Chuck Lorre beleidigt Trump, das Weiße Haus kontert mit „Trump Derangement Syndrome“ und einem „erdnussgroßen Gehirn“. Ronald Tramp eröffnet die politische Psychiatrie.
Von Ronald Tramp, Facharzt für politische Ferndiagnosen, chronische Empörung und orangefarbene Reizüberflutung
Meine Damen und Herren, Amerika hat einen medizinischen Durchbruch erzielt. Einen unglaublichen Durchbruch. Vielleicht größer als Penicillin, Röntgenstrahlen und die Erfindung jener kleinen Plastikbecher, in denen Krankenhäuser Tabletten verteilen.
Das Weiße Haus praktiziert jetzt Psychiatrie.
Fantastisch!
Und offenbar braucht man dafür weder Medizinstudium noch Approbation noch ein Wartezimmer mit trauriger Zimmerpflanze.
Man benötigt nur eines:
Jemanden, der Donald Trump beleidigt.
Dann erfolgt die Diagnose praktisch automatisch.
Der jüngste Patient heißt Chuck Lorre, Erfinder erfolgreicher Fernsehserien wie „Two and a Half Men“ und „The Big Bang Theory“. Lorre hatte Trump bei einer Gala ausgesprochen derb als ein orangefarbenes Exkrement bezeichnet.
Ronald Tramp möchte zunächst medizinisch feststellen:
Das ist keine Diagnose.
Das ist eher eine Farbbeschreibung mit Verdauungshintergrund.
Aber im Weißen Haus schrillten offenbar sofort sämtliche Alarmglocken.
Dr. White House übernimmt
Ein Sprecher des Weißen Hauses empfahl Lorre daraufhin öffentlich psychiatrische Behandlung und diagnostizierte sinngemäß einen schweren Fall des sogenannten „Trump Derangement Syndrome“.
Wichtig für alle Patienten im Wartezimmer:
Dieses Syndrom ist keine medizinisch anerkannte Diagnose.
Es handelt sich um einen politischen Kampfbegriff.
Aber warum sollte das jemanden aufhalten?
Ronald erwartet schon bald die vollständige Erweiterung des amerikanischen Gesundheitssystems.
Patient: „Herr Doktor, mein Rücken tut weh.“
Arzt: „Haben Sie Trump kritisiert?“
Patient: „Ja.“
Arzt: „TDS.“
Patient: „Aber ich bin von einer Leiter gefallen.“
Arzt: „Schweres TDS.“
Patient: „Mein Bein steht im rechten Winkel.“
Arzt: „Sehr schweres TDS. Nächster!“
Endlich effiziente Medizin!
Das erdnussgroße Gehirn
Doch damit nicht genug.
Der Sprecher erklärte laut Ausgangstext außerdem, Lorres angebliches Syndrom habe dessen „erdnussgroßes Gehirn völlig zerfressen“.
Meine Damen und Herren!
Was für eine offizielle Regierungskommunikation.
Früher veröffentlichten Regierungen diplomatische Noten.
Heute:
„DU HAST EIN ERDNUSSGEHIRN!“
Thomas Jefferson würde vermutlich aus seinem Grab steigen, kurz aufs Smartphone schauen und freiwillig wieder hineinklettern.
Ronald Tramp muss allerdings eine Frage stellen:
Wenn Chuck Lorre tatsächlich nur ein erdnussgroßes Gehirn besitzen sollte – wie hat dieser Mann dann einige der erfolgreichsten Fernsehproduktionen seiner Generation geschaffen?
Das wäre sensationell!
Hollywood könnte Milliarden sparen.
Keine Autorenräume mehr.
Keine großen Produktionsbüros.
Einfach ein Glas Erdnüsse auf den Tisch stellen und warten, bis Staffel zwölf fertig ist.
Sheldon Cooper untersucht den Fall
Besonders schön ist natürlich, dass ausgerechnet der Schöpfer von „The Big Bang Theory“ nun Gegenstand einer Debatte über Gehirngröße wird.
Ronald sieht Sheldon Cooper bereits vor einer Tafel stehen.
