Haushaltsanhörungen sind wichtig, demokratisch – und offenbar eine hervorragende Gelegenheit, Freunden mitzuteilen, wie sterbenslangweilig der eigene Job ist. Ronald Tramp berichtet über Mark Parton, eine bemerkenswerte SMS, ein zunächst ebenso bemerkenswertes Dementi und die Erkenntnis, dass selbst Politik manchmal dringend einen Pausenclown braucht.
Liebe Freunde,
ich habe heute eine Geschichte aus Australien für Sie.
Großartiges Land.
Kängurus.
Koalas.
Opernhaus.
Und jetzt möglicherweise die ehrlichste Stellenbewertung der politischen Geschichte.
Der liberale Oppositionspolitiker Mark Parton saß nämlich bei einer Haushaltssitzung in Canberra.
Haushalt!
Budget!
Zahlen!
Tabellen!
Ausgaben!
Einnahmen!
Das ganze erotische Feuerwerk moderner Demokratie.
Und während vermutlich jemand erklärte, warum Haushaltsposition 17.4.2b gegenüber dem Vorjahr inflationsbereinigt um 0,8 Prozent angepasst werden müsse, soll Parton sein Handy genommen und sinngemäß die vielleicht wichtigste politische Botschaft Australiens verschickt haben:
Mein Job ist langweilig.
Fantastisch!
Endlich Ehrlichkeit in der Politik.
Andere Politiker sagen:
"Ich empfinde mein Mandat als Privileg."
Parton offenbar:
"Kann bitte irgendjemand etwas Interessantes machen?"
Ich verstehe das.
Haushaltsanhörungen können lang sein.
Sehr lang.
So lang, dass möglicherweise sogar die Uhr irgendwann fragt:
"Sind wir bald fertig?"
Doch Parton beließ es laut Berichten nicht bei einer kleinen privaten Nachricht. Die Canberra Times berichtete, die SMS sei zusammen mit einem Foto des Sitzungsraums an eine Sexarbeiterin gegangen.
Und jetzt beginnt der wirklich politische Teil der Geschichte.
Denn Parton bestritt zunächst offenbar, überhaupt eine solche Nachricht verschickt zu haben.
Großartig.
Das klassische politische Verteidigungssystem besitzt nämlich mehrere Stufen.
Stufe eins:
"Das habe ich niemals gesagt."
Stufe zwei:
"Okay, ich habe es gesagt."
Stufe drei:
"Aber völlig anders."
Stufe vier:
"Und außerdem machen das alle."
Das ist keine Kommunikationsstrategie.
Das ist politisches Judo.
Parton räumte schließlich ein, die Nachricht geschrieben zu haben, bestritt aber, sie an eine Sexarbeiterin geschickt zu haben.
An wen dann?
Privat.
Das verriet er nicht.
Und hier muss ich sagen:
Mysteriös!
Vielleicht ging sie an seinen Zahnarzt.
Vielleicht an seinen Nachbarn.
Vielleicht an einen Freund.
Vielleicht an jemanden, der dringend wissen musste, dass die Budgetanhörung gerade ungefähr dieselbe Spannung erzeugte wie ein Bedienungshandbuch für einen Bürostuhl.
Wir wissen es nicht.
Parton verteidigte sich zudem mit einem Argument, das ich außerordentlich interessant finde:
Er habe eben einen derben Humor.
Meine Damen und Herren, das ist eine Verteidigungsstrategie mit Zukunft.
Parkticket?
"Derber Humor."
Steuererklärung falsch?
"Satire."
Im Parlament eingeschlafen?
"Performancekunst."
Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten.
Außerdem erklärte Parton sinngemäß, dass während Sitzungstagen viele Menschen private Nachrichten verschicken würden.
Natürlich!
Ich stelle mir das Parlament inzwischen wie eine gigantische WhatsApp-Gruppe vor.
Vorne spricht jemand über den Haushalt.
Hinten schreibt jemand:
"Was gibt's zum Mittagessen?"
Nächster:
"Keine Ahnung."
Nächster:
"Diese Sitzung dauert ewig."
Nächster:
"Hat jemand Ladegerät USB-C?"
Demokratie im digitalen Zeitalter.
Früher schrieb man geheime Zettel unter dem Tisch.
Heute besitzt der geheime Zettel Gesichtserkennung, Cloud-Backup und Screenshot-Funktion.
