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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Infantino bleibt – FIFA erklärt sich nach Krisensitzung praktisch selbst für gerettet

Grafik: Infantino und der große Daumen-Gipfel

Gianni Infantino steckt in der FIFA-Krise, UEFA und CONMEBOL erhöhen den Druck – doch in Rabat entdeckt der Weltverband sein bewährtestes Rettungskonzept: Man versichert sich gegenseitig das volle Vertrauen. Ronald Tramp berichtet vom vermutlich größten Daumen-hoch-Gipfel seit Erfindung des Mannschaftsfotos.

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Liebe Freunde,

ich melde mich aus Rabat.

Ronald Tramp.

Internationaler Spitzenreporter.

Fußballexperte.

Und seit heute zertifizierter Spezialist für institutionelle Selbstumarmung.

Denn bei der FIFA brennt offenbar die Hütte.

Aber keine Sorge:

Die Führung sitzt noch drin und bestätigt sich gegenseitig, dass überhaupt kein Rauch zu sehen ist.

Gianni Infantino hatte zur Krisensitzung geladen. Und wenn irgendwo das Wort „Krisensitzung“ fällt, weiß der erfahrene Beobachter:

Danach wird ein Foto veröffentlicht, auf dem alle lächeln.

Genau so kam es.

Infantino erschien bestens gelaunt. Breites Grinsen. Gute Stimmung. Erhobener Daumen.

Ein Mann, der ungefähr den Gesichtsausdruck eines Kapitäns trägt, dessen Schiff gerade Schlagseite bekommt und der den Passagieren zuruft:

„Fantastische Nachricht! Wir können jetzt direkt aus den Kabinen angeln!“

Die FIFA entdeckt das gegenseitige Vertrauen

Nach dem Treffen geschah etwas historisch Wichtiges.

FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström und weitere Mitglieder der Geschäftsführung erklärten ihre uneingeschränkte Unterstützung für Infantino.

Infantino wiederum erklärte seine volle Unterstützung für Grafström und die FIFA-Administration.

Das ist Governance auf Weltklasseniveau.

A unterstützt B.

B unterstützt A.

C unterstützt beide.

Und anschließend veröffentlicht man ein Foto.

Ich nenne dieses System:

VAR – Vertrauens-Austausch auf Rückrufbasis.

Die UEFA zeigte sich davon allerdings bemerkenswert unbeeindruckt.

Sie hält an ihrem angekündigten Boykott der Männer- und Frauen-Weltmeisterschaften fest. Ihre Forderungen seien nicht erfüllt: Die umstrittenen Privatisierungspläne müssten endgültig verschwinden und ähnliche Vorstöße dürften nicht wiederkommen.

Das ist natürlich unangenehm.

Eine Fußball-WM ohne europäische Mannschaften wäre ungefähr wie Oktoberfest ohne Bier:

Man könnte es durchführen.

Aber irgendwann würde jemand fragen, warum 80.000 Menschen auf den Rängen sitzen und Kasachstan gegen Neuseeland das Halbfinale bestreitet.

Jetzt meldet sich zusätzlich CONMEBOL kritisch.

Südamerika!

Meine Freunde, wenn Europa und Südamerika gleichzeitig beim Weltfußball unruhig werden, bleiben für eine WM irgendwann nur noch Afrika, Asien, Ozeanien und sieben Funktionäre mit VIP-Ausweis.

Afrika sagt: Gianni, wir stehen hinter dir

Zum Glück für Infantino gibt es die CAF.

Der afrikanische Kontinentalverband bekräftigte einstimmig seine Unterstützung.

Das muss ein unglaublicher Moment gewesen sein.

UEFA: „Wir boykottieren!“

CONMEBOL: „Wir haben Fragen!“

CAF: „Gianni, Bruder, komm her.“

Und FIFA:

„Seht ihr? Internationale Einigkeit!“

Anschließend besuchte Infantino beim Afrika-Cup der Frauen das Spiel Malawi gegen Sambia.

Er lächelte.

Er winkte.

Er posierte.

Er zeigte gemeinsam mit Grafström den Daumen nach oben.

Dieser Daumen ist inzwischen wahrscheinlich das wichtigste Kommunikationsinstrument der FIFA.

Keine Pressekonferenz nötig.

Keine komplizierte Erklärung.

Daumen hoch.

Alles gut.