„Unter der Annahme, dass Lorres Gehirn tatsächlich das Volumen einer Erdnuss besitzt, gleichzeitig aber erfolgreiche Serien produziert, während ein Regierungsapparat öffentlich über Gehirngrößen diskutiert, stellt sich wissenschaftlich eine interessante Frage.“
Leonard: „Welche?“
Sheldon:
„Welche Seite dieses Streits braucht eigentlich die Untersuchung?“
Bazinga!
Fall geschlossen.
Two and a Half Men – Washington Edition
Auch „Two and a Half Men“ bekommt plötzlich eine politische Neuauflage.
Ronald präsentiert:
„Two and a Half Spokesmen.“
Episode eins: Die beleidigte Erdnuss.
Episode zwei: Mein Präsident, dein Syndrom.
Episode drei: Charlie Harper zieht ins Oval Office.
Episode vier: Der Psychiater hat gekündigt.
Das Staffelfinale besteht ausschließlich aus zwei Männern, die sich gegenseitig erklären, der andere sei verrückt.
Amerikanische Politik also.
Nur mit Werbepausen.
Die perfekte politische Krankheit
Das Geniale am „Trump Derangement Syndrome“ ist seine praktische Konstruktion.
Kritisierst du Trump sehr heftig?
TDS!
Kritisierst du Trump noch heftiger?
Schweres TDS!
Widersprichst du der Diagnose?
Beweis für fortgeschrittenes TDS!
Das ist politisch ausgesprochen komfortabel.
Ronald möchte deshalb eigene Syndrome anmelden.
Wer Ronald Tramp nicht lustig findet, leidet künftig am Ronald Humor Recognition Deficiency Syndrome.
Symptome:
Stirnrunzeln.
Augenrollen.
Kritische Kommentare.
Und besonders schwerwiegend:
„Ich fand den Artikel nicht witzig.“
Unheilbar!
Amerika entdeckt die Ferndiagnose
Natürlich darf man Chuck Lorres ursprüngliche Beleidigung ebenfalls für geschmacklos halten. Einen Präsidenten mit Fäkalsprache zu beschimpfen, ist schließlich keine besonders raffinierte Form politischer Kritik.
Aber genau deshalb ist die Reaktion so herrlich.
Auf eine grobe Beleidigung hätte das Weiße Haus beispielsweise sagen können:
„Das ist niveaulos.“
Stattdessen antwortet die Regierung sinngemäß:
„DER ANDERE IST VERRÜCKT UND HAT EIN ERDNUSSGEHIRN!“
Ronald Tramp gratuliert.
Das ist ungefähr so, als würde jemand behaupten, dein Restaurant sei unseriös, und du beweist das Gegenteil, indem du ihm einen Stuhl durchs Fenster hinterherwirfst.
Sehr überzeugend.
Ronalds Diagnose
Und damit stehen wir vor dem eigentlichen medizinischen Rätsel.
Hollywood diagnostiziert bei Trump moralischen Totalschaden.
Das Weiße Haus diagnostiziert bei Hollywood Trump-Syndrom.
Alle diagnostizieren.
Niemand behandelt.
Und irgendwo sitzt ein echter Psychiater, betrachtet die Nachrichten und murmelt:
„Bitte hört auf, meinen Beruf als Metapher zu benutzen.“
Ronald Tramp hat deshalb eine letzte Diagnose.
Sie betrifft nicht Chuck Lorre.
Nicht Donald Trump.
Nicht Republikaner.
Nicht Demokraten.
Sondern das politische Amerika insgesamt.
Symptome: permanente Empörung, zwanghaftes Posten, chronische Beleidigungsbereitschaft und die vollständige Unfähigkeit, einen Satz zu beenden, ohne jemanden für geistig unzurechnungsfähig zu erklären.
Die Krankheit heißt:
Social-Media-Endstadium.
Leider gibt es bislang keine Therapie.
Experten empfehlen allerdings einen revolutionären Behandlungsversuch:
Handy weglegen.
Die Heilungschancen gelten als gering.

