Nach acht Jahren, 480 Millionen Euro und drei Untersuchungsausschüssen ist es geschafft: Eine Behörde hat das Fax digitalisiert. Ronald Tramp berichtet exklusiv.
Ronald Tramp berichtet über das größte Technologieprojekt seit der Erfindung des Lochers.
Freunde, Patrioten, Beamte und Menschen, die schon einmal auf einen Rückruf aus einer Behörde gewartet haben!
Heute schreibe ich Geschichte.
Nein, nicht irgendeine Geschichte.
Sondern deutsche Digitalgeschichte.
Die Art von Geschichte, bei der man nach acht Jahren Projektlaufzeit, 480 Millionen Euro Kosten und drei Untersuchungsausschüssen stolz verkündet:
„Wir haben es geschafft.“
Was wurde geschafft?
Hat Deutschland den Quantencomputer erfunden?
Nein.
Hat man künstliche Intelligenz entwickelt?
Nein.
Hat man den Papierkrieg abgeschafft?
Selbstverständlich nicht.
Nein, meine Freunde.
Eine Behörde hat erfolgreich ein Faxgerät digitalisiert.
Ab sofort wird der Ausdruck als PDF gespeichert.
Bitte setzen Sie sich kurz hin.
Diese Nachricht kann überwältigend sein.
Der Traum begann im Jahr 2018
Damals versammelten sich Experten.
Projektleiter.
Berater.
Unterberater.
Unterunterberater.
Und Berater für die Koordination der Unterberater.
Gemeinsam entwickelten sie eine revolutionäre Vision:
„Was wäre, wenn wir das Papier zuerst ausdrucken und anschließend wieder digitalisieren?“
Der Raum soll minutenlang vor Begeisterung getobt haben.
Ein Teilnehmer fiel angeblich vor Ehrfurcht vom Bürostuhl.
Ein anderer soll spontan einen Innovationspreis beantragt haben.
Die Geburt von Fax 4.0
Der Projektname lautete angeblich:
„Digitale Transformation analoger Kommunikationsprozesse unter Berücksichtigung papierbasierter Informationspersistenz.“
Kurz:
Fax 4.0.
Die Mission war klar:
Ein Fax sollte empfangen werden.
Dann ausgedruckt werden.
Anschließend eingescannt werden.
Danach als PDF gespeichert werden.
Und schließlich ausgedruckt werden, damit die Akte vollständig bleibt.
Technologiebegeisterte weltweit sprechen bereits vom „deutschen Silicon Valley“.
Kritiker nennen es weiterhin „das Einwohnermeldeamt“.
Die Herausforderung war gewaltig
Natürlich fragen sich viele Bürger:
„Warum dauert so etwas acht Jahre?“
Die Antwort ist einfach.
Es mussten zunächst zwölf Arbeitsgruppen gegründet werden.
Dann vier Steuerungsgremien.
Dann zwei Expertengremien.
Dann ein Expertengremium zur Bewertung der Expertengremien.
Danach begann die eigentliche Arbeit:
Die Auswahl des PDF-Formats.
Dieser Prozess allein dauerte drei Jahre.
Ein Ausschuss bevorzugte PDF.
Ein anderer PDF/A.
Ein dritter wollte aus Tradition bei Pergamentrollen bleiben.
Untersuchungsausschuss Nummer Eins
Der erste Untersuchungsausschuss beschäftigte sich mit der Frage:
„Darf ein digitales Fax überhaupt noch Fax genannt werden?“
Nach 700 Sitzungsstunden kam man zu dem Ergebnis:
„Vielleicht.“
Untersuchungsausschuss Nummer Zwei
Der zweite Ausschuss untersuchte die mysteriöse Kostensteigerung.
Ursprünglich waren für das Projekt 250.000 Euro vorgesehen.
Nach diversen Workshops in Wellnesshotels, Innovationsreisen und Strategiekonferenzen in Regionen mit besonders angenehmem Klima stieg der Betrag auf 480 Millionen Euro.
Die genaue Ursache konnte nicht ermittelt werden.
Man vermutet PowerPoint-Präsentationen.
Untersuchungsausschuss Nummer Drei
Der dritte Ausschuss befasste sich mit einem schwerwiegenden Sicherheitsvorfall.
Ein Mitarbeiter hatte versehentlich eine E-Mail verschickt.
Ohne sie vorher auszudrucken.
Der Schock sitzt bis heute tief.
Mehrere Abteilungen mussten psychologisch betreut werden.
Die feierliche Präsentation
Vergangene Woche war es endlich soweit.
Vor Pressevertretern präsentierte die Behörde stolz das Ergebnis.
Ein Fax traf ein.
Das Dokument wurde ausgedruckt.
Dann eingescannt.
Dann erschien eine PDF-Datei auf dem Bildschirm.
Sekundenlang herrschte Stille.
Anschließend brach tosender Applaus aus.
Ein Beamter soll vor Rührung geweint haben.
Ein anderer sprach von einem „historischen Moment für die Menschheit“.
Ein dritter fragte vorsichtig, ob man jetzt vielleicht auch E-Mails empfangen könne.
Er wurde sofort in eine Fortbildungsmaßnahme versetzt.
Internationale Reaktionen
Aus dem Silicon Valley kamen erste Glückwünsche.
Technologiekonzerne zeigten sich beeindruckt.
Allerdings nicht vom Projekt.
Sondern davon, dass es tatsächlich abgeschlossen wurde.
Die NASA fragte an, ob die Projektgruppe beim nächsten Marsprogramm helfen könne.
Nicht wegen ihrer technischen Kompetenz.
Sondern wegen ihrer Erfahrung mit extrem langen Zeitplänen.
Ronald Tramps Fazit
Man muss auch einmal loben.
Deutschland hat bewiesen, dass Innovation möglich ist.
Langsam.
Sehr langsam.
Unfassbar langsam.
Aber möglich.
Während andere Länder über Quantencomputer, KI und autonome Roboter sprechen, hat Deutschland einen mutigen eigenen Weg gewählt.
Den Weg vom Fax zum PDF.
Eine Reise über acht Jahre.
480 Millionen Euro.
Drei Untersuchungsausschüsse.
Unzählige Sitzungen.
Und vermutlich mehr Kaffee als im gesamten Bundeshaushalt vorgesehen.
Doch am Ende zählt nur das Ergebnis:
Das Fax ist digital.
Also fast digital.
Digital genug.
Zumindest solange es vorher ausgedruckt wird.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich werde die Entwicklung aufmerksam beobachten.
Gerüchten zufolge plant dieselbe Behörde bereits ihr nächstes Großprojekt:
Die Digitalisierung des Lochers.
Projektlaufzeit bis 2047.

