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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Bitte einmal volltanken: Wie man sich eine Boeing schenken lässt

Grafik: Ronald Tramp und das fliegende Volksgeschenk

Donald Trump soll die Al-Thani-Familie unverblümt um eine kostenlose Boeing 747 gebeten haben. Offiziell gehört sie dem amerikanischen Volk – später soll sie allerdings in seiner eigenen Präsidentenbibliothek landen. Ronald Tramp kontrolliert die Bordkarte dieses bemerkenswerten Volksgeschenks.

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Ich habe in meinem Leben viele Menschen um Gefallen bitten hören. Manche fragen nach einem Glas Wasser. Andere möchten sich kurz einen Kugelschreiber ausleihen. Besonders mutige Nachbarn fragen, ob man ihnen beim Umzug helfen könne, und stehen dann vor einem vollgestopften Einfamilienhaus mit drei Klavieren und einem Aquarium in der Größe des Schwarzen Meeres.

Donald Trump soll dagegen, der geschilderten Darstellung zufolge, bei der Al-Thani-Familie gefragt haben, ob sie ihm vielleicht eine Boeing 747 überlassen könne. Kostenlos.

Nicht leihen. Nicht für ein Wochenende. Nicht für einen kurzen Rundflug über Florida. Einfach überlassen.

Meine Damen und Herren, das ist keine Bitte mehr. Das ist Einkaufsbummeln ohne Kasse.

Ich, Ronald Tramp, kenne mich mit Geschenken aus. Ich bekomme fantastische Geschenke. Einmal bekam ich eine Krawatte. Rot, sehr schön, vermutlich die beste Krawatte westlich des Mississippi. Aber ich habe noch nie bei einer königlichen Familie im Wohnzimmer gesessen, auf den letzten Keks gezeigt und gesagt: „Übrigens, der Jumbojet draußen – braucht ihr den noch?“

Normale Menschen fragen Gastgeber: „Darf ich noch einen Kaffee haben?“ Donald Trump soll laut dieser Darstellung gefragt haben: „Darf ich noch eine Boeing haben?“ Das ist nur ein kleiner Unterschied von ungefähr 180 Millionen Kilogramm Gastfreundschaft inklusive Ersatztriebwerken.

Nach den Angaben habe sich die Al-Thani-Familie von der Anfrage brüskiert gezeigt. Verständlich. Selbst außerordentlich wohlhabende Menschen reagieren möglicherweise überrascht, wenn ein Staatsgast nicht nach einem Erinnerungsfoto, sondern nach dem größten beweglichen Gegenstand auf dem Grundstück fragt.

Vermutlich blickten sich die Familienmitglieder zunächst an und dachten: Hat er wirklich das Flugzeug gemeint? Vielleicht wollte er nur einen Kugelschreiber mit Boeing-Logo. Vielleicht hat die Übersetzung versagt. Vielleicht bedeutet „747“ in Amerika „kleines Gastgeschenk mit Bordküche und mehreren Toiletten“.

Doch nein: Gemeint gewesen sei offenbar die ganze Maschine.

Der Darstellung zufolge habe die arabische Gastfreundschaft eine Ablehnung besonders schwierig gemacht. Falls es tatsächlich so ablief, ist das Entscheidende nicht diese Tradition der Höflichkeit. Die verdient Respekt. Satirisch bemerkenswert wäre vielmehr, dass jemand eine kulturelle Höflichkeitsregel wie einen Rabattcoupon für Großraumflugzeuge behandelt.

