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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Der große Affen-Ausbruch: Erst Freiheit, dann freiwillig zurück zum Buffet

Grafik: Ronald Tramp und der Affe ohne Fluchtplan

Ein Berberaffe flieht aus seinem Quartier in Ueckermünde, trotzt Polizei und Fangkommandos, erkundet Straße und Baumwipfel – und kehrt schließlich freiwillig zurück. Ronald Tramp rekonstruiert die kürzeste Revolution Mecklenburg-Vorpommerns.

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Meine Damen und Herren, hier spricht Ronald Tramp, der beste Reporter für internationale Krisen, nationale Katastrophen und Tiere, die offensichtlich bessere Fluchtpläne besitzen als manche Geheimdienste.

Heute geht es nach Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern. Eine wunderschöne Gegend. Sehr viel Landschaft, sehr viel Ruhe und seit Mittwoch auch ein Berberaffe mit uneingeschränkter Bewegungsfreiheit.

Das Tier war beim Füttern aus seiner Quarantäne entkommen. Beim Füttern! Ein klassischer Zeitpunkt. Während alle auf den Napf schauten, schaute der Affe auf die offene Welt. Hervorragende Ablenkung. Professionell geplant. Vielleicht monatelang vorbereitet. Niemand weiß es.

Man reichte vermutlich eine Banane hinein, drehte sich für zwei Sekunden um – und schon begann „Mission Affenfreiheit“.

Der Berberaffe schlüpfte aus seinem Quartier, überwand die Sicherheitszone und verschwand in Richtung Ueckermünde. Kein Alarmknopf, kein Fluchtauto, kein Hubschrauber. Nur vier Gliedmaßen, ein entschlossener Gesichtsausdruck und das Selbstvertrauen eines Tieres, das wusste: Unter den Einsatzkräften kann niemand so gut klettern wie ich.

Es war möglicherweise der spektakulärste Ausbruch in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns, zumindest seit jemand bei einer Gemeinderatssitzung vorzeitig den Saal verlassen hat.

Die Polizei wurde informiert. Zeugen meldeten den Affen auf einer Straße. Das muss ein großartiger Moment gewesen sein. Man fährt morgens ganz normal zur Arbeit, denkt über Rechnungen, Termine und das Wetter nach – und plötzlich sitzt dort ein Berberaffe, der aussieht, als wolle er die Verkehrsführung persönlich überprüfen.

Vielleicht wartete er an einer Kreuzung. Vielleicht suchte er eine Bushaltestelle. Vielleicht betrachtete er die Straßen und dachte: „Dafür bin ich ausgebrochen?“

Niemand weiß es genau.

Mehrere Versuche, das Tier einzufangen, scheiterten. Natürlich scheiterten sie. Man fängt einen Berberaffen nicht einfach so. Das ist kein entlaufener Einkaufswagen. Der Affe sah Menschen mit Netzen, Kisten und sehr ernsten Gesichtern auf sich zukommen und erkannte sofort: Das ist entweder eine Festnahme oder ein besonders schlecht organisierter Betriebsausflug.

Also verschwand er.

Die Einsatzkräfte rückten an, entwickelten Strategien und planten möglicherweise Zangenbewegungen. Doch das männliche Tier hatte einen entscheidenden Vorteil: Es kann Bäume benutzen.

Das ist in modernen Polizeihandbüchern offenbar weiterhin eine taktische Lücke.

Am Abend wurde der Ausbrecher erneut auf einem Baum gesichtet. Hoch oben saß er und betrachtete die Lage. Unten standen wahrscheinlich Menschen, blickten nach oben und diskutierten darüber, wer jetzt was tun müsse.

Der Affe erlebte damit in wenigen Stunden das vollständige deutsche Verwaltungssystem: Erst wurde er beobachtet, dann wurde eine Zuständigkeit geprüft, danach verschwand er aus dem Erfassungsbereich.

Ich stelle mir vor, wie ein Polizist unter dem Baum ruft: „Kommen Sie bitte herunter!“

Und der Berberaffe antwortet mit diesem ganz speziellen Blick, den Affen hervorragend beherrschen. Ein Blick, der sagt: „Sie haben keine Leiter, keinen Plan und ich habe gerade Ihre Banane gegessen.“

Eine beeindruckende Verhandlungssituation.

Der Affe war allerdings nicht aus einem gewöhnlichen Gehege ausgebrochen. Er befand sich in Quarantäne und sollte vor seinem geplanten Transport in einen spanischen Zoo beobachtet werden.

Spanien! Sonne, Wärme, mediterranes Klima und vermutlich Obst mit deutlich besserer Bräunung. Ein attraktives Reiseziel. Viele Deutsche buchen Spanien freiwillig, bezahlen Flugtickets, reservieren Liegen und stehen um fünf Uhr morgens auf, um ein Handtuch am Pool zu platzieren.

Der Berberaffe hingegen sollte kostenlos dorthin gebracht werden – und floh vorher nach Ueckermünde.

Eine mutige Entscheidung. Vielleicht sogar die erste dokumentierte Ablehnung eines kostenlosen Spanienurlaubs aus klimatischen Gründen zugunsten einer Straße in Vorpommern.

Möglicherweise hatte ihm niemand erklärt, wohin die Reise gehen sollte. Vielleicht hörte er nur „Transport“, „Kiste“ und „Beobachtung“ und dachte: „Das klingt nicht nach All-inclusive.“

Also beschloss er, seinen eigenen Reiseveranstalter zu gründen.

Das Programm war abwechslungsreich: Spaziergang durch Ueckermünde, Besichtigung einer öffentlichen Straße, sportliche Klettertour, anschließend Übernachtung in unbekannter Lage. Verpflegung unklar. Gepäck: keines. Reiseversicherung: vermutlich auch keine.

