Bestrittene Nachrichten, erhoffte Gefallen und eine offene Kreditkartenrechnung: Ronald Tramp entdeckt die Außenpolitik zwischen Regierungskontakten und Zahlungsziel.
Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für Kreditkartendiplomatie und außenpolitische Beziehungen mit Zahlungsziel.
Liebe Leserinnen und Leser, Diplomatie wird ständig unterschätzt. Manche glauben, Botschafter müssten Beziehungen pflegen, Interessen vertreten und internationale Krisen entschärfen. Sehr altmodisch. Die wirklich große Frage lautet doch: Wer entschärft die Kreditkartenabrechnung?
Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ soll Kimberly Guilfoyle einen Trump-Unterstützer gebeten haben, ihre Kreditkartenschulden zu begleichen, und ihm zugleich Hilfe über ihre Regierungskontakte angeboten haben. Ihr Anwalt bestreitet die Echtheit der Nachrichten. Die Botschaft betont ihre Integrität. Wir sprechen also über bestrittene Vorwürfe – aber meine Güte, was für eine Vorlage für das diplomatische Kabarett!
„Schatz, bitte“, soll eine der Nachrichten begonnen haben. Ich finde das bemerkenswert. Früher hieß es „Sehr geehrter Herr Botschafter“. Heute offenbar: „Liebling, die außenpolitische Lage auf meinem Kartenkonto spitzt sich zu.“
Das ist die persönlichste Form internationaler Verständigung, seit jemand beim Staatsbankett unter dem Tisch nach dem falschen Knie gegriffen hat.
Der Unternehmer Eric Deters wollte seinerseits Unterstützung bei Steuer- und Rechtsangelegenheiten. Nach seiner Darstellung zahlte er die erbetene Kreditkartensumme allerdings nicht. Ein entscheidendes Detail. Wir haben hier womöglich die erste diplomatische Mission, bei der bereits die Überweisung an der Grenzkontrolle scheiterte.
Ich stelle mir das zugehörige Beratungsgespräch wunderschön vor: „Was kann ich für Sie tun?“ – „Ich habe Probleme mit der Steuerbehörde.“ – „Interessant. Ich habe Probleme mit American Express. Endlich eine gemeinsame außenpolitische Agenda.“
Früher tauschte man diplomatische Noten aus. In dieser satirischen Variante tauscht man Mahnungen und Hoffnungen.
Deters hatte zuvor bereits erhebliche Summen für Auftritte aus dem Trump-Umfeld ausgegeben. Nun beklagt er, keinen einzigen Gefallen erhalten zu haben. Leute, das ist bitter. Wer so viel in persönliche Kontakte investiert, erwartet wenigstens eine Warteschleifenmusik, die seinen Namen kennt.
Stattdessen bekommt er offenbar die Premiumfassung politischer Nähe: Man kennt jemanden, der jemanden kontaktieren könnte, der möglicherweise antwortet. Ein wunderschönes Produkt. Unsichtbar, schwer überprüfbar und praktisch ohne Lagerkosten.
Für einen Auftritt bei Tucker Carlson stellte Deters sogar eine besonders üppige Zahlung in Aussicht. Das Interview kam nicht zustande. Carlson erklärte, Guilfoyle habe keinen Einfluss auf seine Gästeauswahl, und fand die angebotene Summe völlig verrückt.
Wenn selbst im Umfeld politischer Dauerempörung jemand kurz innehält und sagt: „Moment, das ist absurd“, sollte man den Moment einrahmen. Solche seltenen Naturereignisse gehören normalerweise ins Wissenschaftsmuseum.
Besonders herrlich ist die im Bericht geschilderte Antwort aus dem Umfeld der Steuerbehörde: „BOOM.“
Was für ein Verwaltungsstil! Andere Behörden schreiben: „Ihr Anliegen wird geprüft.“ Hier klingt die Eingangsbestätigung wie ein Actionfilm, dessen Budget leider nicht mehr für die Handlung gereicht hat.
Ich würde sämtliche amtlichen Formulare entsprechend modernisieren. Antrag eingegangen: BOOM. Zuständigkeit ungeklärt: WHOOSH. Unterlagen fehlen: KABOOM. Bearbeitung abgeschlossen? Darüber reden wir später.
Dann kommt der angebliche Hinweis: „Hör auf zu schreiben.“ Eine großartige Empfehlung, wenn die Kommunikation später möglicherweise von einer Zeitung ausgewertet wird. Schriftlichkeit ist eben tückisch. Sie erinnert sich an Dinge, nachdem die Beteiligten beschlossen haben, sich nicht mehr zu erinnern.
In meiner erfundenen Diplomatenschule gäbe es dazu einen eigenen Kurs: „Vertraulichkeit für Menschen, die Warnungen vor schriftlichen Spuren schriftlich verschicken.“
Abschlussprüfung: Einen Zettel mit der Aufschrift „Bitte keinen Zettel hinterlassen“ korrekt ablegen.
Der ernsthafte Kern bleibt natürlich, dass bestrittene Nachrichten keine abschließende Feststellung von Fehlverhalten ersetzen. Für das satirische Gesamtbild reicht aber schon die Vorstellung einer Außenpolitik, deren dringendster Krisenherd zwischen Kreditlimit und Kontaktliste liegt.
Marco Rubio lobt Guilfoyle als starke Botschafterin. Sehr stark. Ich würde diese Stärke gern am diplomatischen Empfang beobachten: Händedruck, freundliches Lächeln, und irgendwo fragt ein Kellner, ob die nächste Runde aufs Haus geht.
Mein Vorschlag für ein neues Botschaftswappen: ein majestätischer Adler mit einer Kreditkarte in den Krallen. Der Olivenzweig bleibt erhalten – allerdings nur, solange ihn jemand anderes bezahlt.

