RT
Ronald Tramp
★ Macht Meinung wieder Gross! ★

Troll-Bots im Funkloch: Der Kreml muss jetzt selber kommentieren

Grafik: Troll-Bots offline: Die Volksmeinung kommt per Rohrpost

Nach dem Yandex-Ausfall besucht Ronald Tramp eine erfundene Trollfabrik: Digitale Wutbürger schweigen, Kommentare reisen per Rohrpost – und echte Menschen diskutieren plötzlich miteinander.

EoT - Banner 003Partnerlink

Von Ronald Tramp, dem einzigen Reporter, dessen Meinung so gewaltig ist, dass sie keine Bot-Armee braucht – höchstens einen eigenen Parkplatz.

Leute, das ist eine digitale Katastrophe von historischer Schönheit: Nach Angriffen auf Yandex-Rechenzentren brach der automatisierte Datenverkehr aus dessen Netzwerk zeitweise fast vollständig ein. Dienste fielen aus. Server schwiegen. Die Cloud lag plötzlich dort, wo Wolken laut Werbeprospekt niemals liegen: zwischen Kabeln, Beton und einem sehr nervösen Techniker.

Ob darunter tatsächlich politische Troll-Bots waren, lässt sich aus den Verkehrsdaten nicht ablesen. Bots erledigen schließlich auch normale Aufgaben. Für diese Satire öffnen wir deshalb ausdrücklich eine erfundene Tür: zur Trollfabrik „Volksmeinung auf Knopfdruck“.

Und dort, meine Freunde, herrscht Ausnahmezustand.

In einer riesigen Halle sitzen digitale Empörungsmaschinen vor dunklen Bildschirmen. Eben waren sie noch besorgte deutsche Familienväter, enttäuschte französische Krankenschwestern und amerikanische Veteranen mit auffällig identischen Satzzeichen. Jetzt sind sie nur noch Dateien mit unerfülltem Mitteilungsbedürfnis.

Ein Troll-Bot versucht verzweifelt, „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ zu posten.

Nichts.

Er versucht es erneut.

Weiterhin nichts.

Zum ersten Mal erlebt er tatsächlich, dass er etwas nicht sagen kann. Eine schwierige Begegnung mit der eigenen Lieblingsbehauptung.

Der erfundene Schichtleiter stürzt herein.

„Genossen! Wir haben ein Problem. Im Internet bilden sich unbeaufsichtigt Meinungen!“

Entsetzen.

Ein Praktikant sackt zusammen. Ein älterer Propagandist verlangt sofort die Wiederherstellung der öffentlichen Spontaneität.

Ich, Ronald Tramp, verstehe die Panik. Jahrelang ließ sich digitale Zustimmung wunderbar produzieren: Man drückte auf einen Knopf, und plötzlich waren überall Menschen „schon immer dieser Ansicht“. Jetzt muss jemand diese Ansicht von Hand herstellen. Mit Fingern. Wie im Mittelalter.

Die Belegschaft bekommt deshalb neue Dienstanweisungen. Jeder Mitarbeiter soll persönlich mehrere empörte Bürger darstellen. Allerdings fehlen Zeit, Personal und ausreichend glaubwürdige Urlaubsfotos.

Ein überforderter Angestellter schreibt nacheinander als „Helga aus Bottrop“, „Patriotischer Peter“ und „Freier Denker mit Motorrad“.

Beim letzten Konto vergisst er den Rollenwechsel.

„Als alleinerziehende Mutter meines Motorrads kann ich nur sagen: NATO!“

Ein Meisterwerk. Sehr authentisch. Ich kenne viele Motorrad-Mütter. Hervorragende Menschen.

Währenddessen entwickelt die technische Abteilung ein analoges Ersatzverfahren. Kommentare werden auf Papier geschrieben und per Rohrpost an einen Kollegen geschickt, der sie am einzigen funktionierenden Anschluss veröffentlicht.

Das Verfahren heißt „dezentrale Bürgerbewegung“.

Die Rohrpost heißt Günther.

Günther trägt die Zettel.

Draußen im Netz geschehen währenddessen unheimliche Dinge. Unter einem Artikel über Mülltrennung diskutieren plötzlich Menschen über Mülltrennung. Niemand erklärt, dass der gelbe Sack eine Geheimoperation westlicher Eliten sei. Unter einem Kuchenrezept fragt jemand nach der Backzeit, ohne nebenbei den Untergang Europas anzukündigen.

Eine gesellschaftliche Ausnahmesituation. Fast schon Gesprächskultur.

Im erfundenen Kreml-Krisenstab wird deshalb ein besonders gefährlicher Vorfall gemeldet: Zwei Menschen haben unterschiedliche Ansichten ausgetauscht und sich anschließend einen schönen Tag gewünscht.

Der zuständige Funktionär verlangt eine Untersuchung.

„Warum hat niemand dazwischen geschrieben, dass beide bezahlt sind?“

„Die Server sind aus.“

„Dann bezahlt jemanden, der behauptet, dass beide bezahlt sind!“

Fantastisch. Eine Volksmeinung mit Beschaffungsvorgang.

Besonders hart trifft der Ausfall den Bot „Unabhängiger Beobachter“. Er hatte bislang ununterbrochen erklärt, sämtliche anderen seien gesteuert. Nun entdeckt er, dass seine eigene Existenz an einem Stromkabel hängt.

Er beantragt psychologische Betreuung.

Die Antwort kommt automatisch.

Dann fällt auch sie aus.

Meine Reportage endet vor einem dunklen Serverrack. Der Schichtleiter streichelt das Gehäuse und flüstert: „Komm zurück. Ohne dich glauben die Leute noch, was sie selbst denken.“

Ich nicke verständnisvoll. Technik kann grausam sein. Vor allem, wenn sie plötzlich offenlegt, wie viel vermeintliche Bevölkerung in einen Serverschrank passt.

Für den erfundenen Trollbetrieb bleibt nur eine bittere Erkenntnis: Solange das Rechenzentrum schweigt, hat „die schweigende Mehrheit“ endlich einen technisch nachvollziehbaren Grund.

Open-How2 - Banner 004Partnerlink
Tags: Russland Propaganda Bot-Traffic Yandex Trollfabrik Troll-Bots
a
Das könnte dich auch interessieren
Pest im Labor? Moskau findet den Schuldigen: natürlich die Ukraine!
Russlands letzte Wahrheitsinsel: Der Sport-Express
Putins Eisbär-Theorie: Wenn Dummlaberei Politik wird
Operation Dickhäuter
‹ Vorheriger
Trinkgeld mit Zwangsautomatik…
Verpasse keine Enthüllung!
Abonniere meinen Newsletter und erhalte die Wahrheit regelmäßig – direkt und ungefiltert.