein Selbstbedienungsladen.
Aber diese Geschichte beweist, dass manche Menschen beim Thema Mobilität offenbar außerordentlich kreativ werden, sobald es dunkel wird.
Das große Rätsel bleibt
Die Polizei ermittelt nun wegen unbefugten Gebrauchs von Kraftfahrzeugen.
Außerdem soll geklärt werden, ob dieselben Personen beide Fahrzeuge bewegt haben.
Das ist tatsächlich eine spannende Frage.
Waren es zwei Fahrer?
Mehrere Personen?
Gab es einen Plan?
Warum zwei Busse?
Warum diese Strecken?
Und vor allem:
Warum eine Sackgasse?
Ronald Tramp fordert deshalb vollständige Aufklärung.
Ich möchte die gesamte Route.
Ich möchte wissen, ob unterwegs Haltestellen angefahren wurden.
Ich möchte wissen, ob jemand versehentlich eingestiegen ist.
Stellen Sie sich vor:
Sie warten nachts an einer Haltestelle.
Bus kommt.
Sie steigen ein.
„Fährt der zum Bahnhof?“
Fahrer:
„Keine Ahnung, wir haben ihn erst seit 20 Minuten.“
Das wäre möglicherweise der ehrlichste Nahverkehrsdialog des Jahres.
Niedersachsen schreibt Verkehrsgeschichte
Fest steht:
Zwei Busse verschwinden nachts in Hameln.
Sie fahren durch Niedersachsen.
Einer landet in Barsinghausen.
Einer in Luthe.
Niemand weiß bislang, wer gefahren ist.
Die Fahrzeuge bleiben offenbar heil.
GPS zeichnet alles auf.
Und am Ende holt das Unternehmen seine Busse wieder zurück.
Das ist kein gewöhnlicher Polizeibericht.
Das ist eine Roadmovie-Komödie.
„Fast & Furious 14 – Niedersachsen Drift.“
Nur langsamer.
Sehr viel langsamer.
Mit Haltewunschtaste.
Ich bin Ronald Tramp.
Und falls Sie demnächst nachts einen herrenlosen Linienbus in Ihrer Straße entdecken:
Bitte nicht einsteigen.
Auch wenn die Tür aufgeht.
Und vor allem:
Der Fahrer hat möglicherweise gerade Feierabend gemacht, obwohl er dort überhaupt nicht arbeitet.

