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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Air Force One oder Air Farce One? – Der fliegende Goldpalast hebt ab

Grafik: Air Farce One - Der Goldpalast hebt ab

Donald Trump wollte das beeindruckendste Präsidentenflugzeug der Welt – und bekam einen fliegenden Palast mit Kronleuchter, Luxusausstattung und einer To-do-Liste für Sicherheitssysteme. Ronald Tramp begleitet den wohl teuersten Innenausbau der Luftfahrtgeschichte und fragt sich, ob hier ein Regierungsflugzeug oder ein fliegendes Fünf-Sterne-Hotel gestartet ist.

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Liebe Leser,

es gibt Präsidenten, die bestellen sich ein Dienstflugzeug.

Dann gibt es Donald Trump.

Der bestellt sich offenbar ein fliegendes Luxushotel, schaut einmal hinein, entdeckt Leder, Holz, Kronleuchter und vermutlich genügend Gold für drei Königspaläste – und ruft begeistert:

„Nehmen wir!“

Herzlich willkommen zur vermutlich teuersten Möbelhaus-Besichtigung der Weltgeschichte.

Ich stand natürlich selbst auf dem Rollfeld. Schließlich muss investigativer Journalismus dorthin, wo der Teppich dicker ist als der Verteidigungshaushalt kleiner Staaten.

Vor mir stand eine Boeing 747-8, einst für die katarische Königsfamilie eingerichtet.

Ein Schlafzimmer.

Eine Lounge.

Noch eine Lounge.

Edles Holz.

Leder.

Luxus überall.

Ich habe kurz nach der Minibar gesucht.

Die war wahrscheinlich bereits als „strategisch relevantes Regierungsobjekt“ eingestuft.

Trump soll sofort begeistert gewesen sein.

Und ehrlich:

Ich verstehe ihn sogar.

Wenn man jahrzehntelang mit einem Privatjet unterwegs war und dann auf eine Präsidentenmaschine aus den frühen Neunzigerjahren umsteigen soll, fühlt sich das ungefähr an, als würde man vom neuesten Smartphone auf ein Wählscheibentelefon wechseln.

Doch dann begann die eigentliche Geschichte.

Denn irgendwo zwischen Kronleuchter und Präsidentensiegel meldete sich plötzlich jemand mit einer äußerst unhöflichen Frage.

"Hat das Flugzeug eigentlich alle notwendigen Sicherheitssysteme?"

Was für eine Stimmungskiller-Frage.

Man betrachtet gerade einen fliegenden Palast.

Man diskutiert über Lederfarben.

Und plötzlich kommt jemand mit Raketenabwehr.

Typisch Sicherheitsleute.

Sie verderben einem wirklich jede Innenarchitektur.

Offenbar stellte sich heraus:

Das Flugzeug besitzt zwar Luxus bis zum Abwinken.

Aber einige der Sicherheitssysteme, die eine echte Air Force One normalerweise besitzt, fehlen.

Das erinnert mich an jemanden, der sich einen Ferrari kauft und anschließend feststellt:

"Moment mal … wo sind eigentlich die Bremsen?"

Daraufhin begann im Pentagon eine Betriebsamkeit, wie sie vermutlich zuletzt herrschte, als jemand versehentlich den Kaffeevorrat der gesamten US-Regierung gelöscht hatte.

Alle arbeiteten gleichzeitig.

Tag und Nacht.

Drei Schichten.

Hunderte Techniker.

Die Mission:

"Macht den Palast flugfähig. Und zwar sofort!"

Normalerweise dauert eine vollständige Modernisierung eines Präsidentenflugzeugs mehrere Jahre.

Hier sollte das Ganze in wenigen Monaten erledigt werden.

Ich kenne dieses Prinzip.

Es heißt:

"Wir haben keine Zeit, aber dafür einen sehr entschlossenen Chef."

Natürlich steigen dabei auch die Kosten.

Erst waren von rund 400 Millionen Dollar für den Umbau die Rede.

Dann kamen weitere Ausgaben.

Piloten mussten auf den neuen Flugzeugtyp umgeschult werden.

Zusätzliche Trainingsflugzeuge wurden gekauft.

Weitere Maschinen dienten als Ersatzteilspender.

Zwischendurch griff man sogar auf Haushaltsmittel zurück, die ursprünglich für ganz andere Programme vorgesehen waren.

Ich stelle mir das Haushaltsgespräch ungefähr so vor.

"Wo sind eigentlich fast eine Milliarde Dollar geblieben?"

"Fliegen."

"Wohin?"

"Nach oben."

Doch Geld scheint in dieser Geschichte ohnehin nur eine Nebenrolle zu spielen.

Denn Trump wollte vor allem eines:

Ein Flugzeug, das seiner Vorstellung vom Präsidentenamt gerecht wird.

Und wenn ich ehrlich bin:

Der Mann denkt eben nicht in Quadratmetern.

Er denkt in Flughöhen.

Besonders großartig fand ich seine Begründung.

Sinngemäß:

Wenn andere Staatschefs mit brandneuen Maschinen landen, könne Amerika doch nicht mit einem älteren Flugzeug erscheinen.

Das ist ungefähr so, als würde jemand sagen:

"Mein Nachbar hat einen größeren Grill. Also brauche ich jetzt einen Vulkan."

Natürlich klingt ein modernes Präsidentenflugzeug beeindruckend.

Doch spätestens als Experten erklärten, dass einige bewährte Sicherheitseinrichtungen fehlen oder vereinfacht wurden, wurde aus der Luxusgeschichte plötzlich ein Sicherheitsthema.

