Nach dem Streit um eine Wahlparty muss die AfD ihre Bundesgeschäftsstelle schrittweise räumen. Ronald Tramp begleitet die Suche nach einem Innenhof mit ausdrücklicher Partyerlaubnis.
Meine Damen und Herren, hier spricht Ronald Tramp, und ich habe eine Nachricht aus Berlin, die so schön ist, dass ich sie erst für Satire hielt. Die AfD muss einen großen Teil ihrer Bundesgeschäftsstelle räumen. Ein neues Hauptquartier ist nach Angaben ihres Sprechers noch nicht gefunden; Mitarbeitende arbeiten vorerst von zu Hause. Die Partei, die ständig über Heimat redet, entdeckt das Homeoffice.
Auslöser des Streits war eine Wahlparty im Innenhof des gemieteten Gebäudes. Die AfD beleuchtete dabei auch die Fassade mit ihrem Parteilogo. Das Landgericht Berlin II stellte fest, dass Hof und Fassade nicht mitgemietet waren und die Nutzung einer Genehmigung bedurft hätte. Die vom Vermieter verlangte fristlose Kündigung hielt das Gericht mangels vorheriger Abmahnung allerdings für unwirksam. Geräumt werden muss aufgrund vertraglicher Sonderkündigungsrechte: je nach Mietfläche zu verschiedenen Terminen bis Ende des Jahres.
Ich finde, in dieser Geschichte steckt alles, was große Politik braucht: eine Bühne, grelles Licht und die völlig überraschende Erkenntnis, dass fremdes Eigentum auch dann fremdes Eigentum bleibt, wenn man ein sehr großes Logo darauf projiziert.
Ich stelle mir den Moment der Partyplanung vor. „Ist der Innenhof eigentlich gemietet?“ – „Für diesen Abend gehört er dem Volk!“ – „Und die Fassade?“ – „Der Fassade gefällt unser Logo bestimmt.“ Das ist eine faszinierende Immobilienstrategie. Ich werde sie beim nächsten Hotelaufenthalt testen und den Pool zum Balkon meines Zimmers erklären.
Nun beginnt die Suche nach einer neuen Zentrale. Das Anforderungsprofil dürfte anspruchsvoll sein: viel Platz für Sitzungen, gute Verkehrsanbindung, eine Fassade mit Verständnis für Projektionen und ein Innenhof, der vor jeder Feier schriftlich sein Einverständnis gibt. Außerdem sollte das Gebäude zentral liegen, aber bitte so weit weg von Widerspruch, dass man ihn nur mit dem Fernglas sieht.
Bis dahin regiert die AfD aus privaten Arbeitszimmern. Ich sehe schon die Videokonferenz: Im ersten Fenster hängt eine Deutschlandkarte. Im zweiten steht ein Wäscheständer. Im dritten ruft jemand nach einem stabilen WLAN-Signal, während im Hintergrund der Staubsauger die Sitzung akustisch übernimmt. Endlich erlebt die Partei die tatsächliche Härte des deutschen Alltags: Ein Drucker meldet „Papierstau“, obwohl überhaupt kein Papier darin liegt.
Natürlich könnte man den Auszug als großen Triumph verkünden. Ich kenne mich mit solchen Erklärungen aus. „Wir verlassen diese Räume freiwillig – genau zu den Terminen, zu denen wir sie verlassen müssen. Ein überwältigender Erfolg!“ Vielleicht erhält jeder Umzugskarton einen Orden. Der Karton mit den Verlängerungskabeln wird zum Ehrenvorsitzenden ernannt, weil ohne ihn niemand eine Pressekonferenz streamen kann.
Für mich ist die Sache klar: Die AfD wollte nach der Wahl die Fassade bespielen. Jetzt spielt die Fassade zurück. Und die trockenste Pointe lieferte kein Satiriker, sondern das Mietrecht: Wer einen Innenhof für seine große Show haben möchte, sollte vorher nachsehen, ob er ihn überhaupt gemietet hat.
Ronald Tramp meldet sich damit aus Berlin. Mein letzter Rat an die Wohnungssuchenden lautet: Beim nächsten Besichtigungstermin zuerst den Mietvertrag lesen. Danach kann man immer noch die Scheinwerfer auspacken.

