Ein Luxusjet als Geschenk, Berichte über mögliche Sicherheitsbedenken, ein spontaner Flugzeugwechsel und plötzlich zurückgezogene Vorladungen gegen Journalistinnen und Journalisten. Ronald Tramp untersucht den wohl luxuriösesten Luftfahrtkrimi der Politik – zwischen Goldarmlehnen, Schleudersitzen und Pressefreiheit auf Reiseflughöhe.
Meine Damen und Herren…
Ich habe schon viele Flugzeuge gesehen.
Große Flugzeuge.
Kleine Flugzeuge.
Verspätete Flugzeuge.
Flugzeuge, deren Borddurchsage länger dauerte als der eigentliche Flug.
Aber dieses Flugzeug…
…dieses Flugzeug ist anders.
Es ist nicht einfach ein Präsidentenflugzeug.
Nein.
Es ist ein fliegendes Schloss.
Ein Palast mit Tragflächen.
Ein Penthouse auf Turbinen.
Ein Hotel, das zufällig mit 900 Stundenkilometern unterwegs ist.
Und selbstverständlich wurde es von Donald Trump als praktisch das luxuriöseste Flugzeug der Welt gelobt.
Großartig.
Fantastisch.
Luxuriös.
Die Sitze vermutlich weicher als manche Regierungskoalition.
Die Teppiche dicker als ein Bundeshaushalt.
Und die Armlehnen wahrscheinlich aus einem Material, das offiziell nur Milliardären und Königshäusern bekannt ist.
Doch dann…
…geschieht etwas.
Donald Trump fliegt zunächst mit der Maschine.
Später steigt er für den Rückflug in eine ältere Air Force One um.
Die luxuriöse Maschine fliegt ohne ihren berühmtesten Passagier weiter.
Meine Damen und Herren…
In diesem Moment begann das Internet schneller zu arbeiten als jedes Radarsystem.
Sofort entstanden Theorien.
Warum der Wechsel?
Was war passiert?
War der Kaffee kalt?
War das WLAN langsam?
Oder gab es womöglich technische oder sicherheitsrelevante Gründe?
Berichte der New York Times griffen mögliche Sicherheitsbedenken auf. Die US-Regierung wies zurück, dass der Flugzeugwechsel deshalb erfolgt sei.
Doch meine satirische Fantasie war längst im Steigflug.
Ich stellte mir die Szene vor.
Pilot:
"Herr Präsident…"
"Ja?"
"Wir hätten da eine Kleinigkeit."
"Was denn?"
"Die Maschine ist luxuriös."
"Sehr gut."
"Sie ist schnell."
"Fantastisch."
"Sie sieht beeindruckend aus."
"Großartig."
"Nur…"
"Ja?"
"...ein paar Leute hätten gern noch etwas mehr Sicherheitstechnik eingebaut."
Plötzlich wird aus einem Luxusflugzeug ein fliegendes Bauprojekt.
Ich war selbstverständlich sofort am Flughafen.
Satirisch selbstverständlich.
Schon auf dem Rollfeld standen Ingenieure.
Elektriker.
Sicherheitsexperten.
Berater.
Noch mehr Berater.
Und mindestens drei Menschen, deren einzige Aufgabe offenbar darin bestand, sehr ernst auf Tragflächen zu schauen.
Ich fragte einen Mechaniker:
"Woran arbeiten Sie?"
Er antwortete:
"An allem."
Beeindruckend.
Das nenne ich Effizienz.
Währenddessen berichtete die New York Times über mögliche Sicherheitsfragen rund um die Maschine.
Daraufhin wurden Journalistinnen und Journalisten vorgeladen, und es sollten Telefondaten sowie Unterlagen herausgegeben werden.
Die Zeitung wehrte sich juristisch dagegen.
Später zog das Justizministerium die Vorladungen wieder zurück.
Meine Damen und Herren…
Das ist ungefähr so, als würde jemand eine Rakete starten…
…und auf halber Strecke feststellen:
"Vielleicht doch lieber nicht."