Das wäre ungefähr so, als würde ein Besucher in Deutschland erfahren, dass man Gästen ein Stück Kuchen anbietet, und daraufhin sagen: „Ausgezeichnet. Dann nehme ich die Konditorei, das Lieferfahrzeug und das Grundstück hinter dem Haus.“

Gastfreundschaft bedeutet normalerweise: „Fühlen Sie sich wie zu Hause.“

Sie bedeutet nicht: „Nehmen Sie beim Gehen bitte den Westflügel und alles, was auf der Startbahn steht.“

Offiziell wurde die Boeing anschließend als Geschenk an das amerikanische Volk bezeichnet. Das klingt sofort viel besser. Nicht für Donald Trump persönlich – nein, nein! Für das Volk. Für jeden einzelnen Amerikaner. Vom Farmer in Iowa bis zur Krankenschwester in Ohio. Alle bekommen gemeinsam ein Flugzeug, das praktisch niemand von ihnen jemals betreten wird.

Das ist das Schöne an Geschenken an „das Volk“: Das Volk muss sie nicht auspacken, darf sie nicht benutzen und bekommt vermutlich auch keine Bonusmeilen. Aber es darf stolz sein, dass irgendwo ein sehr wichtiger Mensch darin sitzt.

Man stelle sich die Übergabe vor:

„Liebes amerikanisches Volk, hier ist eure Boeing 747!“

„Vielen Dank! Wann dürfen wir fliegen?“

„Gar nicht.“

„Wo wird sie stehen?“

„Bei Donald.“

„Wer entscheidet über die Nutzung?“

„Ebenfalls Donald.“

„Und was passiert später damit?“

„Sie geht an Donald.“

Ein großartiges Volksgeschenk! Sehr volksnah. Das Volk ist so nah dran, dass es die Maschine gelegentlich im Fernsehen sehen kann.

Besonders elegant wird die Geschichte durch die angebliche Mitteilung, Trump werde das Flugzeug nach seinem Ausscheiden aus dem Amt „behalten“. Hier erreicht die Geschenklogik eine Flughöhe, in der normale Ethikkompasse einfrieren.

Das Flugzeug soll demnach nach 2029 an die Stiftung der „Donald J. Trump Presidential Library“ übergehen und dort ausgestellt werden. Technisch gesehen bliebe es damit womöglich nicht sein persönliches Eigentum. Es gehörte lediglich einer nach ihm benannten Stiftung, stünde in einer nach ihm benannten Präsidentenbibliothek und würde vermutlich an seine nach ihm benannte Amtszeit erinnern.

Völlig unpersönlich.

Das ist, als bekäme ich eine goldene Villa geschenkt und erklärte: „Sie gehört nicht mir. Sie gehört der Ronald-Tramp-Stiftung für die Bewahrung des Ronald-Tramp-Erbes. Ich wohne nur zufällig darin, um das kulturelle Erbe zu überwachen.“

Viele Leute würden sagen: Ronald, das ist trotzdem ziemlich nah an dir dran.

Ich würde antworten: Aber die Stiftung besitzt den Kühlschrank!

Die geplante Präsidentenbibliothek erhält damit möglicherweise ein Ausstellungsstück, das kaum zu übersehen wäre. Andere Präsidentenbibliotheken zeigen Briefe, Schreibtische, historische Dokumente und Stifte, mit denen bedeutende Gesetze unterzeichnet wurden. Die Trump-Bibliothek könnte einen Jumbojet präsentieren.

Besucher würden nicht durch eine Eingangstür gehen, sondern über eine Fluggastbrücke.

Die Garderobe wäre in der Gepäckausgabe.

Der Audioguide würde vor Beginn die Sicherheitsbelehrung abspielen.

Und im Souvenirladen gäbe es vermutlich vergoldete Gepäckanhänger mit der Aufschrift, die dort selbstverständlich niemand lesen dürfte, weil wir hier gedanklich schon beim späteren Titelbild ohne Text sind.

Die eigentliche Bibliothek könnte in der Businessclass untergebracht werden. Drei Bücher pro Sitzreihe, damit das Regal nicht zu akademisch wirkt. Im Cockpit läge die Autobiografie. In der First Class stünde ein einzelner Band: „Die Kunst, sich Dinge schenken zu lassen, die angeblich allen gehören.“

Das alles wirft eine faszinierende Frage auf: Wann wird ein Geschenk an einen Staat zu einem Geschenk mit privater Anschlussverwendung?

