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Ronald Tramp und das Publikum mit dem seltenen IQ

Grafik: Trump und das Publikum mit dem seltenen IQ

Donald Trump entdeckt bei einer Veranstaltung plötzlich ein Publikum mit besonders hohem IQ – „zur Abwechslung“. Ronald Tramp untersucht, wer damit wohl versehentlich beleidigt wurde.

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Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für geistige Höhenflüge, rhetorische Tiefflüge und Publikumskontrolle

Es gibt Sätze, die betreten einen Raum, schauen sich kurz um und merken erst danach, dass sie gerade sämtliche Anwesenden beleidigt haben. Und dann gibt es Donald Trump.

Bei einer feierlichen Veranstaltung zur Ehrung bedeutender Persönlichkeiten aus der amerikanischen Technologiebranche geschah nämlich etwas Außergewöhnliches: Der Präsident blickte in den Saal und entdeckte Intelligenz.

Nicht irgendwo versteckt hinter einem Vorhang. Nicht versehentlich in einem Strategiepapier. Nein. Direkt im Publikum.

„Zur Abwechslung“, stellte er sinngemäß fest.

Und damit war sie da: die vermutlich eleganteste Massenbeleidigung seit jemand auf einer Familienfeier gesagt hat: „Schön, dass heute mal die normalen Verwandten gekommen sind.“

Trump lobte das versammelte Publikum für seinen besonders hohen IQ und fügte gleich mehrfach hinzu, dass dies offenbar eine willkommene Abwechslung sei. Eine Formulierung von solch chirurgischer Präzision, dass sich vermutlich irgendwo gleichzeitig mehrere frühere Trump-Publika fragten, ob sie gerade rückwirkend durch einen Intelligenztest gefallen waren.

Das ist politische Kommunikation auf höchstem Niveau. Andere Politiker brauchen komplizierte Redenschreiber, Umfragen, Fokusgruppen und strategische Berater, um ihre Anhänger vorsichtig anzusprechen. Trump benötigt lediglich ein Mikrofon und wenige Sekunden, um einem Raum voller Menschen ein Kompliment zu machen und gleichzeitig mehrere Stadien voller eigener Fans geistig in den Keller zu schicken.

Fantastisch.

Großartig.

Vielleicht sogar historisch.

Man stelle sich eine klassische politische Kundgebung vor. Tausende Menschen stehen begeistert herum, winken mit Fahnen, tragen Mützen und warten darauf, vom großen politischen Meister persönlich gewürdigt zu werden.

Und irgendwo auf einer riesigen Leinwand erscheint plötzlich die Nachricht:

„Heute leider kein Hoch-IQ-Publikum. Das gibt es nur bei besonderen Veranstaltungen.“

Für Ronald Tramp ist klar: Diese Bemerkung eröffnet völlig neue Möglichkeiten für das politische Veranstaltungsmanagement.

Am Eingang künftiger Kundgebungen könnten zwei Türen stehen.

Links: „Normales Publikum“.

Rechts: „Zur Abwechslung“.

Wer rechts hineinmöchte, muss möglicherweise eine Rechenaufgabe lösen, ein Passwort ändern, ohne es auf einen Klebezettel zu schreiben, und erklären, warum Drucker grundsätzlich genau dann nicht funktionieren, wenn man sie braucht.

Das Hoch-IQ-Publikum bekommt anschließend gepolsterte Sitze.

Alle anderen erhalten eine Mütze.

Besonders faszinierend ist dabei Trumps lebenslange Beziehung zum Thema Intelligenz. Kaum ein Mensch spricht so begeistert über geistige Fähigkeiten wie jemand, der von den eigenen besonders überzeugt ist.

Der Präsident betrachtet IQ offenbar nicht als abstrakten Messwert, sondern als eine Art Luxusmarke.

Andere Menschen besitzen Autos.

Trump besitzt Intelligenz.

Sehr viel Intelligenz.

Die beste Intelligenz.

Wahrscheinlich eine Intelligenz mit eigenem goldenen Aufzug.

Deshalb war seine Begeisterung über das Publikum möglicherweise sogar ehrlich gemeint. Vielleicht blickte er auf die versammelten Tech-Größen und dachte tatsächlich:

Endlich Menschen, die verstehen, wie Computer funktionieren.

Oder zumindest Menschen, die wissen, wo man jemanden anruft, wenn der Computer nicht funktioniert.

Doch das kleine „zur Abwechslung“ verwandelte das Kompliment in eine politische Splittergranate.

Denn sofort stellte sich die unvermeidliche Frage:

Wenn dieses Publikum ungewöhnlich intelligent ist – wer war dann vorher da?

Parteifreunde?

Spender?

Kongressabgeordnete?

Journalisten?

Das eigene Kabinett?

Oder die Menschen bei politischen Kundgebungen?

Washington hält den Atem an.

Vermutlich weniger aus Empörung als aus Angst, dass Trump irgendwann erklärt, welche Gruppe er konkret gemeint hat.

Vielleicht sollte man ihn besser nicht fragen.

Denn bei Donald Trump ist politische Kommunikation manchmal wie das Öffnen einer mysteriösen Schublade in einer fremden Küche: Man hofft auf Besteck und findet plötzlich drei Batterien, eine alte Rechnung und ein Feuerwerk.

Das eigentlich Geniale an diesem Moment bleibt jedoch seine universelle Einsetzbarkeit.

Beim nächsten Staatsbankett:

„Heute haben wir zur Abwechslung sehr höfliche Gäste.“

Beim nächsten Parteitag:

„Heute sind zur Abwechslung viele kompetente Leute hier.“

Bei einer Kabinettssitzung:

„Heute wurde zur Abwechslung sogar vorbereitet.“

Und irgendwann vielleicht vor den eigenen Anhängern:

„Ihr seid die klügsten Menschen überhaupt. Wirklich. Niemand ist klüger. Also… heute jedenfalls.“

Das Publikum wird jubeln.

Natürlich wird es jubeln.

Denn wahre politische Loyalität beginnt dort, wo man begeistert applaudiert, während man möglicherweise gerade beleidigt wurde.

Und Ronald Tramp kann nur feststellen:

Amerika hat viele politische Traditionen hervorgebracht.

Demokratie.

Wahlkampf.

Fernsehdebatten.

Und nun offenbar auch das Kompliment mit eingebautem Kollateralschaden.

Very smart.

Zur Abwechslung.

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Tags: Donald Trump US Politik Tech-Branche IQ
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