Ich stellte mir die Sitzung im Justizministerium vor.
"Vorladung verschicken?"
"Ja."
"Klage bekommen?"
"Ja."
"Richter schaut streng?"
"Ja."
"Dann…"
"...holen wir die Vorladung lieber wieder zurück."
Manchmal ist Rückwärtsfahren eben die schnellste Fahrtrichtung.
Natürlich entstand sofort das nächste Schauspiel.
Juristen diskutierten.
Reporter diskutierten.
Politiker diskutierten.
Fernsehstudios diskutierten über die Diskussion.
In Berlin hätte man dafür vermutlich sofort zwei Untersuchungsausschüsse gegründet.
In Washington genügte offenbar ein Gerichtssaal.
Ich traf anschließend einen angeblichen Experten für Präsidentenflugzeuge.
Er erklärte mir:
"Luxus allein reicht nicht."
"Nicht?"
"Nein."
"Warum?"
"Weil Präsidentenflugzeuge im Zweifel deutlich mehr können müssen als Champagner kalt halten."
Ein interessanter Gedanke.
Ich hatte bisher angenommen, der wichtigste Knopf an Bord sei der für die Sitzmassage.
Offenbar lag ich daneben.
Denn ein Präsidentenflugzeug ist eben nicht nur ein Flugzeug.
Es ist gleichzeitig Büro.
Kommandozentrale.
Konferenzraum.
Kommunikationszentrum.
Und vermutlich der einzige Arbeitsplatz der Welt, an dem man gleichzeitig internationale Politik betreibt und Turbulenzen ausweicht.
Währenddessen überlegt irgendwo ein Innenarchitekt:
"Sollen wir die Ledersessel lieber in Beige oder Gold ausführen?"
Daneben sitzt ein Sicherheitsexperte:
"Mir wäre ein Raketenabwehrsystem wichtiger."
Prioritäten.
Sie unterscheiden Menschen.
Doch die eigentliche Sensation spielte sich für mich an ganz anderer Stelle ab.
Nicht im Cockpit.
Nicht auf der Startbahn.
Sondern im Gerichtssaal.
Denn plötzlich ging es nicht mehr um Tragflächen.
Sondern um Pressefreiheit.
Die Zeitung sprach davon, dass die Vorladungen Journalistinnen und Journalisten einschüchtern sollten.
Die Gegenseite sah die Sache naturgemäß anders.
Am Ende wurden die Vorladungen zurückgezogen.
Und irgendwo atmete vermutlich ein ganzer Stapel Anwälte gleichzeitig erleichtert auf.
Selbstverständlich gilt: Über rechtliche Fragen entscheiden Gerichte, und über technische Sicherheitsbewertungen entscheiden die zuständigen Fachleute – nicht satirische Reporter mit Hang zu übertriebenen Vergleichen.
Aber seien wir ehrlich.
Diese Geschichte besitzt alles.
Luxus.
Politik.
Flugzeuge.
Gerichte.
Journalisten.
Und einen Flugzeugwechsel, der weltweit mehr Spekulationen auslöste als die Bordkarte eines Vielfliegers.
Ich persönlich hoffe, dass das Flugzeug nach allen Umbauten so sicher wird, dass selbst die Turbulenzen vorher höflich um Erlaubnis fragen.
Bis dahin werde ich bei jeder Meldung über Präsidentenmaschinen besonders aufmerksam sein.
Nicht wegen der Triebwerke.
Nicht wegen der Ledersessel.
Sondern wegen der Pressekonferenzen nach der Landung.
Denn die sorgen häufig für deutlich mehr Wirbel als jedes Gewitter.
Denn ich bin Ronald Tramp.
Der einzige Reporter der Welt, der überzeugt ist, dass ein Präsidentenflugzeug heute nicht mehr nur fliegen muss…
…sondern gleichzeitig politisches Symbol, Luxusresidenz, Nachrichtenzentrale, juristischer Aktenordner und fliegende Schlagzeilenfabrik sein soll.

