Eine Richterin stoppt vorerst weitere Rodungen auf Trumps Golfbaustelle. Ronald Tramp untersucht die gefährliche Opposition aus Eichen, Eichhörnchen und rechtsstaatlich geschützten Hindernissen.
Von Ronald Tramp, dem einzigen Reporter, der einen Golfball so präzise schlägt, dass er anschließend die Landschaft um dessen Standort herum planen lässt.
Leute, es ist ein Skandal. Ein gewaltiger Skandal. In Washington hat eine Bundesrichterin weitere Baumfällungen auf einem Golfplatz vorläufig gestoppt. Donald Trump wollte den Platz aufwendig renovieren. Die Bäume wollten offenbar weiter Bäume sein. Eine unglaublich starre Verhandlungsposition. Kein Entgegenkommen. Nicht einmal ein kleiner Schritt zur Seite.
Bereits zahlreiche Bäume waren gefällt worden, als Umweltschützer mit ihrem Eilantrag einen vorläufigen Rodungsstopp erreichten. Die endgültige Entscheidung steht noch aus. Bis dahin darf die Landschaft also etwas tun, was im Umfeld des Präsidenten zunehmend ungewöhnlich wirkt: stehen bleiben und widersprechen.
Ich, Ronald Tramp, erkenne sofort die historische Tragweite. Hier geht es nicht bloß um Golf. Hier geht es um die Frage, ob ein amerikanischer Präsident einen Ball nach links schlagen kann, ohne anschließend die gesamte linke Seite der Natur abschaffen zu müssen.
In meiner ausdrücklich erfundenen Rekonstruktion beginnt die Krise mit einem präsidialen Abschlag. Der Ball fliegt majestätisch. Sehr majestätisch. Er nimmt nur eine Richtung, die vorher nicht mit dem Weißen Haus abgestimmt wurde.
Dann trifft er einen Baum.
Ein normaler Golfer würde seinen Schwung überprüfen. Ein großer Staatsmann überprüft die Aufenthaltsberechtigung der Eiche.
„Dieser Baum war vorher nicht da“, erklärt der Präsident in dieser Satire. „Viele Leute sagen das. Sehr glaubwürdige Leute. Mein Caddie hat ihn gerade erst entdeckt.“
Ein Berater weist vorsichtig darauf hin, dass der Stamm ziemlich dick sei.
„Dann ist er schon sehr lange illegal hier.“
Sofort wird eine Untersuchung eingeleitet. Hat die Eiche Beziehungen zu den Grünen? Warum trägt sie ständig grün? Weshalb wirft sie Schatten auf amerikanischen Boden? Und wer bezahlt eigentlich diese Eichhörnchen, die den Präsidenten von oben beobachten, ohne Presseausweis?
Ich sage euch: Dieser Golfplatz ist ein Sicherheitsrisiko. Überall Wurzeln. Ein unterirdisches Netzwerk. Niemand weiß, mit wem die Buche kommuniziert. Wahrscheinlich mit einer Birke. Vielleicht sogar im Ausland.
Die geplante Renovierung verspricht dagegen endlich geordnete Verhältnisse: freie Sicht, freier Schwung und keine Vegetation, die bei schlechten Schlägen im Weg steht. Ein Golfplatz muss schließlich fair sein. Besonders fair zu dem Mann, der entscheidet, was fair bedeutet.
Für misslungene Abschläge schlage ich deshalb mobile Löcher vor. Der Ball landet irgendwo, ein Mitarbeiter trägt das Loch hinterher. Fantastischer Sport. Sehr effizient. Endlich wird Leistung dort anerkannt, wo sie liegt.
Doch dann kommt die Richterin.
Sie stoppt weitere Rodungen vorläufig. Vorläufig! Das ist juristisch wichtig, emotional jedoch bereits ein Staatsstreich gegen den gepflegten Rasen. Plötzlich gelten für Motorsägen Grenzen. Als Nächstes muss ein Bagger womöglich erklären, weshalb er in einem öffentlichen Park arbeitet. Wo soll das enden? Bei Regeln?
In meiner Fantasie betrachtet Trump den Gerichtsbeschluss lange und fragt schließlich, ob man gegen die Richterin einen Bunker bauen könne.
„Einen Sandbunker, Sir?“
„Wir fangen klein an.“
Die Umweltschützer freuen sich unterdessen über den Teilerfolg. Die verbliebenen Bäume können vorerst weiter Schatten spenden, Lebensraum bieten und Sauerstoff produzieren. Typische Selbstdarsteller. Arbeiten einfach den ganzen Tag, ohne eine Pressekonferenz über ihre Leistungen abzuhalten. Kein goldenes Namensschild. Kein Baum behauptet, er habe die Photosynthese erfunden. Politisch vollkommen unerfahren.
Ich sehe natürlich auch die Bedürfnisse des Präsidenten. Golf ist anspruchsvoll. Man muss Konzentration, Körperbeherrschung und Frustrationstoleranz mitbringen. Oder eine Motorsäge. Es gibt unterschiedliche Schulen.
Mein Lösungsvorschlag ist deshalb ein Kompromiss: Die Bäume dürfen bleiben, müssen sich aber vor jedem Abschlag verbeugen. Wer stehen bleibt, erhält eine Vorladung. Wer im Herbst seine Blätter abwirft, wird wegen Vernichtung von Beweismitteln überprüft.
Bis zur endgültigen Entscheidung bleibt die Sache offen. Der Präsident will umbauen, die Umweltschützer wollen bewahren, und die Justiz verlangt, dass nicht einfach weitergesägt wird.
Ein schwieriger Konflikt. Aber vielleicht steckt darin eine große pädagogische Chance:
Wenn der Ball ständig im Wald landet, kann man den Wald abholzen. Man kann allerdings auch Golf lernen. Letzteres wäre für Trump natürlich der deutlich radikalere Umbau.

