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Ronald Tramp
★ Macht Meinung wieder Gross! ★

Nur mal kurz mithören: Chinas Satellit zieht neben der Bundeswehr ein

Grafik: Chinas Satellit hört mit? Ronald Tramp prüft den Orbit

Ein chinesischer Satellit kommt einem Inmarsat-Knoten auffällig nahe. Ronald Tramp besichtigt die neue Weltraum-WG: Die Bundeswehr sendet, der Nachbar forscht – angeblich.

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Von Ronald Tramp, dem einzigen Reporter, der beim Blick in den Sternenhimmel inzwischen prüft, ob das Funkeln eine Empfangsbestätigung ist.

Leute, ich kenne aufdringliche Nachbarn. Die aufdringlichsten. Menschen, die hinter der Gardine stehen und anschließend behaupten, sie hätten zufällig gesehen, wann man den Müll rausbringt. Aber China hebt die Nachbarschaftskontrolle offenbar auf ein völlig neues Niveau: geostationäre Gardinenbeobachtung.

Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung soll sich der chinesische Satellit TJS-20 auffällig einem Kommunikationssatelliten von Inmarsat genähert haben. Dessen Infrastruktur nutzt auch die Bundeswehr. Es besteht der Verdacht auf Ausspähung.

Ein unangenehmer Vorgang. Sehr unangenehm. Man möchte weltweit militärische Daten übertragen und bekommt möglicherweise einen Nachbarn, dessen Vorstellung von Abstand lautet: „Ich kann eure Antenne von hier aus fast beim Vornamen nennen.“

Offiziell gehört der chinesische Satellit zu einem Testprogramm für Kommunikationstechnik. Wissenschaftliche Zwecke. Natürlich! Wissenschaft ist wichtig. Vielleicht untersucht man dort oben die hochinteressante Frage, warum ausgerechnet neben fremden Kommunikationssatelliten so viel Kommunikation stattfindet.

Eine bahnbrechende Entdeckung.

Ich stelle mir den entsprechenden Forschungsbericht vor: „Nach intensiver Annäherung konnten wir bestätigen: Die anderen senden.“

Dafür gibt es bestimmt einen Preis. Einen sehr diskret verliehenen Preis.

Die Bundeswehr nutzt neben eigenen Satelliten auch kommerzielle Dienste. Das ist zunächst nachvollziehbar. Man baut schließlich auch nicht für jedes dienstliche Telefonat ein eigenes Mobilfunknetz.

Trotzdem hat die Situation einen gewissen Charme: Militärische Weltkommunikation läuft über einen privaten Anbieter, während möglicherweise ein fremder Nachrichtendienst im kosmischen Nachbarbüro sitzt.

In meiner satirischen Weltraumverwaltung hängt bereits ein Schild: „Gemeinschaftsantenne bitte nach Benutzung sauber hinterlassen.“

Daneben der Belegungsplan.

Bundeswehr: dienstlich.

Inmarsat: kommerziell.

Verdächtiger Nachbar: rein wissenschaftlich, den ganzen Tag.

Besonders fantastisch ist die mögliche Gegenmaßnahme: Kunden soll geraten worden sein, die Frequenzen zu wechseln. Experten bezweifeln laut dem Bericht, dass das ausreicht, falls der mutmaßliche Lauscher ein breites Spektrum erfassen kann.

Leute, das erinnert mich an einen Mann, der im hell erleuchteten Wohnzimmer vertrauliche Gespräche führt und zur Sicherheit auf den anderen Sessel umzieht.

„Hier hört uns niemand.“

„Das Fenster steht noch offen.“

„Ja, aber jetzt sitze ich links.“

Ich kenne Frequenzwechsel. Die besten. Beim Autoradio funktioniert das hervorragend: Schlechte Nachrichten? Anderer Sender. Leider lässt sich ein möglicher Spionagesatellit nicht dadurch abschütteln, dass man vom Sicherheitspolitikkanal zur Verkehrsdurchsage wechselt.

Und dann die Metadaten! Ein fantastisches Wort. Klingt nach etwas, das man beim Softwareupdate versehentlich mitinstalliert.

Dabei können schon Zeitpunkt, Häufigkeit und Verbindungen einer Kommunikation viel verraten. Dazu muss ein Beobachter nicht unbedingt die verschlüsselten Inhalte lesen können.

Das ist wie beim Nachbarn: Er weiß nicht, was beim Familiengespräch gesagt wurde. Aber wenn plötzlich alle Verwandten gleichzeitig vorfahren, der Anwalt aussteigt und jemand den Gartenzwerg einpackt, kann er sich eine gewisse Entwicklung zusammenreimen.

Verschlüsselung bleibt deshalb wichtig. Sie macht den Inhalt unlesbar. Sie verwandelt aber nicht automatisch jede Verbindung in ein unsichtbares Einhorn.

In meiner imaginären Pressekonferenz würde ein Sprecher das so erklären:

„Die Nachricht selbst ist hervorragend geschützt.“

„Und wer mit wem spricht?“

„Darüber sprechen wir nicht.“

„Der Satellit vielleicht schon.“

Das Verteidigungsministerium äußert sich dem Bericht zufolge aus Sicherheitsgründen nicht zu konkreten Bedrohungsszenarien. Das Weltraumkommando beobachtet die Lage.

Ich sehe die satirische Büroversion vor mir: Ein Offizier zeigt auf einen Bildschirm. Ein Kollege fragt, was man tun könne. Aus der Verwaltung kommt der Vorschlag, zunächst einen höflichen Hinweis auf die geltenden Abstandsregeln zu formulieren.

Leider fehlt im Orbit die klassische deutsche Eskalationsstufe: ein laminierter Zettel am Scheibenwischer.

Und eine Hausverwaltung gibt es auch nicht. Sonst hätte längst jemand eine Beschwerde eingereicht: „Der neue Satellit hört seit Wochen nach oben offen.“

Russische Systeme stehen ebenfalls seit Jahren unter entsprechendem Verdacht. Der Weltraum entwickelt sich damit zum exklusivsten Mehrfamilienhaus der Geschichte: Jeder behauptet, nur Aussicht zu genießen, und alle interessieren sich brennend für die Anschlüsse der anderen.

Ich, Ronald Tramp, empfehle deshalb, Weltraumsicherheit so ernst zu nehmen wie die Infrastruktur am Boden. Mit belastbarer Technik, geschützten Verbindungen und realistischen Handlungsmöglichkeiten.

Bis dahin bleibt immerhin eine beruhigende Erkenntnis:

Die Bundeswehr hat möglicherweise nicht zu wenig eigene Satelliten. Sie hat bloß zu viele fremde, die sich ungefragt für zuständig halten.

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Tags: Bundeswehr China Metadaten Weltraumsicherheit Inmarsat TJS-20 Satellitenspionage
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