Trump erfüllt sogar Versprechen, die er nie gemacht hat. Ronald Tramp entdeckt die politische Erfolgsmaschine: keine Zusage, grenzenlose Übererfüllung.
Von Ronald Tramp, Ihrem Sonderkorrespondenten für überschüssige Erfolge und die nachträgliche Befruchtung ungelegter Eier.
Leute, Donald Trump hat verkündet, er habe mehr Versprechen gehalten, als er gemacht habe. Fantastisch! Andere Politiker scheitern an ihren Zusagen. Dieser Mann erfüllt bereits Dinge, die ihm noch gar nicht eingefallen sind.
Ich, Ronald Tramp, erkenne sofort: Das ist die industrielle Revolution der Selbstbeweihräucherung. Endlich wächst eine Wirtschaft ausschließlich durch Eigenlob. Der Mund produziert, die Hände applaudieren, das Gehirn darf ins Wochenende.
In meiner Vorstellung arbeitet im Weißen Haus längst ein Amt für rückwirkende Wahlversprechen. Dort sitzen Beamte und suchen zu jedem behaupteten Erfolg das passende Versprechen.
„Sir, Sie haben heute eine Tür geöffnet.“
„Hatte ich versprochen. Schon immer. Niemand öffnet Türen wie ich.“
„Sie haben das nie erwähnt.“
„Dann habe ich sogar ein ungemachtes Versprechen gehalten. Doppelter Erfolg!“
Großartig. Nach dieser Logik habe ich heute bereits einen Marathon gewonnen, weil ich nie angekündigt hatte, überhaupt aufzustehen.
Die politische Buchführung wird dadurch erheblich einfacher: Versprochenes wird als erfüllt verbucht. Nicht Versprochenes ebenfalls. Unerfülltes zählt als langfristig erfüllte Zukunft. Und wer nach Belegen fragt, sabotiert den Aufschwung.
Ich sehe die neue Erfolgsbilanz schon vor mir: Ein leeres Blatt, eingerahmt in Gold. Darunter ein zweites leeres Blatt als unabhängiges Gutachten.
Selbstverständlich bekommen die Bürger die überschüssigen Versprechen zurück. Als imaginäre Gutschrift. Einlösbar überall, wo man mit gefühlten Erfolgen bezahlen kann. Also vorerst ausschließlich auf Pressekonferenzen.
Mein Vorschlag: Trump verspricht künftig einfach gar nichts mehr.
Dann kann er täglich verkünden, sämtliche Zusagen übertroffen zu haben. Absolute Vertragstreue bei vollständiger Inhaltsfreiheit. Juristisch ein Traum, politisch ein Perpetuum mobile mit Krawatte.
Und falls jemand behauptet, das sei unmöglich, bekommt er die entscheidende Antwort:
„Ich habe nie versprochen, dass Sie es verstehen.“
Wieder ein Versprechen gehalten.