Sollte morgen das FIFA-Hauptquartier von einem Meteoriten getroffen werden, veröffentlicht man vermutlich ein Foto von Infantino vor dem Krater:

👍

„Produktiver Austausch mit dem Universum.“

Dann kam die FIFA mit der ganz kleinen Entschuldigung

Beim gescheiterten Projekt FIFA Forward Enterprise seien Fehler passiert, erklärte der Weltverband.

Das ist bemerkenswert.

Denn Organisationen wie die FIFA sagen selten:

„Wir haben Mist gebaut.“

Sie sagen:

„Im Rahmen eines grundsätzlich regelkonformen Prozesses wurden Optimierungspotenziale hinsichtlich einzelner Kommunikationsschnittstellen identifiziert.“

Übersetzung:

Wir haben Mist gebaut.

Das Verfahren hätte anders gehandhabt werden müssen. Mitgliedsverbände und FIFA-Rat hätten nicht das Gefühl bekommen sollen, ausgeschlossen worden zu sein.

Ein fantastischer Satz.

Nicht der Ausschluss war also unbedingt das Problem.

Das Gefühl, ausgeschlossen worden zu sein.

Das ist großartig.

Wenn Ronald Tramp Sie künftig nicht zu seiner Geburtstagsfeier einlädt, möchte ich mich ausdrücklich dafür entschuldigen, dass bei Ihnen möglicherweise das Gefühl entstanden sein könnte, nicht eingeladen worden zu sein.

Die Feier selbst entsprach selbstverständlich vollständig meinem Regelwerk.

Und plötzlich taucht Marokko 2030 auf

Als wäre das alles noch nicht spektakulär genug, berichtete die Times unter Berufung auf eine anonyme Quelle, Infantino habe Marokko angeblich das WM-Finale 2030 versprochen und dafür Unterstützung erwartet.

Die FIFA dementierte.

Und selbstverständlich gilt:

Ein Gerücht bleibt ein Gerücht, solange es nicht belegt ist.

Aber satirisch betrachtet muss man diese Dramaturgie bewundern.

Du sitzt in Marokko.

Du brauchst Unterstützung.

Du bekommst Unterstützung.

Und gleichzeitig erscheint ein Bericht über ein angeblich versprochenes WM-Finale in Marokko.

Hollywood würde sagen:

„Leute, etwas weniger offensichtlich. Das glaubt uns sonst niemand.“

Die FIFA schlägt zurück

Dann wurde es ernst.

Die FIFA erklärte, Angriffe auf ihre Integrität nicht dulden zu wollen und erforderliche Maßnahmen zum Schutz ihres Rufes zu ergreifen.

Das ist ungefähr so, als würde Las Vegas erklären:

„Wir werden unseren Ruf als Zentrum nüchterner Finanzplanung mit allen Mitteln verteidigen.“

Besonders faszinierend ist die Kombination:

Erst Fehler einräumen.

Dann Entschuldigung.

Dann erklären, dass eigentlich alles regelkonform gewesen sei.

Dann Kritiker warnen.

Das ist keine Krisenkommunikation.

Das ist ein rhetorischer Fallrückzieher mit anschließendem Eigentor und Jubellauf zur Eckfahne.

Meine Freunde, ich glaube deshalb nicht, dass Gianni Infantino zurücktritt.

Warum sollte er?

Die FIFA unterstützt Infantino.

Infantino unterstützt die FIFA.

Grafström unterstützt Infantino.

Infantino unterstützt Grafström.

Afrika unterstützt Infantino.

Und Infantino unterstützt vermutlich auch den Daumen, der all diese Unterstützung dokumentiert.

Nur UEFA und CONMEBOL stehen draußen und fragen:

„Entschuldigung, könnten wir vielleicht über das eigentliche Problem sprechen?“

Nein.

Jetzt ist Fototermin.

Daumen hoch.

Lächeln.

Krise beendet.

Zumindest bis zur nächsten Sitzung.

Ich bin Ronald Tramp.

Und sollte meine Redaktion jemals meine Arbeit kritisieren, werde ich unverzüglich eine außerordentliche Sitzung mit mir selbst einberufen.

Anschließend werde ich mir einstimmig das Vertrauen aussprechen.

Ronald Tramp – einer von 211 Reportern hätte mich bestimmt gewählt.

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Tags: FIFA Gianni Infantino UEFA FIFA Forward Enterprise CAF CONMEBOL Krise
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