Millionen investiert, wenige Tage später giftgrün: Donald Trumps Prestigeprojekt am Lincoln Memorial wird von einer unerwarteten Macht übernommen – den Algen.
Von Ronald Tramp
Meine Damen und Herren,
es gibt Momente in der Geschichte, die zeigen, dass Geld nicht alles kaufen kann.
Liebe zum Beispiel.
Bescheidenheit.
Oder einen algenfreien Teich.
Letzteres musste nun ausgerechnet Donald Trump erfahren.
Ja, genau jener Donald Trump, der Wolkenkratzern seinen Namen gibt, Golfplätze aus dem Boden stampft und vermutlich davon überzeugt ist, dass selbst Regen nur fällt, weil er ihn persönlich genehmigt hat.
Diesmal wollte Trump Washington verschönern.
Oder genauer gesagt: einen der bekanntesten Pools Amerikas.
Den berühmten Reflecting Pool am Lincoln Memorial.
Ein Wasserbecken, das normalerweise Ruhe, Würde und die Geschichte der Vereinigten Staaten widerspiegelt.
Zumindest bis Donald Trump auftauchte.
Denn Trump hatte eine Vision.
Eine große Vision.
Die größte Vision.
Vielleicht sogar die visionärste Vision, die jemals visioniert wurde.
Der Pool sollte glänzen.
Strahlen.
Funkeln.
Blauer als der Himmel.
Blauer als das Meer.
Blauer als die Augen eines Werbemodells in einer Zahnpasta-Reklame.
Millionen Dollar wurden investiert.
Bagger rückten an.
Ingenieure zeichneten Pläne.
Beamte schrieben Berichte.
Berater berieten andere Berater darüber, wie man Berater beraten sollte.
Monatelang wurde gearbeitet.
Dann war es endlich soweit.
Anfang Juni wurde die Sanierung abgeschlossen.
Der Pool erstrahlte.
Makellos.
Perfekt.
So perfekt, dass einige Touristen kurz glaubten, sie stünden vor einer gigantischen Photoshop-Datei.
Trump war begeistert.
Seine Unterstützer jubelten.
Die Kameras liefen.
Die Fotos gingen um die Welt.
Alles sah nach einem weiteren monumentalen Erfolg aus.
Für ungefähr zwölf Minuten.
Danach kamen die Algen.
Nicht eine Alge.
Nicht zehn Algen.
Nicht eine kleine grüne Ecke.
Nein.
Die Natur schickte offenbar ihre komplette Eliteeinheit.
Innerhalb weniger Tage verwandelte sich das tiefblaue Prestigeprojekt in etwas, das aussah wie ein missglücktes Experiment eines übermotivierten Biologielehrers.
Aus dem Reflecting Pool wurde der Rejecting Pool.
Das Wasser leuchtete plötzlich in einem Farbton, den Experten als „giftgrün“ beschreiben und den Kinder vermutlich als „Monster-Schleim Deluxe“ bezeichnen würden.
Die Fotos verbreiteten sich schneller als Wahlversprechen vor einer Wahl.
Ganz Amerika stellte dieselbe Frage:
Wie kann ein frisch sanierter Millionen-Pool innerhalb weniger Tage aussehen wie ein vergessenes Aquarium hinter einer Tankstelle?
Doch das Innenministerium blieb gelassen.
Sehr gelassen.
Geradezu bewundernswert gelassen.
Die Algen seien völlig normal, erklärte man.
Es handele sich lediglich um Rückstände aus Leitungen, die während der Bauarbeiten stillgestanden hätten.
Mit anderen Worten:
Der Pool sei nicht kaputt.
Er sei lediglich biologisch motiviert.
Das ist eine Erklärung, die man künftig auch in anderen Bereichen verwenden könnte.
„Warum funktioniert der Aufzug nicht?“
„Biologisch motiviert.“
„Warum fährt der Zug nicht?“
„Biologisch motiviert.“
„Warum ist mein Steuerbescheid falsch?“
„Biologisch motiviert.“
Eine universelle Lösung für sämtliche Probleme.
Währenddessen beobachteten die Algen ihre mediale Karriere vermutlich mit großer Freude.
Denn seien wir ehrlich:
Wann bekommt eine Alge schon die Chance, einen Präsidenten öffentlich zu blamieren?
Normalerweise verbringen Algen ihr Leben damit, von Enten ignoriert zu werden.
Doch diesmal standen sie im Zentrum der Weltpolitik.
CNN berichtete.
Fox News berichtete.
Das Internet berichtete.
Wahrscheinlich berichteten sogar andere Algenkolonien anerkennend darüber.
In wissenschaftlichen Kreisen spricht man bereits vom „Grünen Aufstand“.
Eine friedliche Revolution.
Ohne Demonstrationen.
Ohne Wahlkampf.
Ohne Parteiprogramm.
Lediglich mit Photosynthese.
Besonders peinlich war die Symbolik.
Trump hatte Millionen investiert, um ein perfektes Bild zu schaffen.
Und ausgerechnet die Natur antwortete mit einem gigantischen grünen Kommentar.
Es war, als hätte Mutter Natur gesagt:
„Netter Versuch.“
Historiker diskutieren inzwischen bereits die langfristigen Folgen.
Könnte der Pool künftig offiziell als Feuchtbiotop anerkannt werden?
Erhält die Algenkolonie eigene Postleitzahlen?
Wird das Innenministerium demnächst einen Beauftragten für strategische Wasserpflanzen ernennen?
Man weiß es nicht.
Doch ich, Ronald Tramp, habe eine Theorie.
Vielleicht war das alles gar kein Unfall.
Vielleicht handelt es sich um die weltweit erste ökologische Reality-Show.
Vielleicht wollte Trump beweisen, dass selbst Algen von seinen Infrastrukturprogrammen profitieren.
Vielleicht war das Becken nie als Pool gedacht.
Vielleicht ist es in Wahrheit die größte Avocado-Creme der Welt.
Die Möglichkeiten sind endlos.
Fest steht nur:
Die Millionen flossen.
Der Pool wurde saniert.
Die Kameras kamen.
Und am Ende gewannen die Algen.
Das ist eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann.
Oder ein sehr kreativer Drehbuchautor.
Denn während Politiker, Berater und Ingenieure noch über Wasserqualität diskutieren, treiben die Algen entspannt an der Oberfläche und genießen ihren historischen Triumph.
Make Pools Great Again?
Vielleicht.
Aber zuerst müsste jemand den Algen Bescheid sagen.

