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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Deutschland offiziell gestresst: Bundesregierung erwägt Einführung eines nationalen Schreitaggs

Grafik: Deutschland am Limit: Das große Stress-Ranking

Das RKI meldet steigende Stresswerte in Deutschland. Ronald Tramp untersucht satirisch, warum inzwischen selbst Entspannung Stress verursacht.

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Ronald Tramp berichtet exklusiv aus dem Krisengebiet zwischen Kaffeemaschine und Steuerbescheid.

Freunde, ich habe sensationelle Neuigkeiten.

Das Robert-Koch-Institut hat herausgefunden, dass sich jeder fünfte Deutsche stark gestresst fühlt.

Jeder Fünfte!

Das bedeutet statistisch gesehen, dass von fünf Menschen in einem Raum einer kurz davor ist, einen Drucker aus dem Fenster zu werfen.

Die anderen vier suchen vermutlich gerade nach dem WLAN-Passwort.

Laut der Untersuchung sind insbesondere Frauen, Menschen zwischen 18 und 64 Jahren sowie Personen mit geringerem Bildungsabschluss betroffen.

Mit anderen Worten:

Fast alle Menschen, die jemals versucht haben, ein deutsches Online-Formular auszufüllen.

Das RKI wertete die Antworten von über 27.000 Menschen aus.

27.102 Personen.

Eine beeindruckende Zahl.

Noch beeindruckender ist allerdings, dass niemand während der Befragung einen Nervenzusammenbruch erlitt.

Oder zumindest keinen, der statistisch erfasst wurde.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Stressbelastung gegenüber 2014 deutlich gestiegen ist.

Und ehrlich gesagt überrascht mich das überhaupt nicht.

2014 war eine andere Welt.

Damals hatte man nur normale Probleme.

Heute besitzt jeder Bürger zusätzlich:

  • 173 Passwörter
  • 14 Streaming-Abonnements
  • 27 Messenger-Gruppen
  • 46 Datenschutzerklärungen pro Tag
  • und eine Steuererklärung, die aussieht wie das Handbuch eines Atom-U-Boots.

Natürlich steigt da der Stress.

Das wahre Wunder wäre gewesen, wenn die Zahlen gesunken wären.

Ich stelle mir vor, wie die Forscher die Ergebnisse auswerteten.

„Die Menschen fühlen sich gestresster.“

„Woran könnte das liegen?“

„Vielleicht an den Krisen?“

„Vielleicht an der Inflation?“

„Vielleicht an den sozialen Medien?“

„Vielleicht an der Tatsache, dass man inzwischen für einen Arzttermin dieselbe Geduld benötigt wie für die Besteigung des Mount Everest?“

Schwierige Frage.

Sehr schwierige Frage.

Besonders betroffen sind laut Studie junge Erwachsene.

Das überrascht mich ebenfalls nicht.

Junge Menschen müssen heute Entscheidungen treffen, die frühere Generationen nie kannten.

Welches Studium?

Welcher Beruf?

Welche Krankenkasse?

Welcher Stromanbieter?

Welcher Mobilfunktarif?

Welcher Streamingdienst?

Welche App verwaltet die anderen Apps?

Und welche App verwaltet die App, die die anderen Apps verwaltet?

Das ist keine Lebensplanung mehr.

Das ist ein Strategiespiel auf höchstem Schwierigkeitsgrad.

Früher fragte man sich:

„Was esse ich heute?“

Heute fragt man sich:

„Welcher Lieferdienst liefert welches Essen über welche Plattform zu welchem Preis mit welchem Rabattcode?“

Kein Wunder, dass Menschen gestresst sind.

Doch Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn es nicht sofort Lösungen gäbe.

Die Politik arbeitet vermutlich bereits an Gegenmaßnahmen.

Denkbar wären:

Ein Bundesministerium für kontrolliertes Durchatmen.

Ein Stressbeauftragter.

Eine nationale Hotline für Menschen, die ihre PIN vergessen haben.

Oder eine staatlich geförderte Mittagspause.

Alles ist möglich.

Man hört sogar Gerüchte, dass bereits über einen bundesweiten „Tag des gemeinsamen Seufzens“ diskutiert wird.

Um Punkt zwölf Uhr mittags öffnen alle Bürger gleichzeitig das Fenster und rufen:

„Ich kann nicht mehr!“

Danach gibt es Kaffee.

Viel Kaffee.

Die deutsche Wirtschaft hat die Zeichen der Zeit längst erkannt.

Schon bald könnten neue Produkte auf den Markt kommen.

Der „Stressomat 3000“.

Ein Gerät, das automatisch erkennt, wann man gestresst ist.

Und dann eine weitere Push-Nachricht verschickt.

Denn nichts beruhigt Menschen mehr als zusätzliche Benachrichtigungen.

Auch die Arbeitswelt reagiert.

Immer mehr Unternehmen bieten Workshops an.

Dort lernt man:

  • Wie man entspannt bleibt.
  • Wie man Prioritäten setzt.
  • Wie man Stress vermeidet.

Anschließend erhält man 200 neue E-Mails.

Der Stress ist zurück.

Effizient.

Modern.

Digital.

Besonders faszinierend finde ich die deutsche Fähigkeit, Stress zu organisieren.

Andere Länder haben einfach Stress.

Deutschland erstellt dafür einen Prozess.

Mit Zuständigkeiten.

Mit Formularen.

Mit einer Arbeitsgruppe.

Und natürlich mit einer PowerPoint-Präsentation.

Falls der Stress zu groß wird, kann man einen Antrag auf Stressbearbeitung stellen.

Bearbeitungszeit: sechs bis acht Monate.

Die Wissenschaftler warnen, dass chronischer Stress gesundheitliche Folgen haben kann.

Und das stimmt natürlich.

Deshalb sollte man versuchen, öfter abzuschalten.

Allerdings ist selbst Abschalten inzwischen kompliziert geworden.

Man möchte entspannen.

Dann meldet das Handy:

„Zeit für Entspannung!“

Die Smartwatch meldet:

„Sie wirken angespannt.“

Der Fernseher empfiehlt eine Dokumentation über Stress.

Und die Krankenkassen-App fragt, ob man schon seinen Stressfragebogen ausgefüllt hat.

Herzlichen Glückwunsch.

Der Entspannungsversuch ist gescheitert.

Am Ende zeigt die Studie vor allem eines:

Deutschland ist ein hochentwickeltes Land.

Wir haben Hochgeschwindigkeitsinternet.

Künstliche Intelligenz.

Digitale Verwaltung.

Na gut, vielleicht nicht die digitale Verwaltung.

Aber wir haben zumindest Broschüren darüber.

Und trotzdem fühlen sich immer mehr Menschen gestresst.

Vielleicht liegt die Lösung gar nicht in neuen Programmen, Apps oder Arbeitsgruppen.

Vielleicht sollten wir einfach alle ein wenig langsamer machen.

Oder zumindest den Drucker aus dem Fenster werfen, bevor er uns wahnsinnig macht.

Denn irgendwo sitzt gerade ein deutscher Bürger vor einem Computer.

Das Passwort funktioniert nicht.

Die Webseite lädt nicht.

Der Drucker blinkt.

Und die Smartwatch fragt freundlich:

„Wie gestresst fühlen Sie sich heute?“

Die Antwort dürfte statistisch relevant sein.

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Tags: Deutschland Statistik Gesundheit Studie RKI Stress Alltag
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