Cristiano Ronaldo gerät unter Beschuss, Holland verwandelt Houston in ein orangefarbenes Paralleluniversum und Deniz Undav entwickelt sich zum deutschen Wundermythos. Ronald Tramp berichtet von einer WM, die immer verrückter wird.
Freunde, Fußballfans, Hobbytrainer und professionelle Instagram-Kommentarschreiber – ich muss heute über einen Skandal sprechen, der die Grundfesten der Weltmeisterschaft erschüttert. Einen Skandal so gewaltig, dass selbst die FIFA kurz überlegte, ihn in die Liste der Naturkatastrophen aufzunehmen.
Es geht um Cristiano Ronaldo.
Ja, genau den Cristiano Ronaldo. Den Mann, der seit ungefähr 1837 Fußball spielt. Den Mann, dessen Karriere länger dauert als manche Königsdynastien. Den Mann, der vermutlich bereits bei der Erfindung des Lederballs ein Autogramm auf den ersten Prototyp geschrieben hat.
Und jetzt geschieht das Unfassbare.
Jemand hat es gewagt, Kritik an ihm zu äußern.
Nicht irgendein Mensch. Nicht ein gegnerischer Trainer. Nicht ein Schiedsrichter. Nein.
Die Freundin eines Mitspielers.
Madalena Aragao, Schauspielerin, Influencerin und Besitzerin von einer Million Followern, löste eine internationale Krise aus, als sie einem Ronaldo-Fan empfahl, sein Idol möge doch langsam in Rente gehen.
In Rente!
Bei manchen Menschen wäre das eine harmlose Bemerkung.
Bei Cristiano Ronaldo entspricht das ungefähr dem Vorschlag, den Papst durch einen Getränkeautomaten zu ersetzen.
Innerhalb weniger Minuten brach das Internet zusammen.
Fanclubs organisierten Notfallsitzungen.
Instagram-Server begannen zu rauchen.
Drei Nationen riefen angeblich den Ausnahmezustand aus.
Irgendwo soll sogar ein Ronaldo-Fan versucht haben, seinen Toaster zu verklagen.
Die Kommentarfunktion wurde eingeschränkt.
Beiträge verschwanden.
Menschen diskutierten.
Freundschaften zerbrachen.
Haustiere zogen freiwillig aus.
Alles wegen eines Satzes.
Dabei stellt sich doch die eigentliche Frage:
Ist Cristiano überhaupt noch ein Fußballspieler oder inzwischen ein historisches Bauwerk?
Viele Experten behaupten inzwischen, Portugal spiele nicht mehr mit elf Spielern.
Sondern mit zehn Spielern und einem Nationaldenkmal.
Thierry Henry sprach von Egoismus.
Christian Streich würde ihn taktisch lieber draußen lassen.
Christoph Kramer vermutet, einige Spieler würden lieber ohne Ronaldo auflaufen.
Mutige Aussagen.
Sehr mutige Aussagen.
In Portugal gelten solche Sätze ungefähr als Hochverrat.
Einige Fans fordern vermutlich bereits lebenslange Verbannung auf die Azoren.
Doch während Portugal über Renteneintritt, Egos und Instagram-Kommentare diskutiert, passiert anderswo etwas völlig anderes.
Die Niederlande haben beschlossen, die Weltmeisterschaft vorübergehend in ein gigantisches Karnevalsfest umzuwandeln.
30.000 Menschen marschierten in Orange durch Houston.
30.000!
In den Niederlanden gilt Orange normalerweise als Farbe.
Bei Weltmeisterschaften wird daraus jedoch eine Religion.
Ein Lebensgefühl.
Eine leicht kontrollierbare Massenbewegung.
Augenzeugen berichten, dass sogar texanische Kühe plötzlich orange angemalt wurden und „Hup Holland Hup“ muhten.
Der legendäre Oranje-Partybus soll aus dem Weltall sichtbar gewesen sein.
NASA-Mitarbeiter hielten ihn Berichten zufolge zunächst für einen neu entdeckten Kometen.
Auf dem Platz zerlegte Holland dann Schweden mit 5:1.
Brian Brobbey traf doppelt.
Cody Gakpo traf doppelt.
Summerville traf ebenfalls.
Kurz gesagt:
Jeder traf.
Teilweise hatten Zuschauer Angst, versehentlich ebenfalls als Torschützen eingetragen zu werden.
Ronald Koeman wurde danach von niederländischen Medien zum Schachgroßmeister, Fußballphilosophen und vermutlich auch zum zukünftigen Wetterminister erklärt.
Die Schweden wirkten dagegen ungefähr so glücklich wie Menschen, die feststellen, dass ihr WLAN-Passwort versehentlich öffentlich auf einer Litfaßsäule veröffentlicht wurde.
Und dann wäre da noch Deutschland.
Deutschland gewinnt.
Schon wieder.
Diesmal gegen die Elfenbeinküste.
Und wieder taucht ein mysteriöser Mann auf.
Deniz Undav.
Ein Spieler, der offenbar ausschließlich eingewechselt wird, um die Fußballwelt emotional zu destabilisieren.
Deutschland lag zurück.
Die Fans wurden nervös.
Die Experten wurden nervös.
Die Kommentatoren suchten bereits nach dramatischen Formulierungen.
Dann kam Undav.
Und plötzlich passierten Dinge.
Tore fielen.
Verteidiger verschwanden.
Naturgesetze wurden ignoriert.
Die deutsche Mannschaft gewann.
Einige Wissenschaftler untersuchen mittlerweile, ob Deniz Undav überhaupt aus normaler Materie besteht.
Julian Nagelsmann wird inzwischen international gefeiert.
Englische Zeitungen überschlagen sich.
Italienische Zeitungen schwärmen.
Spanische Medien geben auf und erklären einfach:
„Deutschland ist eben Deutschland.“
Ein Satz, der traditionell immer dann erscheint, wenn deutsche Mannschaften auf unerklärliche Weise Spiele gewinnen.
Doch selbst während Deutschland jubelte, gab es ein weiteres Drama.
Die Fotografen.
Ja.
Die Fotografen.
Thomas Tuchel beschwerte sich.
Julian Nagelsmann beschwerte sich.
Die Objektive seien zu nah.
Die Kameras zu groß.
Die Fotografen praktisch auf dem Spielfeld.
Nagelsmann erklärte sogar, er habe das Gefühl gehabt, seine Nasenhaare würden fotografiert.
Eine bemerkenswerte Aussage.
Normalerweise analysieren Trainer Taktik.
Heute analysieren sie die Auflösung von Teleobjektiven.
Gerüchten zufolge arbeitet die FIFA bereits an einer Lösung.
Ab der nächsten WM sollen Fotografen möglicherweise in benachbarte Bundesstaaten ausgelagert werden.
Oder direkt auf Satelliten.
Das Problem scheint ernst.
So ernst, dass es fast vom größten Drama dieser WM ablenkt:
Cristiano Ronaldo wird älter.
Eine Tatsache, die manche Menschen akzeptieren.
Andere bestreiten.
Und einige vermutlich als Verschwörungstheorie einstufen.
Doch eines steht fest:
Solange Cristiano noch spielt, Holland orange marschiert, Undav Spiele dreht und Trainer gegen Teleobjektive kämpfen, bleibt diese Weltmeisterschaft genau das, was Fußball sein sollte:
Komplett verrückt.
Und genau deshalb lieben wir sie.