Wenn mir jemand einen Dienstwagen für meine Amtszeit überlässt und dieser später in meine persönliche Ruhmeshalle wandert, war er dann wirklich nur für das Amt bestimmt? Oder hatte das Geschenk von Anfang an einen eingebauten Weiterflug zum eigenen Denkmal?

Die Flugroute wäre jedenfalls bemerkenswert:

Erste Station: Katar.

Zweite Station: amerikanisches Volk.

Dritte Station: Trump-Stiftung.

Endstation: Donald-J.-Trump-Präsidentenbibliothek.

Das amerikanische Volk befände sich bei dieser Reise ungefähr so lange im Besitz der Maschine wie ein Flughafenpassagier im Besitz des Gepäckwagens: Man darf ihn kurz bewegen, aber mit nach Hause nehmen soll ihn jemand anderes.

Selbstverständlich kann man argumentieren, das Flugzeug werde später öffentlich ausgestellt. Dann könnten Besucher es betrachten. Vielleicht sogar gegen Eintritt. Das Volk bekäme also die großartige Gelegenheit, sein eigenes ehemaliges Geschenk zu besichtigen.

„Willkommen! Das ist Ihre Boeing.“

„Wunderbar. Darf ich hinein?“

„Natürlich. Das Standardticket kostet 75 Dollar, Priority Boarding 150.“

Ich sehe bereits die Ausstellungstafel vor mir – natürlich rein hypothetisch: „Dieses Flugzeug wurde dem amerikanischen Volk geschenkt und anschließend sicher vor ihm verwahrt.“

Besonders erstaunlich bleibt die ursprüngliche Anfrage. Wer fragt überhaupt nach einer kostenlosen Boeing 747? Dafür braucht man ein Selbstbewusstsein, das über eine eigene Startbahn verfügt.

Ich hätte klein angefangen. Vielleicht mit einem Modellflugzeug. Dann einem Upgrade in die Businessclass. Danach vorsichtig: „Falls ihr irgendwann einen Jumbojet übrig habt, ruft mich an.“

Aber Trump soll direkt gefragt haben. Keine Umwege. Kein schüchternes Herantasten. Das ist Verhandlungsführung nach der Methode: Der andere kann nur „Ja“ sagen, wenn ein „Nein“ kulturell unangenehm wäre.

Ein unglaublicher Deal – jedenfalls für denjenigen, der das Flugzeug bekommt.

Für die Gastgeberseite ist es eher die kostspieligste Version des Satzes: „Nehmen Sie ruhig noch etwas mit.“

Vielleicht sollten internationale Besuche künftig mit einer Speisekarte für Gastgeschenke beginnen:

Tee: kostenlos.

Datteln: kostenlos.

Teppich: nach Rücksprache.

Boeing 747: Bitte den Gastgeber nicht in eine diplomatische Zwangslage bringen.

Flugzeug nach Amtsende behalten: Nur mit Ethikprüfung und sehr großem Parkschein.

Der Fall ist deshalb nicht bloß eine Geschichte über ein luxuriöses Flugzeug. Er ist eine Lehrstunde darüber, wie geschickt die Wörter „Volk“, „Stiftung“ und „Bibliothek“ eingesetzt werden können, damit ein gewaltiges Geschenk plötzlich ganz uneigennützig aussieht.

Eine Boeing für das Volk!

Verwaltet vom Präsidenten.

Genutzt vom Präsidenten.

Später ausgestellt in der Stiftung des Präsidenten.

Benannt nach dem Präsidenten.

Aber bitte glauben Sie nicht, dass es um den Präsidenten geht.

Das wäre völlig absurd.

Fast so absurd wie eine kostenlose Boeing 747.

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Tags: Donald Trump Katar Boeing 747 Präsidentenbibliothek Interessenkonflikt Flugzeuggeschenk Al-Thani-Familie
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