Die CSU wäre beim höchsten Staatsamt endlich dran, findet Markus Söder. Ronald Tramp begleitet ihn ins politische Fundbüro: Bonusheft vorlegen, Schloss abholen – persönliche Eignung bitte passend bereithalten.
Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für staatstragende Sammelpunkte und die bayerische Schlossplatzreservierung.
Leute, ich komme gerade aus dem politischen Fundbüro. Unglaublicher Laden. Im Regal liegen verlorene Wahlversprechen, herrenlose Verantwortlichkeiten und eine Schuldenbremse, deren Besitzer sich nur noch gelegentlich meldet. Dazwischen steht Markus Söder und verlangt das höchste Staatsamt.
„Müsste hier irgendwo liegen“, sagt er in meiner satirischen Vorstellung. „Wir wären nämlich langsam dran.“
Fantastisch! Endlich eine verständliche Verfassungslehre. Andere reden über Mehrheiten, Persönlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Söder zieht eine Wartenummer. Deutschland als Käsetheke: „Wer bekommt den nächsten Bundespräsidenten?“ – „Der Herr mit dem großen Bayern-Beutel war vor Ihnen.“
Ich habe schon Immobiliengeschäfte erlebt, bei denen der Eigentumsnachweis weniger selbstbewusst vorgetragen wurde.
Der Fundbürobeamte fragt nach einem Beleg. Söder legt ein abgegriffenes Bonusheft auf den Tresen. Für jedes Jahr bayerischer Regierungsverantwortung ein Stempel. Für jede empörte Forderung nach mehr Anerkennung ein Zusatzpunkt. Das Heft ist so voll, dass es einen eigenen Fraktionsstatus beantragen könnte.
Die Prämie: einmal Bellevue. Ohne Zuzahlung. Frühstück und staatstragender Blick inklusive.
„Leider“, erklärt der Beamte, „sind Verfassungsorgane von unserer Treueaktion ausgeschlossen.“
Söder schaut ihn an, als hätte gerade jemand behauptet, Franken sei nur eine unverbindliche Servierempfehlung.
Dabei hat er eine Kandidatin: Ilse Aigner. Und hier muss man fair sein. Die Frau hat politische Erfahrung und braucht für ihre Bewerbung wahrlich keinen Coupon aus Markus’ Staatsämter-Sammelalbum. Aber Söder schafft es, selbst eine ernsthafte Personalfrage klingen zu lassen wie die Reklamation einer ausgebliebenen Gratispfanne.
„Wir haben lange genug gesammelt! Wo bleibt unser Schloss?“
Ich finde das unternehmerisch interessant. Wenn man lange genug ein Bundesland regiert, erhält man offenbar bundesweite Prämienansprüche. Dann müsste jeder langjährige Bürgermeister irgendwann einen Flugzeugträger bekommen. Und mein Friseur hätte nach all den Jahren mindestens Anspruch auf die Leitung der Europäischen Zentralbank. Der kennt sich mit Kürzungen aus.
Besonders schön: Es gehe keinesfalls um Postengeschacher. Natürlich nicht. Sobald jemand diesen Satz sagt, hört man im Hintergrund bereits die Möbelpacker politische Schreibtische vermessen.
Postengeschacher wäre, wenn andere Parteien Ansprüche anmelden. Bei der CSU handelt es sich selbstverständlich um die Wiederherstellung einer historisch überfälligen Sitzordnung.
Im Fundbüro wird deshalb eine neue Abteilung eingerichtet: „Bislang nicht erhaltene Spitzenämter“. Söder übernimmt sofort die Beschilderung. Anschließend erklärt er, die Abteilung sei ohne bayerische Führung leider nicht arbeitsfähig.
Ich frage nach dem Unterschied zwischen Eignung und Anspruch.
„Ganz einfach“, erläutert der imaginäre Sachbearbeiter. „Eignung muss man begründen. Anspruch muss man nur oft genug wiederholen.“
Großartig. Das ist keine Personalstrategie mehr. Das ist ein Parkschein, der sich durch lautes Hupen selbst verlängert.
Inzwischen steht im Wartebereich ein kleiner Modellbau von Schloss Bellevue. Söder legt vorsichtshalber ein Handtuch darüber. Man will niemandem vorgreifen. Nur verhindern, dass sich aus Versehen jemand anderes auf den überparteilichen Liegestuhl setzt.
Aigner könnte währenddessen vermutlich längst ein vernünftiges Gespräch über das Amt führen. Aber neben ihr erläutert jemand weiterhin, warum die Bundesrepublik der CSU noch eine Lieferung schuldet.
Am Ende verlässt Söder das Fundbüro mit seiner Wartenummer und der festen Überzeugung, dass Geduld eine Tugend sei, die jetzt endlich einmal die anderen praktizieren müssten.
Natürlich entscheidet allein die persönliche Eignung – die CSU hat vorsichtshalber schon festgelegt, welche Parteizugehörigkeit dafür erforderlich ist.