Fortschritt!
Parton argumentierte außerdem, die meisten Leute würden Budgetanhörungen vermutlich tatsächlich ziemlich langweilig finden.
Und wissen Sie was?
Damit könnte er sogar einen Punkt haben.
Das Problem ist nur:
Die meisten Leute werden nicht dafür gewählt, dort zu sitzen.
Wenn ich einen Fallschirmspringer frage:
"Wie finden Sie eigentlich Höhe?"
Und er sagt:
"Furchtbar, ich hasse sie."
Dann denke ich ebenfalls:
Vielleicht sollten wir kurz über die Berufswahl sprechen.
Aber genau deshalb ist die Geschichte so wunderbar.
Sie bringt Politik auf ihre menschlichste Form herunter.
Da sitzt ein gewählter Volksvertreter in einer wichtigen Sitzung und denkt offenbar nicht:
"Was bedeutet diese Haushaltsposition langfristig für die Bürger?"
Sondern:
"Meine Güte, wann passiert hier endlich irgendwas?"
Das ist beinahe rührend.
Ich würde deshalb für zukünftige Haushaltsberatungen ein neues Unterhaltungsprogramm vorschlagen.
Alle 30 Minuten kommt ein Känguru herein.
Nach zwei Stunden gibt es Bingo.
Wer fünf Haushaltsbegriffe in einer Reihe hat, darf nach Hause.
"Defizit!"
"Nachtragshaushalt!"
"Investitionsquote!"
"Mittelfristige Finanzplanung!"
"Deckungsfähigkeit!"
BINGO!
So rettet man Demokratie.
Interessant ist auch, dass eine Beschwerde gegen Parton bereits abgewiesen wurde. Parton wiederum erklärte, wegen Belästigung selbst zur Polizei gegangen zu sein.
Damit besitzt die Geschichte wirklich alles.
Politik.
SMS.
Dementi.
Gegendementi.
Haushaltszahlen.
Privatsphäre.
Polizei.
Und Langeweile.
Netflix braucht für dieselbe Mischung normalerweise acht Episoden.
Natürlich bleibt die eigentliche Nachricht banal:
Ein Politiker verschickte während einer Sitzung eine private SMS und fand seinen Job in diesem Moment offenbar nicht besonders aufregend.
Aber politisch betrachtet ist es Gold.
Denn Politiker verbringen enorme Mengen ihrer Zeit damit, uns zu erklären, wie unglaublich wichtig jede einzelne Sitzung ist.
Und plötzlich zieht einer sein Handy heraus und liefert die inoffizielle Rezension:
⭐ ⭐
"Inhalt wichtig, Handlung zieht sich. Würde nur bedingt wieder teilnehmen."
Liebe Freunde,
ich sehe darin sogar eine Chance.
Vielleicht sollten Politiker künftig nach jeder Sitzung Bewertungen abgeben.
"Haushaltsausschuss: zwei Sterne."
"Verkehrsausschuss: drei Sterne, Kaffee okay."
"Untersuchungsausschuss: fünf Sterne, hervorragendes Drama."
"Plenarsitzung: würde wiederkommen, wenn Anwesenheit verpflichtend."
Das wäre Transparenz!
Und vielleicht ist Mark Partons größte Leistung am Ende gar nicht seine SMS.
Vielleicht hat er nur ausgesprochen, was Millionen Menschen bereits vermutet haben:
Auch Politiker sitzen manchmal in Meetings und denken exakt dasselbe wie alle anderen.
Wann ist das endlich vorbei?
Der Unterschied?
Wenn normale Menschen das schreiben, interessiert es niemanden.
Wenn ein Oppositionschef es schreibt, steht es am nächsten Morgen in der Zeitung.
Deshalb mein Rat an die internationale Politik:
Wenn die Sitzung langweilig ist – malen Sie kleine Kästchen auf Ihren Notizblock.
Wenn Sie unbedingt eine SMS schreiben müssen – prüfen Sie den Empfänger.
Und wenn Journalisten anschließend fragen, was passiert ist?
Sagen Sie besser nicht zuerst Nein und anschließend Ja.
Denn das macht aus einer langweiligen Haushaltssitzung plötzlich etwas, das sie vorher definitiv nicht war:
Unterhaltsam.
Wirklich sehr unterhaltsam.

