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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Der kühlste Drogentest aller Zeiten

Grafik: Ronald Tramp: Der eiskalte Toilettentrick

Ein Autofahrer wollte eine Polizeikontrolle mit einem ebenso kreativen wie eiskalten Toilettentrick austricksen. Ronald Tramp rekonstruiert den wohl nassesten Kriminalfall des Jahres – zwischen Kloschüssel, Thermodynamik und einer Flucht vor der Wahrheit, die schon an der Wassertemperatur scheiterte.

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Meine Damen und Herren…

Es gibt Menschen, die entwickeln in Stresssituationen erstaunliche Ideen.

Andere vergessen ihren Autoschlüssel.

Wieder andere suchen hektisch nach ihrem Führerschein.

Und dann gibt es offenbar jene seltene Spezies, die während einer Polizeikontrolle denkt:

"Moment mal… ich nehme einfach Wasser aus der Toilette!"

Meine Damen und Herren…

Das ist kein Plan.

Das ist ein Bewerbungsschreiben für die Darwin-Akademie der Kreativität.

Natürlich musste ich sofort nach Neustadt an der Weinstraße reisen.

Satirisch selbstverständlich.

Schon am Ort des Geschehens spürte ich die historische Bedeutung.

Hier hatte jemand versucht, die moderne Forensik mit Sanitärtechnik zu überlisten.

Ein mutiger Ansatz.

Leider ungefähr so erfolgversprechend wie Fallschirmspringen mit einem Regenschirm.

Die Polizei bat den Fahrer um eine Urinprobe.

Soweit völlig normal.

Doch irgendwo im Kopf des Mannes begann offenbar eine hochkomplexe Denkmaschine zu arbeiten.

"Was, wenn…"

"…ich gar keinen Urin abgebe?"

"Was, wenn…"

"…Wasser auch irgendwie flüssig ist?"

Genial.

Fast.

Denn Physik besitzt eine unangenehme Eigenschaft.

Sie diskutiert nicht.

Nach Angaben der Polizei fiel der Schwindel auf, weil Toilettenwasser – anders als frisch abgegebener Urin – kalt ist.

Kalt!

Die gesamte Geheimoperation scheiterte also letztlich an der Temperatur.

Isaac Newton wäre stolz gewesen.

Oder zumindest leicht verwirrt.

Ich stellte mir den Moment vor.

Polizist Nummer eins blickt auf den Becher.

Polizist Nummer zwei hebt vorsichtig eine Augenbraue.

"Kommt dir das auch etwas… kühl vor?"

"Ja."

"Sehr kühl."

"Vielleicht sogar…"

"...Kloschüssel?"

Plötzlich wird aus einer Verkehrskontrolle ein naturwissenschaftliches Seminar.

Thema:

Thermodynamik für Fortgeschrittene.

Doch das Beste kommt erst noch.

Der Mann soll den Trick nicht nur einmal versucht haben.

Nicht zweimal.

Nein…

…gleich zweimal hintereinander.

Das nennt man Durchhaltevermögen.

Oder bemerkenswerte Hoffnung.

Beim dritten Versuch achteten die Beamten schließlich darauf, dass tatsächlich eine echte Probe abgegeben wurde.

Ergebnis:

Kokain.

Cannabis.

Und zuvor bereits rund 0,81 Promille Alkohol.

Mit anderen Worten:

Die Liste war länger als die Zutaten eines Energy-Drinks.

Ich begann zu verstehen, warum die Geschichte bundesweit Schlagzeilen machte.

Doch damit war die Vorstellungskraft des Fahrers offenbar noch lange nicht erschöpft.

Denn auf die Frage nach dem Führerschein präsentierte er laut Polizei…

…das Foto des Führerscheins eines Angehörigen.

Nicht seinen eigenen.

Ein Foto.

Von einem anderen.

Ich stelle mir den Dialog vor.

"Haben Sie Ihren Führerschein?"

"Nicht direkt."

"Dann zeigen Sie ihn bitte."

"Hier."

"Das ist ein Handyfoto."

"Ja."

"Von jemand anderem."

"Auch richtig."

"Sie wissen schon, dass wir das merken?"

"War einen Versuch wert."

Meine Damen und Herren…

Irgendwann muss man Kreativität einfach anerkennen.

Nicht als Strategie.

Aber als Unterhaltungswert.

Ich traf später einen selbsternannten Experten für spontane Ausreden.

Er erklärte mir das Grundprinzip.

"Je größer das Problem…"

"...desto größer die Idee."

"Aha."

"Und wenn die Idee nicht funktioniert?"

"Dann kommt sofort die nächste."

"Und danach?"

"Dann hofft man auf ein Wunder."

Berlin nennt das Koalitionsverhandlung.

Die Polizei nennt es vermutlich Ermittlungsverfahren.

Ich stellte mir inzwischen eine neue Fernsehshow vor.

"Deutschlands kreativste Ausreden."

Folge eins:

"Der Hund hat meinen Führerschein gefressen."

Folge zwei:

"Mein Auto fuhr ganz allein."

Folge drei:

"Das kalte Wasser identifiziert sich heute als Urin."

Jury:

Ein Richter.

Ein Chemielehrer.

Und ein Installateur.

Der Installateur gewinnt.

Denn er erkennt sofort den Unterschied zwischen Spülwasser und allem anderen.

Natürlich entwickelte meine Fantasie sofort eine geheime Verschwörung.

Was wäre, wenn Toiletten künftig mit eingebautem Heizsystem ausgestattet würden?

Nicht für Komfort.

Sondern für besonders ambitionierte Schummler.

Doch dann meldete sich der Bundesverband der Thermometer entschieden zu Wort.

"Nicht mit uns!"

Der Plan war gescheitert.

Wieder einmal rettete einfache Physik den Rechtsstaat.

Ich war tief beeindruckt.

Während künstliche Intelligenz immer schlauer wird…

…scheitern manche Menschen weiterhin an der Temperatur von Wasser.

Das hat fast etwas Beruhigendes.

Selbstverständlich gilt: Die im Polizeibericht geschilderten Vorwürfe ersetzen kein gerichtliches Urteil. Über strafrechtliche Folgen entscheiden die zuständigen Gerichte. Für diese Satire dient der geschilderte Sachverhalt lediglich als Ausgangspunkt für humorvolle Überzeichnungen.

Am Ende bleibt jedoch eine Erkenntnis.

Wenn ein Plan gleichzeitig Toilettenwasser, einen fremden Führerschein, Alkohol, Kokain und Cannabis enthält…

…dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Tag nicht optimal endet.

Der Fahrzeugschlüssel wurde schließlich einem Bekannten übergeben.

Wahrscheinlich der vernünftigste Satz in der gesamten Geschichte.

Ich hoffe nur, dieser Bekannte musste sich nicht ebenfalls mit einem Becher und einem Thermometer ausweisen.

Denn ich bin Ronald Tramp.

Der einzige Reporter Deutschlands, der überzeugt ist, dass die wichtigste Erfindung der modernen Polizeiarbeit weder Radar noch Blaulicht ist…

…sondern gesunder Menschenverstand kombiniert mit einem funktionierenden Temperaturgefühl.

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Tags: Polizei Verkehrskontrolle Rheinland-Pfalz Toilettentrick Drogentest
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