Elon Musk, das ZDF und ein Streit, der größer wirkt als manche internationale Krise. Ronald Tramp berichtet über den vielleicht lautesten Medienkonflikt des Jahres.
Von Ronald Tramp
Meine Damen und Herren,
halten Sie Ihre Raumhelme fest.
Die nächste große Schlacht der Menschheitsgeschichte hat begonnen.
Vergessen Sie Star Wars.
Vergessen Sie den Kalten Krieg.
Vergessen Sie den Kampf zwischen Android und iPhone.
Wir erleben nun etwas viel Größeres:
Elon Musk gegen das ZDF.
Auf der einen Seite:
Der reichste Mann des Planeten.
Raketenbauer.
Autoverkäufer.
Satellitenaufsteller.
Mars-Besiedlungsbeauftragter in Eigenregie.
Eigentümer einer Social-Media-Plattform.
Mann mit mehr Followern als manche Staaten Einwohner haben.
Auf der anderen Seite:
Das ZDF.
Eine Organisation, die selbst nach Jahrzehnten deutscher Digitalisierung noch zuverlässig weiß, wie man eine Mediathek möglichst kompliziert gestaltet.
Ein titanischer Kampf.
David gegen Goliath.
Wobei diesmal beide behaupten, David zu sein.
Auslöser des Konflikts war eine Berichterstattung über Äußerungen Musks im Zusammenhang mit Protesten in Nordirland.
Plötzlich flogen Vorwürfe durch die digitale Atmosphäre.
Anschuldigungen wurden formuliert.
Tweets wurden geschrieben.
Tweets wurden zitiert.
Tweets über Tweets wurden getwittert.
Irgendwann verlor vermutlich sogar das Internet selbst den Überblick.
Dann betrat Elon Musk die Bühne.
Oder genauer gesagt:
Sein Smartphone.
Dort erklärte er, gegen das ZDF wegen angeblicher „ungeheuerlicher Lügen“ rechtlich vorgehen zu wollen.
Ein Satz, der ungefähr dieselbe Wirkung hatte wie ein Feuerwerk in einer Tankstelle.
Binnen Sekunden explodierte die Diskussion.
Unterstützer Musks jubelten.
Kritiker Musks jubelten ebenfalls.
Journalisten analysierten.
Kommentatoren kommentierten.
Experten erklärten die Kommentare der Kommentatoren.
Und irgendwo saß vermutlich ein Praktikant und musste 18.000 neue Social-Media-Beiträge auswerten.
Eine Tragödie moderner Arbeitswelt.
Besonders faszinierend ist die Größenordnung.
Denn normale Menschen lösen Missverständnisse durch Gespräche.
Man ruft an.
Man schreibt eine Mail.
Man trifft sich auf einen Kaffee.
Milliardäre hingegen eröffnen direkt ein neues Kapitel der Weltgeschichte.
Wenn Elon Musk ein Problem mit einem Bericht hat, wirkt es sofort so, als würde sich ein Asteroid auf Kollisionskurs mit einer Rundfunkanstalt befinden.
Das hat Stil.
Das hat Größe.
Das hat mindestens drei Netflix-Dokumentationen verdient.
Währenddessen meldete sich auch der Publizist Julian Reichelt zu Wort.
Er kritisierte die Berichterstattung und bezeichnete das ZDF als „Festung der Lügen“.
Ein Ausdruck, der klingt, als würde irgendwo ein mittelalterliches Schloss aus Pressemitteilungen und Rundfunkbeiträgen existieren.
Man stellt sich sofort Zugbrücken aus Gebührenbescheiden vor.
Wachtürme voller Nachrichtenredakteure.
Katapulte, die Faktenchecks verschießen.
Und davor Elon Musk auf einem futuristischen Cybertruck, flankiert von einer Armee aus Robotern und X-Nutzern.
Ein beeindruckendes Bild.
Hollywood, bitte mitschreiben.
Doch die eigentliche Satire liegt woanders.
Denn während sich die Beteiligten gegenseitig Vorwürfe machen, sitzt der durchschnittliche Bürger zuhause und versucht zu verstehen, worum es eigentlich geht.
Dieser Prozess dauert inzwischen länger als manche Bundestagsdebatte.
Die einen sagen dies.
Die anderen sagen das.
Wieder andere sagen, die einen hätten gesagt, dass die anderen etwas gesagt hätten.
Das moderne Informationszeitalter ist eine fantastische Erfindung.
Früher brauchte man Monate, um Verwirrung zu stiften.
Heute reicht eine Kaffeepause.
Dabei ist Elon Musk längst zu einer Art digitalem Naturereignis geworden.
Früher gab es Gewitterwarnungen.
Heute gibt es Musk-Warnungen.
„Achtung. Elon hat wieder etwas gepostet.“
Sofort geraten Redaktionen weltweit in Alarmbereitschaft.
Server laufen heiß.
Talkshows werden vorbereitet.
Journalisten bestellen Pizza.
Und irgendwo beginnt bereits jemand mit dem Schreiben eines Leitartikels.
Das Ganze erinnert an eine moderne Version eines Westerns.
Auf der einen Straßenseite steht das ZDF.
Auf der anderen Elon Musk.
Dazwischen wirbelt digitaler Staub.
Im Hintergrund spielen Algorithmen Mundharmonika.
Und alle warten darauf, wer zuerst den nächsten Post absetzt.
Besonders beeindruckend ist die internationale Dimension.
Früher stritten Menschen über Gartenzäune.
Heute streiten sich globale Medienhäuser und Milliardäre über Aussagen, die in Sekunden um die Welt gehen.
Der Streit reist schneller als jedes Flugzeug.
Wahrscheinlich sogar schneller als Musks eigene Raketen.
Und genau deshalb liebe ich das moderne Zeitalter.
Es ist niemals langweilig.
Niemals.
Wo sonst könnte ein südafrikanisch-amerikanischer Tech-Milliardär, ein deutscher Fernsehsender, ein britischer Aktivist, ein deutscher Publizist und Millionen Nutzer gleichzeitig in dieselbe Schlagzeile geraten?
Nur im Internet.
Dem größten Zirkus der Menschheitsgeschichte.
Am Ende werden vermutlich Anwälte gewinnen.
Anwälte gewinnen immer.
Sie sind die einzigen Menschen, die bei einem Streit garantiert beschäftigt werden.
Und während die Juristen ihre Akten sortieren, werde ich, Ronald Tramp, weiterhin das Geschehen beobachten.
Mit Popcorn.
Mit Sonnenbrille.
Und mit der festen Überzeugung, dass die nächste Schlagzeile bereits unterwegs ist.
Wahrscheinlich direkt von Elon Musks Smartphone.
Oder vom ZDF.
Oder von einem Algorithmus, der inzwischen selbst nicht mehr weiß, warum er aufgeregt ist.
Willkommen im Jahr 2026.