Doch am Donnerstag geschah das Unglaubliche: Der Affe kehrte von ganz allein zurück.

Freiwillig!

Keine spektakuläre Festnahme. Kein Einsatzkommando. Kein dramatischer Zugriff mit Hubschrauber, Wärmebildkamera und zehn Kilogramm Bananen. Der Flüchtige marschierte einfach wieder nach Hause.

Das ist eine schallende Ohrfeige für sämtliche Fangversuche. Einen ganzen Tag lang versuchten Menschen, ihn einzufangen. Am Ende fing er sich selbst.

Warum kam er zurück?

Vielleicht hatte er Heimweh. Vielleicht war es ihm draußen zu kalt. Vielleicht fand er keinen freien Baum mit Frühstücksservice. Vielleicht stellte er fest, dass Freiheit zwar großartig klingt, aber in Mecklenburg-Vorpommern nicht überall beheizt ist.

Sehr wahrscheinlich erinnerte er sich auch an die regelmäßige Fütterung. Freiheit ist schön, meine Damen und Herren, aber eine pünktlich servierte Banane besitzt enorme politische Überzeugungskraft.

Der Affe hatte draußen vermutlich seinen ersten Blick auf die moderne Gesellschaft geworfen. Menschen mit Smartphones, Autos, Termindruck und schlechter Laune. Danach dachte er möglicherweise: „Moment mal – ich hatte ein Gehege, Essen, medizinische Betreuung und demnächst eine Reise nach Spanien. Warum genau bin ich gegangen?“

Ein kluger Affe erkennt einen schlechten Deal.

Vielleicht hatte er auch versucht, in Ueckermünde eine Wohnung zu finden. Nach dem dritten Besichtigungstermin, der ersten Mieterselbstauskunft und der Frage nach den letzten drei Gehaltsabrechnungen ging er direkt zurück in die Quarantäne.

„Haben Sie Haustiere?“

„Ich bin das Haustier.“

An dieser Stelle zeigt sich, wie überlegen der Berberaffe vielen politischen Entscheidungsträgern ist. Er probierte eine Idee aus, stellte fest, dass sie nicht funktioniert, und kehrte freiwillig zum Ausgangspunkt zurück.

Kein Untersuchungsausschuss. Keine Pressekonferenz. Keine Schuldzuweisung an die Vorgängerregierung. Kein Beratervertrag über 800.000 Euro zur Klärung der Frage, warum er auf dem Baum saß.

Er kam einfach zurück.

Stellen Sie sich vor, dieses Prinzip würde in der Politik eingeführt: Jemand verlässt den vernünftigen Weg, rennt einen Tag lang durch die Gegend, sitzt abends ratlos auf einem Baum und erscheint am nächsten Morgen wieder im Büro mit dem Gesichtsausdruck: „War keine gute Idee.“

Wir hätten eine völlig neue politische Kultur.

Natürlich muss jetzt untersucht werden, wie die Flucht möglich war. Vermutlich entsteht ein Sicherheitskonzept. Höhere Zäune, doppelte Türen, Kameras, Bewegungsmelder und ein verpflichtendes Rückkehrformular für ausreisewillige Primaten.

Vielleicht erhält der Affe sogar eine elektronische Fußfessel. Wobei er sie wahrscheinlich innerhalb von vier Minuten abmontiert und gegen eine Banane eintauscht.

Auch die geplante Spanienreise dürfte nach diesem Vorfall interessanter werden. Der Transportbehälter wird vermutlich dreifach gesichert. Zwei Tierpfleger begleiten ihn. Am Flughafen wird sein Pass besonders gründlich kontrolliert.

„Reisezweck?“

„Zooumzug.“

„Haben Sie vor, in Spanien zu bleiben?“

Der Affe schaut zur nächsten Palme und schweigt.

Ich persönlich halte ihn für einen außergewöhnlichen Strategen. Er testete die örtliche Sicherheitsarchitektur, entzog sich mehreren Zugriffen, wechselte zwischen Straße, unbekanntem Aufenthaltsort und Baumposition und beendete die Operation schließlich nach eigenem Ermessen.

Das ist keine Flucht. Das ist eine externe Qualitätsprüfung.

Der Tierpark sollte dankbar sein. Andere Unternehmen bezahlen Sicherheitsberater enorme Summen, damit sie Schwachstellen finden. Dieser Berberaffe erledigte den Penetrationstest kostenlos – vermutlich nur gegen Futter.

Er ist damit praktisch der erste tierische Cybersecurity-Experte Mecklenburg-Vorpommerns, nur ohne Computer und mit wesentlich besserer Klettertechnik.

Am Ende kehrte der Ausbrecher genau dorthin zurück, wo alles begonnen hatte. Vielleicht empfing ihn das Personal erleichtert. Vielleicht stand sein Futter bereits bereit. Vielleicht tat er so, als sei überhaupt nichts passiert.

Das wäre der größte Triumph.

Einfach hineingehen, hinsetzen und den Menschen vermitteln: „Ich war nie weg. Ihr habt nur an der falschen Stelle gesucht.“

Hier war Ronald Tramp – live aus Ueckermünde, wo ein Affe die Freiheit ausprobierte, die Zivilisation besichtigte und sich anschließend für kostenlose Verpflegung und Spanien entschied.

Ein sehr kluges Tier. Vielleicht das klügste Tier. Viele Leute sagen das.

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Tags: Polizei Mecklenburg-Vorpommern Tierpark Spanien Affenflucht Ueckermünde Berberaffe
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