Unter anderem fehlten nach den Berichten bestimmte Einrichtungen, die speziell für Hochrisikosituationen vorgesehen sind.

Einige Systeme seien vereinfacht worden.

Andere überhaupt nicht eingebaut worden.

Das Weiße Haus betonte zwar, alles sei sicher.

Gleichzeitig kündigte man allerdings bereits weitere Modernisierungen für den Herbst an.

Das ist ungefähr so überzeugend wie:

"Das Auto ist absolut fertig."

"Warum steht es dann nächste Woche wieder drei Monate in der Werkstatt?"

"Kleine Schönheitskorrekturen."

Ich musste lachen.

Denn plötzlich bekam die ganze Geschichte etwas herrlich Widersprüchliches.

Der luxuriöseste Präsidentenjet der Welt soll noch luxuriöser, sicherer und moderner werden.

Also wird der neue Präsidentenjet vorübergehend außer Dienst gestellt.

Damit er endlich richtig fertig wird.

Herrlich.

Am meisten beeindruckte mich allerdings die Farbfrage.

Die klassische Air Force One trägt seit den Zeiten John F. Kennedys ihr elegantes Hellblau.

Trump fand dieses Hellblau offenbar zu langweilig.

Er wollte kräftige Farben.

Rot.

Dunkelblau.

Mehr Gold.

Wesentlich mehr Gold.

Ich habe den Verdacht, würde man ihm freie Hand lassen, bekäme das Flugzeug zusätzlich vergoldete Turbinen, diamantbesetzte Tragflächen und einen Getränkehalter aus massivem Marmor.

Selbstverständlich mit Präsidentensiegel.

Denn irgendwo muss der Kaffee schließlich stilvoll stehen.

Und genau hier liegt das eigentliche Geheimnis dieser Geschichte.

Es geht gar nicht nur um ein Flugzeug.

Es geht um Symbolik.

Für Trump soll die Air Force One nicht einfach fliegen.

Sie soll Eindruck machen.

Sie soll Größe ausstrahlen.

Sie soll schon beim Rollen zur Startbahn verkünden:

"Hier kommt Amerika."

Ob das Flugzeug dabei gleichzeitig sämtliche technischen Wunschlisten erfüllt, ist plötzlich fast schon eine Nebensache.

Ich verabschiedete mich schließlich vom Rollfeld.

Die Sonne spiegelte sich auf dem glänzenden Rumpf.

Techniker liefen geschäftig um die Maschine.

Ingenieure diskutierten über Systeme.

Politiker diskutierten über Kosten.

Und irgendwo unterschrieb Donald Trump vermutlich gerade mit einem schwarzen Filzstift eine weitere Flugzeugverkleidung.

Ich dachte mir nur:

Es gibt Flugzeuge, die bringen Menschen sicher ans Ziel.

Es gibt Flugzeuge, die beeindrucken.

Und dann gibt es Flugzeuge, die gleichzeitig Präsidentenpalast, Prestigeprojekt und politische Dauerbaustelle sind.

Genau diese Kategorie scheint Donald Trump erfunden zu haben.

Vielleicht bekommt die Maschine deshalb irgendwann doch noch ihren endgültigen Namen.

Nicht Air Force One.

Sondern:

Air Farce One.Nach meiner Rückkehr wurde mir klar, dass dieses Flugzeug eigentlich perfekt zur modernen Politik passt.

Früher fragte man bei Präsidentenmaschinen:

"Wie weit kommt sie?"

Heute lautet die Frage offenbar:

"Wie viele Lounges hat sie?"

Früher wollte man wissen, wie lange die Maschine ohne Auftanken fliegen kann.

Heute interessiert viele eher, ob der Kronleuchter während Turbulenzen schwingt oder ob das Leder farblich zum Präsidentensiegel passt.

Ich stelle mir bereits die nächste Pressekonferenz vor.

Reporter:

"Herr Präsident, besitzt das Flugzeug inzwischen alle vorgesehenen Sicherheitssysteme?"

Trump:

"Haben Sie den Teppich gesehen? Großartig. Fantastischer Teppich. Wahrscheinlich der beste Teppich, der jemals über den Atlantik geflogen ist."

Und irgendwo daneben sitzt ein Luftwaffeningenieur mit drei Aktenordnern voller technischer Zeichnungen und denkt sich:

"Eigentlich wollte ich heute nur über Stromversorgung und Raketenabwehr sprechen..."

Vielleicht ist genau das die eigentliche Moral dieser Geschichte.

Ein Präsident braucht selbstverständlich ein sicheres Flugzeug.

Ein modernes Flugzeug.

Ein zuverlässiges Flugzeug.

Doch sobald Luxus, Prestige und persönliche Vorstellungen gemeinsam an Bord gehen, wird aus einem Regierungsprojekt plötzlich eine fliegende Mischung aus Sicherheitskonferenz, Innenarchitekturmesse und Reality-TV.

Ich wünsche der neuen Maschine deshalb allzeit guten Flug.

Und vor allem viele sichere Landungen.

Denn egal wie glänzend der Lack, wie edel das Holz oder wie groß der Kronleuchter sein mögen – am Ende zählt bei einem Präsidentenflugzeug immer noch dieselbe alte Regel:

Lieber unauffällig sicher als spektakulär schlagzeilenträchtig.

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Tags: USA Donald Trump Air Force One Katar Luxusjet Präsidentenflugzeug Boeing 747-8
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